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02.04.2011

14:00 Uhr

Go-Daddy-Chef

US-Unternehmer erschießt nur "Problemelefanten"

VonBernd Kupilas

Darf ein Unternehmer das? In Afrika einen Elefanten erschießen und das Video im Internet zeigen? Bob Parsons, Chef des US-Internet-Dienstleisters GoDaddy tat genau das – nun hagelt es Proteste von Tierschützern.

Bob Parsons als Redner bei der Muhammad Ali Celebrity Fight Night in Scottsdale, Arizona. Quelle: Reuters

Bob Parsons als Redner bei der Muhammad Ali Celebrity Fight Night in Scottsdale, Arizona.

New YorkStockdunkel ist es, kein Mond erhellt diese Nacht in der Steppe von Labola, Simbabwe. Langsam schleichen sich die Jäger durch die Finsternis an die Elefantenherde, eine geschlagene Stunde dauert es, bis sie nahe genug herankommen. Dann der erste Schuss, im Schein von Mündungsfeuer und Taschenlampen erkennt man flüchtende graue Kolosse. Ein Elefant ist getroffen – tot. Die anderen Tiere fliehen.

Es ist Bob Parsons, der als erster abgedrückt hat. Amerikanischer Unternehmer, Chef und Gründer von GoDaddy, einem Internet-Servicedienstleister mit Sitz in Scottsdale, Arizona. Er verdient sein Geld mit dem Verkauf von Speicherplatz im Internet. Außerdem macht er leidenschaftlich gerne Videos, auf seiner persönlichen Website betreibt er ein Videoblog. Und schließlich: Elefantenjäger. Khaki-farbene Hose, schwarzes T-Shirt, Fernrohr, Jagdgewehr – so posiert er später vor dem erlegten Tier.

Parsons lädt das Video ins Internet hoch – sofort hagelt es Proteste von Tierschützern. Mehr als eine halbe Million mal wurde das Video schon geklickt. Insbesondere die radikal-fanatischen Tierschützer von der Organisation Peta laufen Sturm. „Ungeheuer rücksichtslos“ sei das, was Parsons getan habe, er töte zum Vergnügen. Peta verleiht ihm den Titel „schmutzigster Firmenchef“ (die Auszeichnung „ist bereits auf dem Weg“) und mutmaßt, Parsons habe wohl „Probleme mit seiner Männlichkeit“.

Doch Parson hält dagegen. „Sie sind komplett falsch informiert“, wirft er Peta vor. Es gebe viel zu viele Elefanten im südlichen Afrika, sie stellten ein Problem dar – für die Bauern dort, die von den Früchten ihrer Arbeit leben müssten und auf deren Feldern die mächtigen Tiere alles kaputt trampelten. Er sei jetzt das zweite Jahr in Folge zur „Jagd von Problemelefanten“ nach Simbabwe gefahren – es sei „eines der lohnenswertesten Dinge, die man tun kann“.

Tatsächlich ist Parsons’ Video kein typisches „Schaut-mal-was-ich-alles- kann“-Dokument, wie man sie im Internet so oft findet. Wie die Tierschützer, so hat auch Parsons eine Mission. Sie heißt: Schützt die armen Menschen in Afrika vor den wütenden Elefanten. Sein Video unterlegt er mit Erläuterungen und dramatischer Musik, zu Beginn des Dreieinhalb-Minuten-Filmes zeigt die Kamera das zerstörte Feld eines Bauern: Die Pflanzen liegen zertrampelt am Boden, und Parsons erzählt: „Drei Nächte hintereinander waren sie jetzt da. Wir hoffen, sie kommen ein viertes Mal. Und falls sie heute Nacht noch einmal kommen, werden sie was erleben.“

Später dann, nach den Bilder von der Jagd, zeigt Parsons, wie sich Dorfbewohner aus der Umgebung am nächsten Morgen auf das Tier stürzen und Fleisch aus dem toten Elefanten schneiden, eine Traube von Menschen drängelt um den Kadaver. „Obwohl der Elefant riesig war, ist nicht genug Fleisch für alle da“, kommentiert Parsons die Bilder. Der Mann liebt die Dramatik. Wird der Skandal seinem Geschäft schaden, werden die Kunden in Scharen davonlaufen? Die Tierschützer-Organisation Peta jedenfalls kündigte ihre Registrierung bei Go Daddy – und forderte zum Nachahmen auf. Und Konkurrent Namecheap.com bietet entrüsteten GoDaddy-Kunden Vorzugspreise an, wenn sie wechseln. Bob Parsons bleibt da ganz ruhig: „Auch wenn es einen Sturm der Entrüstung gibt“, sagt er in einem Interview, „das ist doch nur eine Minderheit“. Der Effekt werde sein, „dass unser Geschäft besser laufen wird.“ Selbstbewusstsein hat er auch.

Kommentare (3)

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Prenden

03.04.2011, 14:05 Uhr

Sie sollten sich mal etwas genauermit Peta auseinandersetzen, denn solche Aussagen sind doch sehr diffarmierend: "Insbesondere die radikal-fanatischen Tierschützer von der Organisation Peta laufen Sturm." Das erinnert mich an Fernsehnachrichten: "Gewaltätige Demonstranten werfen Farbbeutel." Entweder findet eine Diskussion statt oder Propaganda, aber letzteres ist beim HB in vielen Artikeln der Fall.

fuerTiere

04.04.2011, 08:24 Uhr

"Wir haben nicht das Recht,
Tiere in irgend einer Form auszubeuten,
zu misshandeln oder zu verwerten.
Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen.
Tiere sind nicht dazu da,
dass wir an ihnen experimentieren.
Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen.
Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten.
Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie ausbeuten."

Andreas

27.04.2011, 03:07 Uhr

Und wozu sind sie sonst da? Also Essen und Anziehen muss ja wohl erlaubt sein. Beim Experimentieren, Unterhalten, Misshandeln und Ausbeuten bin ich dabei. Wovon sollen wir denn sonst leben, etwa nur von Gemuese?

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