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29.01.2016

16:00 Uhr

Goldman Sachs, JP Morgan & Co.

Wall Street kämpft gegen Brexit

Erst sprach sich der Deutsche Bank-Chefvolkswirt gegen den Brexit aus, jetzt mischen sich auch die US-Banken in die Debatte ein. Sie unterstützen wohl politische Pro-EU-Kampagnen. Der Grund ist ein ganz praktischer.

Cameron verlangt EU-Reformen

„Wir wollen nicht Teil einer Union sein, die immer tiefer sinkt“

Cameron verlangt EU-Reformen : „Wir wollen nicht Teil einer Union sein, die immer tiefer sinkt“

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New YorkWenn die Briten spätestens im nächsten Jahr in einem Volksentscheid über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union befinden, steht auch für die New Yorker Wall Street viel auf dem Spiel. Mehrere US-Großbanken haben ihren Europa-Sitz in London – und fürchten, dass ihre Geschäfte in der EU bei einem „Brexit“ leiden werden. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus informierten Kreisen erfuhr, hat die Investmentbank Goldman Sachs bereits hunderttausende Pfund an die Initiative „Britain Stronger in Europe“ gespendet.

Die Initiative, die sich für einen Verbleib Großbritanniens in der EU einsetzt, wurde im Oktober von dem Geschäftsmann und früheren Chef der Kaufhauskette Marks & Spencer, Stuart Rose, gegründet. Wie es an der Wall Street heißt, könnten bald auch die US-Finanzinstitute JP Morgan Chase, Bank of America und Morgan Stanley folgen. Nur die Citigroup plant demnach nicht, die britischen EU-Befürworter finanziell zu unterstützen.

Die größten US-Banken (nach Bilanzsumme)

Platz 10

State Street

227 Milliarden Euro


Stand: Anfang November 2015. Quelle: Bloomberg, EU-Kommission

Platz 9

PNC Financial

285 Milliarden Euro

Platz 8

BoNY Mellon

318 Milliarden Euro

Platz 7

US Bancorp

333 Milliarden Euro

Platz 6

Morgan Stanley

662 Milliarden Euro

Platz 5

Goldman Sachs

708 Milliarden Euro

Platz 4

Wells Fargo

1394 Milliarden Euro

Platz 3

Citigroup

1523 Milliarden Euro

Platz 2

Bank of America

1739 Milliarden Euro

Platz 1

JP Morgan

2127 Milliarden Euro

Von der Londoner City aus können die US-Banken in allen EU-Ländern ohne spezielle Lizenz tätig sein – ein Privileg, das bei einem „Brexit“ wegfallen dürfte. „Das wird die Aktivitäten durcheinanderwirbeln“, sagte ein US-Banker. Die Tür zu einem Markt mit 500 Millionen Menschen würde geschlossen. Außerdem müssten wohl bestehende Verträge mit Kunden neu ausgehandelt werden.

Die US-Finanzinstitute, die in London rund 40.000 Menschen beschäftigen, müssten sich einen neuen Standort für ihre in Euro abgewickelten Geschäfte suchen. Das ist bislang aus Großbritannien möglich, auch wenn das Land nicht der Gemeinschaftswährung angehört. Der erzwungene Umzug in den Euroraum würde auch bedeuten, dass die US-Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Rechenschaft ablegen müssen.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

„Was sicher wäre ist, dass wir nicht mehr wie vorher Geschäfte machen können“, sagte ein US-Banker, der in London arbeitet. JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs prüfen nach Angaben aus informierten Kreisen bereits Alternativen, auch wenn der Standortwechsel hohe Kosten verursachen würde. Im Gespräch seien neben den Finanzplätzen Paris und Frankfurt am Main auch die irische Hauptstadt Dublin.

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