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26.08.2012

16:10 Uhr

Graf von Oeynhausen-Sierstorpff

Traum von mondäner Rennstrecke in Ostwestfalen

VonLin Freitag

Ein Graf baut ein „Drive Resort“ im beschaulichen Ostwestfalen. Die Anwohner fürchten den Lärm, Naturschützer sorgen sich um die Umwelt. Ende August soll verhandelt werden. Doch ob ein Urteil fällt, bleibt fraglich.

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff will eine Rennstrecke bauen. PR

Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff will eine Rennstrecke bauen.

DüsseldorfMit der Verwirklichung des Lebenstraums ist das so eine Sache – es macht den Träumenden hartnäckig und leidenschaftlich. Es kann aber auch blind für die Realität machen. In diese Gefahr begibt sich Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff.

Seit 2007 kämpft der Graf für seine Rennstrecke im idyllischen Bad Driburg. Er sah sich schon in die Fußstapfen seines Vorbilds, Lord March treten. Die beiden haben viel gemeinsam: In ihren Adern fließt nicht nur blaues Blut, sondern vor allem Benzin. Der englische Lord eröffnete eine Rennstrecke bei Goodwood und erlangte dort mit seinem „Festival of Speed“ Weltruhm. Graf Oeynhausen-Sierstorpff will mit dem mondänen „Bilster Berg Drive Resort“ zahlungskräftige Hobbyrennfahrer (wie er selbst einer ist) und Autohersteller für exklusive Testfahrten locken.

Mit der Rennstrecke würde der Graf sein Imperium um eine vierte Säule erweitern. Eine eigene Mineralwasserquelle, ein Nobelhotel und mehrere Privat-Kliniken bescheren dem Spross eines alten Adelsgeschlechts jährlich rund 80 Millionen Euro an Umsatz. Die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff (UGOS) ist mit 1300 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Bad Driburg. Der Graf weiß also wie man gute Geschäfte macht – nur bei Benzinduft scheint er auf sein Bauchgefühl zu vertrauen.

Doch rein wirtschaftlich betrachtet ist auch das neue Projekt zunächst eine gute Idee: es gibt keine unmittelbare Konkurrenz, finanziell riskante Großveranstaltungen sind nicht geplant und die potenzielle Kundschaft ist gut betucht. Das ursprünglich geplante Eröffnungsjahr 2012 war bereits komplett ausgebucht. Auch für 2013 waren bereits 60 Prozent der Kapazitäten belegt. Die Betreiber kalkulierten anfangs mit einem Monatsumsatz von einer halben Million Euro.

Aber der Graf übersah im Stile eines alten Adeligen einen wesentlichen Faktor: das Volk. Und das könnte ihn und seine Investoren nun 34 Millionen Euro kosten könnten.

Kurz nach Beginn der Bauarbeiten klagten fünf Anwohner aufgrund der drohenden Lärmbelastung. Die Bauherren legten daraufhin ein Gutachten vor, demzufolge keine unzulässigen Belastungen zu erwarten seien. Als Anwohner und Bürgerinitiative aber erfuhren, dass der Gutachter Edelbert Scheffert heißt, wurden sie misstrauisch. Der Berliner Schallexperte ist nämlich ein Bekannter des Grafen – und Hobby-Rennfahrer. Die Kläger gaben beim Tüv eine Plausibilitätsprüfung in Auftrag. Das Ergebnis: Im Gutachten scheint vieles nicht plausibel.

Kommentare (2)

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26.08.2012, 16:57 Uhr

Einmal mehr mehr zeigt sich, dass man gegen alles und jedes sein kann, und dank rankiger Gesetze kann ein jeder dem andern in die Suppe spucken. Da schafft der grösste Arbeitsgeber der Region etwas neues und vor allen neu Arbeitsplätze, und siehe da die zufrüh berenteten Wanderer, denen es meist viel zu gut geht, wehren sich gegen jegliche Geräusche, die nicht naturgebunden sind. Wer an diesem Punkt krank ist und krank reagiert, muss jeder selbst herausfinden.

Helge_Z

27.08.2012, 18:18 Uhr

Als Handelsblatt-Leser habe ich mich sehr über die Form und die völlig undifferenzierte Darstellungsweise des Sachverhalts gewundert. Hätte die Holtzbrinck-Schülerin (Lin Freitag) besser recherchiert, hätte sie feststellen können, dass die Mehrheit in der Region hinter dem Projekt steht. Es handelt sich bei den Gegner um die übliche Handvoll von "Verhinderern", die einer ohnehin strukturschwachen Region Wachstumsimpulse nehmen möchte. Zu traurig, dass man diese wachstumsfeindliche Haltung im Handelsblatt nicht kritisiert und stattdessen so tut, als wäre die Mehrheit der Anwohner gegen das Projekt. Das Gegenteil ist übrigens der Fall: Insgesamt haben über 12.500 Menschen der Region eine Online-Petition für den Bau unterschrieben (https://www.openpetition.de/petition/online/ja-zum-bilster-berg)
Da wird von wenigen Gutmenschen versucht, ein privat finanziertes Projekt zu zerstören... und das Handelsblatt kritisiert dieses Vorgehen nicht mit einem Wort. Wie soll man so in Deutschland noch Investoren dazu motivieren, eigenes Geld ins Risiko zu setzen?

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