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20.06.2012

15:25 Uhr

Gribkowsky gesteht

„Ich hab die Augen zugemacht“

Gerhard Gribkowsky hat im Schmiergeldprozess ein Geständnis abgelegt. Dennoch droht dem Ex-BayernLB-Manager eine lange Zeit hinter Gittern. Das Landgericht hat eine hohe Haftstrafe angekündigt.

Gerhard Gribkowsky (l.) muss mit einer langen Haftstrafe rechnen. dpa

Gerhard Gribkowsky (l.) muss mit einer langen Haftstrafe rechnen.

MünchenGerhard Gribkowsky bricht sein Schweigen: Der frühere Risikochef der BayernLB gab am Mittwoch vor dem Landgericht München zu, beim Verkauf der Formel-1-Beteiligung der Bank im Jahr 2006 in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Doch das späte Geständnis in dem Prozess um Schmiergeldzahlungen, Untreue und Steuerhinterziehung wird dem 54-Jährigen wohl nicht viel nützen: Ihm drohe eine hohe Haftstrafe von bis zu neun Jahren, sagte der zuständige Richter Peter Noll.

„Es stimmt im Wesentlichen“, sagte Gribkowsky zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die er zum Prozessbeginn vor acht Monaten von seinen Anwälten noch hatte leugnen lassen. Der langjährige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone habe ihn durch ein heikles Angebot in eine Zwickmühle gebracht.

Die BayernLB und die Formel 1

Höhepunkt der New Economy

Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

Kirch und Kredite bei der BayernLB

Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Anteilsverkauf an CVC

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

Ecclestone verkaufte

Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Der ehemalige Top-Banker, der wie immer im dunklen Anzug mit Krawatte und Einstecktuch vor Gericht erschien, räumte in seiner 90 Minuten langen Aussage ein, mit Ecclestone eine Geheimabsprache getroffen zu haben. Er habe die BayernLB-Beteiligung an der Formel-1-Vermarktungsgesellschaft an den britischen Investor CVC veräußert, den Ecclestone als neuen Miteigentümer wollte. Im Gegenzug sollte Gribkowsky von Ecclestone finanziell bedacht werden und auch einen neuen Job bekommen. Der Banker erhielt nach eigenen Angaben letztlich 45 Millionen Dollar.

Schadensersatz-Prozess: BayernLB muss mit weniger Entschädigung rechnen

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200 Millionen Euro fordert die BayernLB im Prozess von ehemaligen Vorständen. Die Manager sollen der Milliardenverluste eingebrockt haben. Doch nur zwei Ex-Vorständen sollen Versäumnisse vorzuwerfen sein.

Gribkowsky, der auch wegen der fatalen Übernahme der österreichischen Bank HGAA durch die BayernLB von seinem alten Arbeitgeber auf Schadenersatz verklagt wurde und nach dem ersten Verhandlungstermin in diesem Verfahren ebenfalls schlechte Karten hat, war von 2003 bis 2008 im Vorstand von Deutschlands zweitgrößter Landesbank.

Er war dort unter anderem für die Formel-1-Beteilung zuständig, die der BayernLB nach der Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch als Sicherheit für einen Milliardenkredit zugefallen war. Der Motorsport-Fan verkaufte das Paket schließlich an CVC und boxte den Deal intern durch, ohne Alternativen zu prüfen. Dabei soll der Bank ein Schaden von gut 66 Millionen Dollar entstanden sein.

Kommentare (8)

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20.06.2012, 12:26 Uhr

Dünn recherchiert: Wenn Eckelstone zahlte, so hat sich doch auch dieser selbst der Bestechung nach deutschem Recht strafbar gemacht - ungeachtet mal dessen wie die Zahlungen geflossen sind. Ggf. stünde auch Veruntreuung im Raum, wenn die Gelder nicht privat sondern über Firmen flossen. Von all dem ist hier keine Rede - was ziemlich unverständlich ist, da die Fragen doch offenkundig auf der Hand liegen.

Fred

20.06.2012, 12:47 Uhr

Recht so. Der geldgeile Typ hat 8 Monate lang nicht das Maul aufgemacht und rumtaktiert, den Prozess hingezogen. Was soll man da das viel zu späte Geständnis noch positiv werten.

Die hohen
Prozesskosten trägt der Steuerzahler, wie auch die Folgen Gribkowskis Totalversagen als Risikovorstand im Falle des Kaufs der Hypo Alpe Adria mit ihren krummen Geschäften durch die Bayrische Landesbank, bei der mehrere Milliarden Steuergelder vernichtet wurden.

Ich finde es auch skandalös, dass die Banker in diesem Katastrophengeschäft teilweise entlastet wurden, mit dem Hinweis auf politischen Druck,
die verantwortlichen Politiker aber kaum zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist ein ganz faules Spiel, bei dem man sich fragt, ob es in Bayern überhaupt noch eine unabhängige Justiz gibt.

Was den Ecclestone angeht - ich verstehe überhaupt nicht, dass dieser Mensch in Europa noch Geschäfte machen darf.

Die Automobilkonzerne sollten sich mal gründlich überlegen,
ob es wirklich ihrem Image förderlich ist, sich noch mit dem Kerl in in der Formel eins ins Bett zu legen.

Account gelöscht!

20.06.2012, 12:49 Uhr

Lasst den Mann doch Geld verdienen.

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