Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2006

07:42 Uhr

Großaktionäre schließen sich zusammen

Fonds bedrängen die Amerika AG

VonTorsten Riecke

Die großen US-Unternehmen haben im vergangenen Jahr so gut verdient wie nie zuvor. Die neue Handelsblatt-Rangliste der 100 umsatzstärksten Firmen zeigt, dass rund drei Viertel 2005 die Erträge gesteigert haben. Doch trotz dieser Erfolgsbilanz sind die Großaktionäre unzufrieden: Sie wollen die Führungsebene der US-Firmen an eine kürzere Leine nehmen.

Die Fonds wollen bei den Unternehmen mitreden. Illustration: Handelsblatt

Die Fonds wollen bei den Unternehmen mitreden. Illustration: Handelsblatt

NEW YORK. Eine ungewöhnliche Allianz von gewerkschaftsnahen Pensionsfonds und renditeorientierten Hedge-Fonds will die Aktionärstreffen der großen US-Unternehmen nutzen, um das Wahlrecht für die Direktoren des Verwaltungsrats (Board) durchzusetzen. Die institutionellen Anleger streben mehr Mitsprache in Gehaltsfragen und eine engere Erfolgskontrolle des Managements an.

Anders als in Großbritannien oder Deutschland werden die Direktoren des Verwaltungsrats in den meisten US-Firmen nicht durch einen Mehrheitsbeschluss gewählt. Die Aktionäre können nur zustimmen oder sich enthalten. Damit reicht theoretisch eine Stimme aus, um einen Direktor in den Board zu wählen. Häufig gleichen viele Aufsichtsgremien deshalb mehr einem Freundeskreis des Vorstandschefs (CEO).

Der Wechsel zum Mehrheitswahlrecht käme also einer Revolution in der Amerika AG gleich. Bis Anfang März sind bereits bei 140 Firmen Anträge auf Einführung des Mehrheitswahlrechts eingegangen. "Es ist die machtvollste Initiative, die ich jemals von Anteilseignern gesehen habe", sagt Nell Minow über die Antragswelle. Als Chefin des Onlinedienstes The Corporate Library beobachtet sie seit 20 Jahren die Unternehmensführung (Corporate Governance) in den USA. Bereits 21 Prozent der 500 größten US-Firmen lassen nach einer Studie der Anwaltskanzlei Neal, Gerber & Eisenberg aus Chicago die Mehrheit ihrer Aktionäre über ihre Board-Mitglieder bestimmen. Dazu gehören zum Beispiel Intel, Time Warner und Dell.

Die Top 100 der USA

Umsätze: Jahrelang waren die Gewinne stärker gewachsen als die Umsätze. Die Unternehmen verschlankten sich erfolgreich, indem sie Produktionsprozesse strafften und Mitarbeiter entließen. Mit dem Anspringen der Weltkonjunktur und erhöhter Nachfrage legen aber auch die Umsätze wieder kräftig zu.

Gewinne: Exxon Mobil überragt alle anderen. Der Ölgigant erzielte 2005 einen Nettogewinn von 36 Mrd. Dollar. Die größte Steigerungsrate erreichte Motorola. Der einst angeschlagene Handyhersteller verdreifachte seinen Gewinn.

 Rangliste der 100 größten US-Firmen



"Die Bewegung könnte die Machtverhältnisse in Corporate Amerika für lange Zeit verschieben", sagt Claudia Allen, Anwältin bei Neal, Gerber & Eisenberg und Autorin der Studie zur Corporate Governance. Haben doch gewerkschaftsnahe Pensionsfonds bereits klar gemacht, dass sie in dem Mehrheitswahlrecht einen Hebel sehen, um die ihrer Meinung nach exzessiven Gehälter vieler US-Manager zu beschneiden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×