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04.06.2013

13:57 Uhr

GTI Travel zahlungsunfähig

Mehrere Hundert Touristen in Türkei gestrandet

VonTobias Döring, Martin Dowideit

Der Türkeireise-Spezialist GTI Travel steht davor, Insolvenz anzumelden. Betroffen ist auch die Fluggesellschaft Sky Airlines. Vor allem in der Türkei sitzen Hunderte deutsche Touristen fest und warten auf Rückflüge.

„Wir sind Ferien“: Seit dem Mittag ist die Webseite von GTI Travel abgeschaltet, nur du die karge Pleite-Meldung prangt dort noch. Screenshot

„Wir sind Ferien“: Seit dem Mittag ist die Webseite von GTI Travel abgeschaltet, nur du die karge Pleite-Meldung prangt dort noch.

DüsseldorfDer Reiseveranstalter GTI Travel steht offenbar kurz davor, Insolvenz anzumelden. Die operative Tätigkeit hat das Unternehmen bereits eingestellt. Der Insolvenzversicherer Tourvers/Hanse Merkur hat mit der Gesellschaft einen Krisenstab eingerichtet und ist dabei, Hunderte Touristen zurückzuholen, die vor allem in der Türkei gestrandet sind.

Von den finanziellen Schwierigkeiten der GTI-Muttergesellschaft Kayi Group seien auch der Veranstalter Buchmal Reisen sowie die Fluggesellschaften Sky Airlines und die in Auflösung begriffene German Sky betroffen, berichtet unter anderem das Portal „Touristik aktuell“. GTI Travel hat sich auf Reisen in die Türkei spezialisiert.

Wie viele Urlauber genau von der Insolvenz betroffen sind, sei noch unklar, so ein Hanse-Merkur-Sprecher zu Handelsblatt Online. Die Daten habe man angefordert, aber noch keine Auskunft vorliegen. Bereits in der Nacht seien aber 200 Touristen auf alternative Flüge nach Deutschland oder Holland umgebucht und zurückgebracht worden. Am Flughafen Antalya war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Sky Airlines informiert auf der eigenen Homepage, den Betrieb eingestellt zu haben. Bereits am Montagabend waren alle Flüge annulliert worden. Wer nicht über GTI Travel gebucht habe und mit Sky Airlines fliege, muss sich an den eigenen Reiseveranstalter wenden.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

Platz 7

Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

Platz 6

Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

Platz 5

Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

Platz 4

FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

Platz 3

Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

Platz 2

Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

Platz 1

Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Neue GTI-Urlauber könnten auf keinen Fall mehr ihren Urlaub antreten. Sky Airlines fliegt unter anderem von Paderborn, Frankfurt und Nürnberg. „Wir sind gerade dabei, die Situation zu ordnen und Entscheidungen zu treffen, wie wir jetzt vorgehen“, sagte Vertriebschef Tunc Oezler „Touristik aktuell“. Die Mitarbeiter der GTI-Zentrale in Düsseldorf sollen nicht von der Geschäftsführung, sondern von Tourvers von der Insolvenz erfahren haben, schreibt das Portal weiter. Am Dienstagvormittag arbeiten die Beschäftigten daran, alternative Flüge für die Kunden aufzutreiben.

Kommentare (24)

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04.06.2013, 10:28 Uhr

Kunden sind Unternehmen praktisch ausgeliefert, wenn sie Vorkasse leisten, wie es in der Touristikbranche üblich ist. Die Möglichkeit einer Insolvenz macht es für viele Anbieter zu leicht, sich ihrer Verantwortung und Verpflichtung gegenüber Kunden zu entziehen.

Die Politik ist auch hier gefordert, Übergangsregelungen zum Schutz der Verbraucher verbindlich für Unternehmen zu machen, damit Privatleute – unabhängig einer optionalen Versicherung(!) – sicher sein können, dass die ihnen bereits vertraglich zugesicherten Leistungen, die schon bezahlt worden sind, auch in vollem Umfang erbracht werden. Jeder Rechtsweg ist für Kunden im Einzelfall eine Zumutung.

Privatkunden, die einem Reiseunternehmen ihr Vertrauen ausgesprochen haben und das Geld bereits im Voraus geleistet haben, sollten im Fall einer Insolvenz des Vertragspartners unbehelligt bleiben und ihren wohl verdienten Urlaub genießen können. Es scheint jedoch (fast) schon üblich geworden zu sein, dass Unternehmen lieber über Nacht mit einer heimlich gefüllten Kasse verschwinden und einen Haufen Scherben sowie geprellte Kunden hinterlassen.

Warum auch nicht? Die Insolvenz macht’s leicht und möglich. Pfui!

Account gelöscht!

04.06.2013, 10:48 Uhr

Quatsch Lebemann, dies ist schon lange gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Reiseunternehmer muss seine Reisen entsprechend versichern. Man bekommt den Reisepreis rückerstattet.

Burti

04.06.2013, 11:05 Uhr

Leider sind Sie "Herr Lebemann" schlecht informiert und somit ist Ihr Kommentar auch schlichtweg unsinnig! (Sorry!)
Richtig ist:
Alle Kunden die in Deutschland bei einem Reiseveranstalter eine Reise buchen sind über den sogenannten "Sicherungsschein" abgesichert.
Finanzieller Schaden sollte niemandem entstehen. Dafür sorgt die EU-Pauschalreiserichtlinie 90/314/EWG) und der obligatorische Sicherungsschein, der im Falle von GTI und Buchmal Reisen der Insolvenz-Versicherer Tourvers ausgestellt hat. So das Insolvenzverfahren eröffnet wird, und daran bestehen wenig Zweifel, ist der Versicherer zur Erstattung der ausgefallenen Leistungen verpflichtet. Es kann vorkommen, dass Hotelpartner die Urlauber vor Ort für ihre Leistung zur Kasse bitten. Das ist legitim. Jedoch müssen auch diese Kosten nachträglich vom Versicherer erstattet werden. Die Schadensregulierung muss übrigens direkt zwischen Kunden und Insolvenzversicherer geregelt werden. Die Reisebüros spielen in diesem Verfahren keine Rolle.

Was müssen Sommer-Urlauber von GTI und Buchmal jetzt beachten?
Erst einmal abwarten, bis das Insolvenzverfahren eröffnet ist. GTI Travel und Buchmal müssen jetzt zeitnah kommunizieren, wie sie mit noch nicht abgeflogenen Buchungen umgehen. Das dürfte spätestens der Fall sein, sobald der Insolvenzverwalter bestellt ist. Sollte der Geschäftsbetrieb dauerhaft eingestellt werden, wird der bereits gezahlte Preis von der Insolvenzversicherung erstattet. Naturgemäß kritisch sind zeitnahe Abflüge in den kommenden Tagen. Hier scheint der direkte Dialog mit GTI Travel und Buchmal Reisen dringend geboten.

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