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03.04.2013

09:05 Uhr

Günstige Alternative

Versicherer bevorzugen Mediation statt Prozess

Sie schlichten Streit mit Nachbarn, Behörden oder dem Arbeitgeber: Mediatoren vermitteln bei Konflikten. Langwierige Prozesse werden vermieden - davon profitieren auch die Rechtsschutzversicherer.

Eine Mediation bietet Konfliktparteien die Möglichkeit, eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden. obs

Eine Mediation bietet Konfliktparteien die Möglichkeit, eine für beide Seiten tragbare Lösung zu finden.

FrankfurtDie Deutschen gelten als „Prozess-Hansel“. Doch statt sich jahrelang vor Gericht zu streiten, nehmen viele inzwischen die Unterstützung eines professionellen Vermittlers in Anspruch - eines Mediators. Die Gerichte werden entlastet und die Rechtsschutzversicherungen freut es. Denn eine Mediation ist in der Regel kürzer und billiger als ein Prozess. Die Mehrheit der Rechtsschutzversicherer bietet nach Angaben des Branchenverbandes GDV die Möglichkeit der Mediation an. „Viele Kunden sind froh, wenn der Streit beigelegt werden kann, bevor eine große Prozesslawine losgetreten wird“, heißt es beim GDV.

Etwa 50 000 Mediatoren gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Mediation in Deutschland mittlerweile, Tendenz steigend. Viele sind Juristen oder Psychologen. Vor allem bei den Rechtsschutzversicherern sind immer mehr der Streitschlichter im Einsatz. Das Angebot reicht von der klassischen Mediation, bei der sich die Kontrahenten und der Mediator treffen und gemeinsam eine Lösung suchen, bis hin zu einer Vermittlung per Telefon oder E-Mail, die häufig als Shuttle-Mediation bezeichnet wird.

Dabei spricht der von der Assekuranz bestimmte Vermittler mit dem Versicherungskunden, dann mit dem Kontrahenten, anschließend unterbreitet er einen Kompromissvorschlag, beschreibt Rechtsanwalt Michael Burmann das Verfahren. „Aufgabe des Mediators ist es, den Streit mit ein paar Telefonaten zu lösen“, sagt Burmann.

Bei kleinen Nachbarschaftskonflikten findet er das Verfahren durchaus sinnvoll. Bei Streitfällen zum Beispiel im Arbeits- und Mietrecht sieht der Jurist diese Form der Vermittlung allerdings kritisch. „Man schließt unter Umständen eine Vereinbarung mit großer Tragweite ab und ist sich dessen nicht bewusst“, sagt der Jurist. Im Gegensatz zur klassischen Mediation werde den Betroffenen nicht empfohlen, rechtlichen Rat in Anspruch zu nehmen, um die Dimension des Kompromisses zu überprüfen. „Die Shuttle-Mediation dient dazu, keinen Rechtsrat in Anspruch zu nehmen“, kritisiert Burmann, der selbst Mediator ist.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist dagegen darauf hin, dass der Kunde Anspruch darauf hat, sich im Versicherungsfall anwaltlich beraten zu lassen.

„Was der Kunde bekommt, ist nicht immer eine Mediation, die den Namen auch verdient“, sagt aber auch Walter Letzel vom Bundesverband Mediation. Ihn stört unter anderem, dass der Vermittler den Lösungsvorschlag erarbeitet und nicht die Kontrahenten gemeinsam unter Vermittlung des Profis. Bei kleineren Streitereien, bei denen sich die Parteien auf Augenhöhe begegnen, könne die telefonische Streitschlichtung sinnvoll sein. Bei einem Konflikt mit einer Behörde oder einem großen Unternehmen rät Letzel jedoch davon ab. Das Übergewicht der einen Seite sei zu groß.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen empfiehlt generell: „Bei komplizierten Rechtsfällen sollte man sich zunächst von einem Anwalt beraten lassen, bevor man eine von der Rechtsschutzversicherung angebotene Mediation annimmt“. Wichtig sei zudem, dass der Vermittler frei gewählt werden könne. Stiftung Warentest zufolge legen viele Versicherer in ihren Bedingungen fest, dass sie den Mediator bestimmen, wenn sie die Kosten dafür übernehmen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Mediator

04.04.2013, 13:53 Uhr

Was im Artikel von Hr. Burmann beschrieben wird, ist gerade nicht Mediation. Er müsste es als Mediator besser wissen. Kompromissvorschläge kommen vom Mediator gerade nicht. Hierfür gibt es andere Streitschlichtungsvarianten. Fraglich also, wie oft Hr. Burmann selbst eine solche Mediation genossen hat, um sich ein solch (negatives) Urteil zu erlauben.

NachdenkerBY

04.04.2013, 14:05 Uhr

Rechtsanwalt Michael Burmann sollte wissen, dass nicht der Mediator einen Kompromissvorschlag unterbreitet. Vielmehr ist es der Mediation immanent, dass beide Konfliktparteien eine gemeinsame Lösung erarbeiten.
Im, von Rechtsanwalt Michael Burmann genannten Fall, handelt es sich um eine Schlichtung.
Sollte Herr Burmann als Mediator aber wissen!

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