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14.01.2010

06:02 Uhr

Haftungsrisiko

Deutsche Aufsichtsräte bringen sich in Sicherheit

VonDieter Fockenbrock

ExklusivVerschärfte gesetzliche Aufsichtspflichten und die anhaltende Debatte um mangelhafte Unternehmenskontrolle haben deutsche Aufsichtsräte aufgeschreckt. Die Absicherung des persönlichen Risikos durch eine Haftpflichtversicherung (D&O) steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Attraktivität des Aufsichtsratsjobs dagegen ist im steilen Sinkflug.

Schattendasein: Aufgrund der Manager-Haftung mag niemand mehr so recht Aufsichtsrat werden. ap

Schattendasein: Aufgrund der Manager-Haftung mag niemand mehr so recht Aufsichtsrat werden.

DÜSSELDORF. Das geht aus einer Umfrage der Beratungsfirma Odgers Berndtson und der Kanzlei Nieding + Barth hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Studienautor Michael Proft von Odgers Berndtson wertet die Absicherung so: „Wenn diesem ersten auch der zweite Schritt folgt und Maßnahmen zur Professionalisierung der Aufsichtsarbeit ergriffen werden, dann ist das positiv.“ Etwas provokanter formuliert das Walter Wenninger, Ex-Bayer-Vorstand und heute Aufsichtsrat bei Paion und Evotec: „Das Haftungsrisiko macht nur unprofessionelle Aufsichtsräte nervös. Wer Angst davor hat, sollte es ohnehin besser seinlassen.“ Wenn das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) die Auslese unter den Aufsichtsräten beschleunige, so habe es seinen Zweck erfüllt.

Befragt wurden insgesamt 650 Chefkontrolleure deutscher Aktiengesellschaften im Spätsommer und Herbst 2009, rund 15 Prozent antworteten. Im Juni hatte die damalige schwarz-rote Bundesregierung das Vergütungsgesetz verabschiedet. Die Regeln stehen stark unter dem Eindruck der Finanzkrise, für die unter anderem falsche Leistungsanreize bei Bankern verantwortlich gemacht werden. Fast alle befragten Aufseher wollen binnen eines Jahres Schritte einleiten, um die Anforderungen des Gesetzes zu erfüllen, 75 Prozent innerhalb von sechs Monaten. Die Dringlichkeit des Themas ist allen bewusst, heißt es in der Studie.

Was die Regierung fordert, wird nach Meinung Wenningers zwar schon in vielen Unternehmen praktiziert: leistungsgerechte Vergütung etwa, der Branchenvergleich oder die langfristige Ausrichtung der Boni, auch die Entscheidung über die Vorstandsvergütung im Gesamtaufsichtsrat. „Jetzt kann sich aber keiner mehr herausreden, er war nicht dabei“, sagt Wenninger.

Absichern wollen sich die Kontrolleure auch durch externen Rat: Gutachten zur Vorstandsvergütung und anderen Themen spielen künftig eine noch wichtigere Rolle. Das Angemessenheitsgesetz sei deshalb erst einmal ein Beschäftigungsprogramm für Berater und Gutachter, sagten Aufsichtsräte. Die Welt der Unternehmenskontrolleure, davon ist Berater Proft überzeugt, wird sich in den nächsten Jahren jedenfalls grundlegend ändern. „Wenn das Gesetz jetzt einen Aufbruch auslöst, ist das die gewünschte Wirkung.“ Das sehen auch die Betroffenen so. Branchenkenntnis, Erfahrung in Unternehmensführung und finanzwirtschaftliche Ausbildung sind laut Umfrage zwingende Qualifikationen für Aufsichtspositionen.

Kommentare (3)

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Weltenbummlerin

14.01.2010, 08:07 Uhr

Hoffentlich wird nun endlich der Aufsichtsrat als Versorgungseinrichtung für ausrangierte Politiker und Manager geschlossen und es hält endlich einmal Kompetenz in dieser Einrichrichtung Einzug. Es wäre der Volkswirtschaft zu wünschen.

Thomas

14.01.2010, 08:33 Uhr

und wenn viele Politiker nicht mehr in irgenwelchen Aufsichtsräten sitzen können, dann können sie auch ihre Arbeit in der Politik richtig und im Sinne ihres Auftraggebers, dem Steuerzahler, machen.

ich verstehe sowieso nicht, wo die Politiker soviel Zeit hernehmen um in mehreren Aufsichtsräten und in der Politik tätig zu sein.

Christian

14.01.2010, 09:46 Uhr

Das sind die, die wir so lieben!!!! Erst abkassieren und wenn dann Fehler bewusst oder unbewusst Fehler gemacht werden, schnell die Kontakte nutzen und woanders reinkriechen. Es ist ähnlich wie bei den Heuschrecken, nur sind das "Egel". Die anderen dürfen, dann wieder dafür bezahlen. Wir sind ja so stolz, auf so "kompetente"
und "unkorrumpierbare" Schlips und Anzugträger.
Würde mich nicht wundern, wenn die sich jeden morgen selbst auf die Schulter klopfen und stolz auf sich sind. Weiter so, liebe Politiker und Manager und sonstige Eliten, wir und eure Enkel werden es euch auf ewig danken.

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