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11.01.2017

21:00 Uhr

Nikolaus und Baldwin Knauf

Global Gips

VonHans-Jürgen Jakobs

Vom fränkischen Iphofen aus schufen Nikolaus und Baldwin Knauf ein Weltunternehmen. Ihr Rezept ist, familiäre Werte mit unternehmerischem Kampfgeist zu verbinden. So gelangten sie in der Baustoffindustrie nach oben.

„Ein gutes Auto braucht Bremse und Gaspedal. Gemeinsam haben wir dann gesteuert“, sagt Gesellschafter Baldwin Knauf. Klaus Weddig/WirtschaftsWoche

Nikolaus (l) und Baldwin Knauf

„Ein gutes Auto braucht Bremse und Gaspedal. Gemeinsam haben wir dann gesteuert“, sagt Gesellschafter Baldwin Knauf.

MünchenLangsam fährt der Finger über die Welt. Australien – seit 2011 kein weißer Fleck mehr. Der letzte Kontinent, der mit eigenen Betrieben besetzt wurde. Der Finger wandert nach Norden und westwärts. Hier China, man ist seit vielen Jahren in der Volksrepublik. Hier Haiphong in Vietnam: Ein großes Werk wurde gerade gebaut. Hier Indien, gut, da fehlt noch eine Produktionsstätte. Aber sonst? Der Finger ist jetzt in Afrika. Bei Daressalam in Tansania oder im ägyptischen Suez, überall Präsenz, oder in Marokko, natürlich auch in Russland und Osteuropa oder in Nord- und Südamerika. Der Finger von Baldwin Knauf, 77, kommt zur Ruhe. Der Senior hat Schleifen der Globalisierung nachgezogen. Schleifen, die das eigene Unternehmen größer und größer machten. Schleifen, die Weltregionen zum Knauf-Land machten, zu Stationen eines Verbunds, der mit Gips zum Global Player wurde.

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Chronik Knauf Gips

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Am Anfang stand eine Idee: Die beiden Brüder und Bergbau-Ingenieure Alfons und Karl Knauf waren zu Beginn der 1930er-Jahre fasziniert vom Rohstoff Gips. Heute ist Knauf weltweit auf allen fünf Kontinenten vertreten.

„Wir suchen nicht die Herausforderung, aber wenn sie kommt, nehmen wir sie an“, sagt der Gesellschafter in der Firmenzentrale im unterfränkischen Iphofen. Der Blick fällt im großen Konferenzraum, im „War Room“ der Knaufianer, noch einmal auf die große Welt da an der Wand, auf ein fast vier Meter großes Metallrelief von Alaska bis Neuseeland, Dokument eines in Silber gestanzten Fabrikantenstolzes. Wo Gips liegt, ist Knauf nicht weit – mit diesem Motto eroberte das Familienunternehmen den Globus. Heute ist es mit 6,4 Milliarden Euro Jahresumsatz, 26.000 Mitarbeitern, fast 300 Tochtergesellschaften und mehr als 220 Werken in rund 80 Ländern eine Macht der Baustoffindustrie und einer der Champions aus der Provinz. Das Glück der Strategen aus Iphofen liegt in der Erde, das „weiße Gold“ hat sie reich und ihre Heimatregion reicher gemacht. „Wir sind heute noch dankbar, dass die Wettbewerber uns in den Hintern getreten haben“, sagt der 80-jährige Nikolaus Knauf.

Er steht zusammen mit Cousin Baldwin für die beiden Familienstämme des Hauses, vertreten im Gesellschafterausschuss, wo mit Hans Peter Ingenillem inzwischen ein Externer den Vorsitz übernommen hat. Auch im Management ist mit Manfred Grundke ein Familienfremder am Schaltpult, flankiert von Alexander Knauf, Baldwins Sohn. Und spätestens, als kurz vor Weihnachten in der Zentrale des Weinbauorts Iphofen der eigene Knappenchor singt und die Bergmannskapelle aufspielt, fällt der Blick zurück auf die Saga dieses Weltreichs aus Gips, das längst auch mit Dämmstoffen und Verpackungen handelt und von guten Vertriebskontakten zu Baumärkten und Architekten, Heimwerkern und Bauherren lebt.

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