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18.03.2013

13:44 Uhr

Leiharbeiter

Amazon verklagt Betriebsrat

Der Skandal um Leiharbeiter bei Amazon dauert an. Jetzt will der Online-Versandhandel die Weiterbeschäftigung von rund 65 Mitarbeitern vor Gericht durchsetzen.

Ein Paket rollt in einem Logistikzentrum des Online-Versandhändlers Amazon über ein Transportband. dpa

Ein Paket rollt in einem Logistikzentrum des Online-Versandhändlers Amazon über ein Transportband.

FuldaDas Unternehmen verklagte seinen Betriebsrat aus dem Großlager in Bad Hersfeld vor dem Arbeitsgericht in Fulda. An diesem Montag treffen sich Kläger und Beklagte zu einer ersten Aussprache. Laut Arbeitsgerichtsdirektorin Christina Schwarz geht es um die Weiterbeschäftigung von rund 65 Mitarbeitern der Zeitarbeitsfirma Trenkwalder, die in den Fokus der Behörden geraten war.

Eine ARD-Fernsehdokumentation über die Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter bei Amazon hatte Mitte Februar bundesweit für großen Aufsehen gesorgt und behördliche Kontrollen der Leiharbeitsfirmen ausgelöst. Amazon hatte daraufhin die Zusammenarbeit mit zwei dieser Firmen umgehend aufgekündigt.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Die Leiharbeiter hatten bei Amazon befristete Arbeitsverträge bis zum 28. Februar. Die Richterin sagte, Amazon wolle die Verträge dieser Mitarbeiter bis Ende März verlängern. Doch der Betriebsrat verweigere seine Zustimmung. Er wolle erst abwarten, was die behördliche Überprüfung zu Trenkwalder ergebe. Amazon aber habe Dringlichkeit angemeldet und wolle die Zustimmung jetzt über das Arbeitsgericht erwirken.

Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt unterdessen gegen zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Hensel European Security Services mit Sitz in Kassel wegen Nötigung und Freiheitsberaubung. Sie sollen Fernsehjournalisten in einem Hotelzimmer festgehalten und zur Herausgabe ihres Filmmaterials genötigt haben.

Von

dpa

Kommentare (9)

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morgan6

18.03.2013, 14:21 Uhr

Kaufe nichts mehr bei Amazon. Schlechte Arbeitsbedingungen, zahlen in Deutschland keine Steuern und machen kleine Buchhändler kaputt.

Amazonier

18.03.2013, 15:41 Uhr

@moragn6: ...und beschäftigen in D´l alleine mehr als 20.000 Menschen. Schauen Sie mal auf die Arbeitsbedingungen von Friseuren/innen, 12 Stunden im Stehen und 3,50€ Stundenlohn. Amazon zahlt um die 10,00€/h und nach 7,5 Stunden "fällt der Hammer". Die Bücher kosten dank Buchpreisbindung genau so viel wie in den kleinen Buchläden. Wenn man Kunden gewinnen will, sollte man nicht auf die schimpfen, die es richtig machen, sondern was bewegen und ergründen woran es liegt, dass die Kundschaft woanders hingeht. Und das ein Unternehmen Geld verdienen ist legitim. Demnach dürften Sie weder VW noch BMW noch sonst eine deutsche Automarke fahren, googlen Sie mal was VW an Steuern zahlt.

Gruebler

18.03.2013, 15:45 Uhr

Wenn Sie das auf alle Lebensbereiche beziehen sitzen Sie bald nackt im Wald bei Lagerfeuer. Den Preis für "unser billig" zahlen immer andere. Sonst hätten wir in Deutschland keine Arbeitslosen, weil alle entsprechend hoche Preise für sämtliceh Konsum- und Investitionsgüter zahlen würden.

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