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10.04.2013

10:15 Uhr

100-jähriges Jubiläum

Was Aldi den Geburtstag versüßt

VonCarina Kontio, Tobias Döring

Aus einem kleinen Supermarkt in Essen-Schonnebeck haben die Albrecht-Brüder einen Milliardenkonzern erschaffen. Der Druck der Konkurrenz zwingt den Discounter zu einer Frischzellenkur. Eine Spurensuche.

Die erste Aldi-Filiale an der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck: Viel Ware auf wenigen Quadratmetern, Dämmerlicht aus Neonröhren. Tobias Döring

Die erste Aldi-Filiale an der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck: Viel Ware auf wenigen Quadratmetern, Dämmerlicht aus Neonröhren.

Essen/DüsseldorfDer Ursprungs-Aldi ist ein Schlauch: Vorne drei Kassen, drei schmale Gänge, am hinteren Ende ist das Lager so groß wie gerademal zwei Auto-Garagen. Huestraße 89, 45309 Essen-Schonnebeck – hier ist die Keimzelle des Aldi-Imperiums. Heute vor 100 Jahren begann im Haus nebenan Karl Albrecht mit Backwaren zu handeln. Ein Jahr später eröffnete das Lebensmittelgeschäft am heutigen Standort. Daraus bauten die Söhne Karl Junior und Theo nach dem Krieg eine der größten Einzelhandelsketten der Welt auf.

Weltweit setzt der Discounter inzwischen mehr als 60 Milliarden Euro um. Bis heute entstanden über den ganzen Globus verteilt 10.000 Filialen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern. Doch in der ersten Filiale in Essen ist die Welt stets klein geblieben. Aldi in Reinform: Viel Ware auf wenigen Quadratmetern, Dämmerlicht aus Neonröhren. Die Kunden kommen wegen des Preises, nicht wegen der ansprechenden Warenpräsentation.

Unsere Aldi-Erinnerungen: Maus in der Bohnendose!

Unsere Aldi-Erinnerungen

Maus in der Bohnendose!

Das Discount-Imperium Aldi wird heute 100 Jahre alt. Handelsblatt Online hat sich erinnert an den Geschmack der Jugend – und an grausame Fundstücke in einer kleinen Bohnendose.

Vom Discount-Prinzip Aldis haben sich die traditionellen Supermärkte in den vergangenen Jahren abgesetzt. Mit Erfolg – Edeka, Rewe und Co. holten sich Umsatz vom Discounter zurück. Doch inzwischen wehrt sich Aldi und setzt ebenfalls auf eine hochwertige, weil lukrative Strategie. „Früher war alles grau in grau, jetzt stehen auch mal bunte Kartons im Regal“, sagt ein Aldi-Filialleiter zu Handelsblatt Online.

Dabei waren es schlichte Läden und niedrige Preise, mit denen die Albrecht-Brüder die Deutschen überzeugten und zu Discount-Fans formten: Im vergangenen Jahr haben rund 87 Prozent der Deutschen zumindest einmal bei Aldi eingekauft. Gnadenlos sparsam und ein Kontrollwahn, der an die Inquisition erinnert – an Anekdoten über die beiden Brüder Karl und dem im Jahr 2010 verstorbenen Theo Albrecht hat es nie gemangelt. Doch die Knauserigkeit der Firmengründer war mehr als nur eine Marotte. Sie war ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezeptes der geschäftstüchtigen Männer.

So verteilen sich die Aldi-Filialen über die Welt

Deutschland

Den Heimatmarkt haben sich Aldi Nord und Aldi Süd aufgeteilt. Hier hat Aldi Nord deutlich mehr Filialen. Das Unternehmen mit Sitz in Essen kommt auf rund 2500 Geschäfte. Aldi Süd mit Sitz in Mülheim an der Ruhr kommt auf mehr als 1800 Filialen.

Australien

Auf mehr als 295 Geschäfte kommt Aldi Süd in Australien. Seit dem Jahr 2001 hat das Unternehmen dort die Expansion vorangetrieben.

Belgien

In Belgien ist Aldi seit dem Jahr 1976 vertreten. Aldi Nord betreibt im Benelux-Land mehr als 440 Filialen.

Dänemark

Unter dem Namen „Aldi Marked“ gibt es Aldi Nord auch in Dänemark. Der Markteinstieg erfolgte 1977, heute kommt Aldi im Nachbarland auf mehr als 230 Filialen.

Frankreich

Eins der größten Aldi-Länder ist Frankreich. Aldi Nord ist dort seit 1988 aktiv und betreibt mehr als 920 Filialen unter dem Namen „Aldi Marché“.

Irland

Den Einstieg auf der grünen Insel wagte Aldi erst 1999. In Irland ist Aldi Süd vertreten und zählt dort mittlerweile mehr als 95 Filialen.

Großbritannien

Mehr als 470 Filialen hat Aldi Süd in Großbritannien. Seit 1990 ist der Discounter dort vertreten.

Luxemburg

Im kleinen Benelux-Land ist Aldi seit dem Jahr 1991 vertreten. Aldi Nord zählt in Luxemburg ein Dutzend Geschäfte.

Niederlande

Die Niederlande waren das erste Land, in das Aldi Nord expandiert. Seit dem Jahr 1973 sind dort mehr als 500 Filialen entstanden.

Österreich

Aldi Süds Markteintritt in Österreich erfolgte bereits 1968. In der Alpenrepublik hat der Discounter mehr als 440 Filialen, die dort „Hofer“ heißen.

Polen

Relativ neu ist Aldi in Polen. Im Nachbarland ist Aldi Nord erst seit 2008 vertreten. Mittlerweile haben dort mehr als 70 Filialen geöffnet.

Portugal

Mehr als 30 Geschäfte betreibt Aldi Nord in Portugal. Dort ist der Discounter seit dem Jahr 2006 aktiv.

Schweiz

Man glaubt es kaum, aber die Schweiz ist erst seit wenigen Jahre „Aldi-Land“. Seit 2005 expandiert Aldi Süd in die Alpenrepublik. Dort gibt es inzwischen mehr als 160 Filialen, die unter „Aldi Suisse“ laufen.

Slowenien

Slowenien ist Aldi Süd-Land. Dort ist die Kette seit dem Jahr 2005 aktiv. Mehr als 65 Filialen gibt es mittlerweile unter dem Namen „Hofer“.

Spanien

Im Krisenland Spanien eröffnete die erste Aldi-Filiale im Jahr 2002. Aldi Nord kommt dort inzwischen auf mehr als 260 Geschäfte.

Ungarn

In Ungarn ist Aldi Süd noch nicht allzu lange vertreten. Im Jahr 2008 erfolgte der Markteintritt. Inzwischen kommt Aldi dort auf die Zahl von mehr als 85 Geschäften.

USA

Nach Deutschland sind die USA das Aldi-Land mit den meisten Filialen. Aldi Süd ist dort seit 1976 vertreten und betreibt mehr als 1230 Filialen. Dazu kommen rund 470 Filialen von Aldi Nord, die dort Traeder Joe's heißen.

Quelle: Unternehmen, Stand: 4. April 2013

Die beiden Brüder hatten eine zueinander passende Arbeitsauffassung. Das erwies sich als Glücksfall. Von vornherein teilten sie sich ihre Aufgaben: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Theo betreute die Verkaufsstellen, Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war nach dem Krieg nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichender Menge zu erhalten.

Ab 1961 wurde aus dem Lebensmittelhandel der Brüder Albrechts Discount – kurz Aldi. Die ebenfalls hoch gehandelte Namens-Alternative „Billi“ kam letztlich nicht zum Zug. Binnen eines halben Jahrhunderts formten die beiden Brüder einen Milliardenkonzern, der die deutsche, aber auch die internationale Handelslandschaft nachhaltig veränderte. Das unternehmerische Motto der Brüder hieß: „Unsere Werbung liegt im niedrigen Preis.“

Ihre Operationsgebiete teilten die beiden in gesellschaftsrechtlich selbstständige Aldi-Gesellschaften. Damals entschieden sie, auf ihrer Deutschlandkarte den Aldi-Äquator mitten durchs Ruhrgebiet laufen zu lassen. Auch auf dem Globus markierten sie Zonen, die jeder der Brüder exklusiv für sich hatte. Aldi Nord (Theo) regiert seitdem in Dänemark, Benelux, Frankreich, Spanien und Portugal. Die von Mülheim an der Ruhr aus gesteuerte Süd-Schiene (Karl) legte den Schwerpunkt auf Osteuropa, den Alpenraum und die englischsprachigen Länder.

Kommentare (4)

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10.04.2013, 12:01 Uhr

Wenn ich sehe wie die Mitarbeiter zwischen Waren einräumen, aussortieren und Kasse immer hin- und herrennen müssen vergeht mir die Lust dort einzukaufen.
Aldi macht gigantische Gewinne, da könnte der Mitarbeiterschlüssel etwas besser sein. Würde vielleicht auch die Kunden nicht so abstoßen.
Ach ja, und "Premiummarken" passen nicht zu ALDI&Co.

Gast

10.04.2013, 12:52 Uhr

Dort nicht einzukaufen hilft den Angestellten auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil.
Das Grundproblem lässt sich durch nicht-tun auch nicht lösen, also kann man denen das bisschen was sie kriegen wenigstens noch "gönnen" (ein schwieriger Ausdruck für soetwas, mir fiel aber kein besserer ein).

Account gelöscht!

10.04.2013, 13:54 Uhr

Die Einlassung von Herrn Brandes " ...das die Überzeugung ,Inhalt ist wichtiger als Verpackung auf der Strecke bleibt" ist unbegründet und spiegelt die konservative Ausfassung dieses sicherlich verdienten ALDI-Nord - Managers, über den aber die Verbraucherwünsche der heutigen Zeit hinweggegangen sind. So sehen die ALDI-Nord-Filalen ja auch aus.
Dem Preis entsprechende Qualität wird vom Verbraucher auch im Supermarkt als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, insbesondere in einer Zeit, in der alles und jedes überall verfügbar ist.
Aber auch der preisbewusste will außer Produkten in Billigregalen und guten, fleissigen Mitarbeitern mit "modisch unterirdisch " verordneten Arbeitskitteln, etwas mehr Kaufemotion. Es denkt mittlerweile neben Grundbedarfsdeckung auch mehr in Anlaßkauf oder in Themenkauf/-angeboten, wie das z.B. von ALDI-Süd beispielhaft vorgemacht wird. Dagegen wirkt ALDI-Nord in Angebot, Ladengestaltung und Kundenorientierung wie ein Supermarkt einer längst vergangenen Zeit.
Gut wenn sich da etwas ändern würde, zumal es gute Beispiele bei der Schwesterfirma ja gibt.

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