Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2014

12:22 Uhr

17 statt 16

Deutsche Bahn bekommt einen ICE mehr

Ursprünglich sollte Siemens 16 neue ICE an die Deutsche Bahn liefern, jetzt aber wurde der Vertrag um einen Zug aufgestockt. Bahn-Chef Grube sprach von einem „kleinen Lichtblick“ für die Fahrgäste.

Ein Velaro D ICE während einer Testfahrt: „Positive Signale für die Bahnreisenden.“ dpa

Ein Velaro D ICE während einer Testfahrt: „Positive Signale für die Bahnreisenden.“

BerlinDer Elektrokonzern Siemens baut für die Deutsche Bahn einen neuen ICE-Zug mehr als ursprünglich vereinbart. Vor wenigen Tagen sei „die Lieferung eines 17. Zuges vertraglich fest verankert worden“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Dienstagabend bei einem Empfang in Berlin.

Die Bahn hatte zunächst 16 ICE des Typs Velaro D bestellt. Sie sollten Ende 2011 einsatzbereit sein, die Lieferung verzögerte sich aber immer wieder. Seit Dezember 2013 sind die ersten vier der neuen ICE im Betrieb. „Weitere vier Züge liefert Siemens bis April“, sagte Grube. Er sprach von einem „kleinen Lichtblick, von dem unsere Fahrgäste spürbar profitieren werden“.

Antworten zu den neuen Bahnpreisen

Wann wird die Erhöhung wirksam?

Die neuen Preise gelten für alle Fahrten seit dem 15. Dezember 2013. Für etwa 80 Prozent aller Fahrten des Nahverkehrs gelten jedoch die Tarife eines Verkehrsverbundes. Nur für die übrigen 20 Prozent ist ein Bahn-Regionalticket zu lösen.

Wie viel müssen Bahnfahrer mehr zahlen?

Das kommt darauf an, auf welcher Strecke man unterwegs ist. Mit dem ICE kann es ein bis vier Prozent teurer werden, im Durchschnitt steigt der Normalpreis im Fernverkehr um 2,5 Prozent. Von Stuttgart nach München sind demnächst regulär 57 Euro zu zahlen, 2 Euro mehr als bisher (plus 3,6 Prozent). Im Nahverkehr beträgt die Anhebung für Standardtickets und Zeitkarten um 3,2 Prozent.

Welche Ausnahmen gibt es?

Im Fernverkehr sind etwa die Hälfte aller 360 Millionen jährlichen Fahrten nicht von der Preiserhöhung betroffen. Die Gründe: Zeitkarten werden nicht teurer, auch nicht die auf allen Strecken gültige Jahreskarte Bahncard 100, von der zurzeit rund 40 000 genutzt werden. Außerdem bleiben sämtliche Teilstrecken auf der Linie Düsseldorf-Berlin von einer Anhebung verschont. Das soll ein kleines Dankeschön sein für die vielen Verspätungen, die die Fahrgäste auf dieser Verbindung erdulden müssen. Ein Hochwasserschaden zwischen Hannover und Berlin macht seit Juni Umleitungen nötig. Das bleibt noch bis 4. November so.

Was ist mit den Bahncards und Reservierungsgebühr?

Teurer werden die Bahncard 25 (62 statt 61 Euro) und die Bahncard 50 (255 statt 249 Euro). Bei der Bahncard 100 und allen ermäßigten Bahncards bleibt der alte Preis. Für die Reservierung eines Sitzplatzes sind künftig 4,50 Euro statt 4 Euro zu zahlen. Begründung der Bahn: Sie will weniger „Luftbuchungen“ haben. Gerade Geschäftsreisende buchen gern für mehrere Züge hintereinander Plätze, weil sie nicht genau wissen, wann sie abfahren. Die Quote der Doppelbuchungen liegt bei mehr als 20 Prozent, so die Bahn.

Wie begründet die Bahn die Preiserhöhung?

Die Bahn begründet den Aufschlag vor allem mit höheren Personalkosten. Sie seien wegen der Tariferhöhungen im ersten Halbjahr um vier Prozent gestiegen. Auch der höhere Strompreis habe eine Rolle gespielt. Dabei sei die Bahn an langfristige Verträge gebunden und könne nicht von günstigeren Großmarktpreisen profitieren.

Was sagen die Kritiker?

Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland gefällt die Erhöhung nicht. Noch sei die Leistung der Bahn angesichts vieler Verspätungen und anderer Schwächen nicht gut genug, um sie zu rechtfertigen.

Erst kurz vor Weihnachten hatte Siemens mit zwei Jahren Verspätung die Zulassung für die neuen ICE-Züge für die Deutsche Bahn vom Eisenbahn-Bundesamt bekommen. Zuvor waren im November zwei Züge zu Testzwecken an die Bahn gegangen. Anschließend wurden zwei weitere Züge für den Inlandsverkehr an den bundeseigenen Konzern übergeben. Grube hatte darauf gedrungen, dass Siemens die noch ausstehenden Züge rasch liefert.

Für den grenzüberschreitenden Verkehr nach Belgien und Frankreich stand die Genehmigung allerdings noch immer aus. Nach Auffassung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kann die Bahn mit den neuen ICE ihre Flotte vergrößern und weiter modernisieren. „Das sind positive Signale für die Bahnreisenden“, erklärte er.

Eigentlich hätten alle der 16 zunächst bei Siemens bestellten neuen Hochgeschwindigkeitszüge schon seit Dezember 2011 durch Deutschland fahren sollen. Aber das Eisenbahn-Bundesamt hatte sie wegen neuer Auflagen und ungeklärter technischer Fragen bei Bremsen, Radsatzgestellen und Klimaanlagen zunächst nicht zugelassen.

Siemens hatte daraufhin versprochen, die ersten acht Züge im Dezember 2012 auszuliefern. Der Konzern verhandelte mit der Bahn über Schadenersatz oder einen Gratis-ICE im Wert von gut 30 Millionen Euro. Aber auch dieser Termin platzte: Bei der Übernahmeprüfung im November 2012 wurden Softwarefehler in der Zugsteuerung entdeckt. Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser hatte die Verzögerungen kürzlich eine „Mega-Peinlichkeit“ genannt, die es künftig zu vermeiden gelte.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Radnabe

23.01.2014, 11:16 Uhr

Die neuen Züge sind wirklich ein Segen, nun ist wenigstens die schlimmsten Engpass beseitigt. Bei Ausfällen und großen Verspätungen gibt es wieder Ersatzzüge und in den Ferien Verstärker.

Wie immer in den letzten Jahren sind auch diese neuen Züge wieder deutlich unbequemer. Bin schon damit gefahren. Sitzabstand wieder geringer, also Kniekontakt mit dem Vordersitz. Keine gesonderten Gepäckgitter mehr; der kleine Koffer passte noch in die obere Ablage und der große Koffer musste einen eigenen Sitzplatz blockieren. Das Ärgerlichste: Die sog. Lounge-Abteile hinter dem Lokführer fehlen. Erstmals seit zwanzig Jahren gibt es nun wieder einen Zug, bei dem man dem Fahrer nicht über die Schulter schauen kann.

Ok, mit 320 km/h sind sie noch eine Winzigkeit langsamer als der Vorgänger, aber das fällt nicht ins Gewicht. Hoffen wir, dass die Züge mit all den Verschlechterungen wenigstens viel billiger waren als der ICE 3 und dies den Fahrgästen zugute kommt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×