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24.04.2016

21:24 Uhr

24-Stunden-Metzgerei

Fleisch aus dem Schließfach

Riesige Discounter machen vielen Metzgern das Leben schwer. Ein Fleischer in Rheinland-Pfalz gibt sich allerdings nicht so leicht geschlagen. Er lockt mit der ersten 24-Stunden-Metzgerei Deutschlands. Ein Ortsbesuch.

Metzger Philipp Klassen füllt einen der Selbstbedienungsautomaten der Fleischerei Klassen in Temmels (Kreis Trier-Saarburg) mit frischem Hackbraten auf. dpa

Wurst und Fleisch aus dem Schließfach

Metzger Philipp Klassen füllt einen der Selbstbedienungsautomaten der Fleischerei Klassen in Temmels (Kreis Trier-Saarburg) mit frischem Hackbraten auf.

TemmelsFleisch und Wurst rund um die Uhr einkaufen: Das geht seit neuestem bei einem Metzger im rheinland-pfälzischen Temmels. Möglich macht's eine große Schließfachanlage mit 40 gekühlten Boxen, die Peter Klassen jüngst vor seinem Geschäft in Betrieb genommen hat. „Der Einkauf geht ganz einfach“, sagt der 53-Jährige vor den roten Fächern. Nachdem der Kunde seine Bestellung telefonisch durchgegeben hat, legt Klassen die gewünschte Ware in einer Tüte in ein Kühlfach – und der Kunde holt sie ab, wenn es ihm passt. Abends nach der Arbeit, nachts um 3.00 Uhr oder am Sonntag.

„Der Kunde von heute erwartet eine höhere Flexibilität“, sagt Klassen. Viele arbeiteten noch, wenn er sein Geschäft um 18.00 Uhr schließe. Um diese Kundschaft nicht Läden mit längeren Öffnungszeiten zu überlassen, habe er diese Idee gehabt. „Mit dem Vorteil, dass wir jetzt sogar 24 Stunden geöffnet haben.“

Wer nicht bestellt, kann sich aus den vier Grad kühlen Fächern auch vorbereitete Pakete, etwa für einen spontanen Grillabend, holen. Und neben den Kühlfächern hat Klassen zwei Automaten gestellt, in denen er Produkte wie Eier, Milch, Suppen, Bier und Nudeln anbietet. „Es läuft gut“, sagt der Metzger. Er geht davon aus, dass sich die vor einem Monat gestartete rund 80.000 Euro teure Gesamtinvestition in etwa einem Jahr bezahlt gemacht haben wird.

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland

Platz 10

Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).
Quelle: fleischwirtschaft.de

Platz 9

Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.

Platz 8

Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.

Platz 7

Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.

Platz 6

2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.

Platz 5

Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).

Platz 4

Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).

Platz 3

Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).

Platz 2

Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.

Platz 1

Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Hausfrau Gabi Kimmel (67) lobt das neue Angebot. „Man muss sich nicht mehr nach den Geschäftszeiten richten“, sagt sie, nachdem sie mit der Giro-Karte an der Anlage bezahlt hat und ihren Code zum Öffnen des Schließfachs eintippt. Wenn man am Wochenende beim Kochen merkt, dass etwas fehlt, könne man sich das jetzt rasch besorgen. Und wenn man zu Hause nicht so viel Platz zum Kühlen habe, könne man bestellte Platten auch kurzfristig abholen.

Mit einem festen Sortiment an Fleisch, Milch, Eiern und Co. bestückte Automaten zur Selbstbedienung gibt es schon seit Jahren bei Metzgern oder Landwirten. Doch Klassen ist der bundesweit erste Metzger, der so eine Schließfachanlage habe, mit der Möglichkeit zur individuellen Bestellung, sagt Geschäftsführer Olaf Clausen von der Firma Locktec im bayerischen Weißenbrunn, die das Teil hergestellt hat. Er geht davon aus, dass das Modell Schule machen wird. „Es ist ein zunehmender Markt.“ Locktec hat seine „Cool Locker“ auch in der Schweiz, in Australien und Frankreich stehen.

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