Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.03.2006

15:59 Uhr

3 Standorte bedroht

Karstadt denkt an Schließungen

Am Montag hatte Karstadt-Quelle mit dem Verkauf seiner Warenhaus-Immobilien bis zu 4,5 Mrd. Euro eingenommen und damit seine klamme Kasse aufgefüllt. Der Betrieb in den 85 veräußerten Karstadt-Filialen, so schien es, gehe unvermindert weiter. Doch wie nun bekannt wurde, ist dem nicht so.

Karstadt will bis zu drei Filialen schließen ohne zu sagen welche. Im Bild die Gelsenkirchener Niederlassung. Foto: dpa

Karstadt will bis zu drei Filialen schließen ohne zu sagen welche. Im Bild die Gelsenkirchener Niederlassung. Foto: dpa

HB ESSEN. „Es gibt drei Standorte, über die ernsthaft nachgedacht wird,“ sagte Konzernsprecher Jörg Howe am Mittwoch. Er wies zugleich Befürchtungen des Gesamtbetriebsrates der Warenhaus GmbH und der Gewerkschaft Verdi zurück, wonach bis zu 31 Warenhäuser nicht weiter betrieben werden könnten. „Niemand denkt daran, bei einem Paket von 30 oder 31 Häusern den Betrieb einzustellen.“ Es gebe aber keine Bestandsgarantie für sämtliche Filialen bis in alle Ewigkeit, fügte er hinzu. Howe hatte Ende vergangener Woche mehrere Medienberichte zurückgewiesen, wonach sich das Unternehmen von weiteren Warenhäusern trennen wolle. Im vergangenen Jahr hatte der Handelskonzern 74 kleine Filialen in eine eigene Gesellschaft unter dem Namen „Karstadt Kompakt“ ausgegliedert und anschließend verkauft.

Rund 150 Mitarbeiter protestierten am Mittwoch vor der Konzernzentrale in Essen und forderten eine Bestandsgarantie. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Gertrud Tippel-Kluth, die auch im Aufsichtsrat von Karstadt-Quelle vertreten ist, sagte bei der Protestkundgebung, es gebe ernste Sorgen über eine mögliche Schließung von Häusern. „Wir haben Informationen erhalten, dass Karstadt-Quelle bei 31 Standorten prüft, ob man sie nach dem Verkauf wirklich zurückmieten will.“ Von einer Schließung wären bis zu 5 000 Mitarbeiter betroffen. Sie sprach von wachsendem Misstrauen gegenüber dem Top-Management.

Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane – ebenfalls im Karstadt-Aufsichtsrat – bestätigte: „Es ist noch offen, welche Konzepte für die 31 Häuser gefunden werden.“ Bei den betroffenen Häusern handele es sich zumeist um Standorte in so genannten 1b-Lagen. Ein mögliches Konzept könne etwa eine Belebung derartiger Standorte vorsehen, sagte Mönig-Raane. Die Gewerkschaft stehe hinter dem Vorstand, wenn er zukunftsweisende Konzepte für die Warenhäuser realisieren und weiterentwickeln wolle.

Verdi unterstütze das in dieser Woche von Karstadt-Quelle-Chef Thomas Middelhoff vorgelegte Konzept zum Verkauf der Konzernimmobilien, das noch durch den Aufsichtsrat gebilligt werden müsse. „Das ein richtiger Schritt, um von der hohen Verschuldung herunterzukommen und das Eigenkapital wieder aufzustocken“, sagte Mönig-Raane. Dabei gehe es immer noch um die Aufarbeitung der Krisenfolgen aus dem Jahr 2004.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×