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26.09.2014

18:59 Uhr

33 Flugzeuge

Air Berlin storniert Bestellungen bei Boeing

Die Fluggesellschaft Air Berlin ist mächtig angeschlagen, nun muss sie sogar eine Bestellung neuer Flugzeuge bei Boeing stornieren. Der Flugzeugbauer sollte eigentlich 33 neue Maschinen liefern.

Das stornierte Geschäft hatte insgesamt ein Volumen von 3,9 Milliarden Euro. Reuters

Das stornierte Geschäft hatte insgesamt ein Volumen von 3,9 Milliarden Euro.

Berlin Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin hat eine Bestellung von 33 Flugzeugen bei Boeing storniert. Die 18 Mittelstreckenjets der 737-Reihe und 15 Dreamliner haben insgesamt einen Listenpreis von etwa fünf Milliarden US-Dollar (3,9 Milliarden Euro), wie Deutschlands zweitgrößte Airline am Freitag mitteilte. Sie werde ihre Flotte nun in kleinerem Umfang als ursprünglich geplant durch den Kauf oder das Leasing von geeigneten Flugzeugen an ihre Bedürfnisse anpassen.

„Der Verzicht auf die Anschaffung der bestellten 33 Flugzeuge wird den künftigen Kapitalaufwand von Air Berlin erheblich reduzieren und unsere Bilanzstruktur verbessern“, begründete Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer den Schritt. Demnach werden keine Ausgleichszahlungen an Boeing fällig. „Unsere Zusammenarbeit mit Boeing ist traditionell hervorragend“, betonte er. „Dies wird auch so bleiben.“

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Auf Kurz- und Mittelstrecken in Europa fliege Air Berlin mit 45 Boeing 737. Die Flotte solle weiter vereinheitlicht werden. Mit einer der jüngsten Flotten in Europa sei das Unternehmen gut aufgestellt.

Air Berlin ist seit Jahren finanziell in Turbulenzen, hatte aber im zweiten Quartal etwas Boden gut gemacht. Über Wasser halten die Fluggesellschaft jedoch millionenschwere Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad, der nationalen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, aus Abu Dhabi.

Nach mehreren Sparprogrammen kündigte Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer im Frühjahr eine grundlegende Neuausrichtung an, über die noch nicht viel bekannt ist. Unter anderem soll die Flotte von 144 Maschinen noch einmal um zehn Flugzeuge schrumpfen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Teito Klein

26.09.2014, 18:34 Uhr

Air Berlin storniert Flugzeugbestellung
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Bei den stornierten Fliegern handelt es sich um 18 Mittelstreckenjets der 737-Reihe und 15 Dreamliner. Der tatsächlich vereinbarte Kaufpreis soll unter den fünf Milliarden Dollar gelegen haben.

Die Anleger zeigten sich erfreut. Der Kurs hat um sechs Prozent zugelegt.
Da Air Berlin finanziell angeschlagen ist, war das ein Schritt in die richtige Richtung.

Unter den Fittichen des arabischen Großaktionärs Etihad versucht Air Berlin derzeit abermals einen Neustart. Die Fluglinie vom Persischen Golf hält Air Berlin seit 2011 mit Geldspritzen von mittlerweile 800 Millionen Euro in der Luft.

Sergio Puntila

26.09.2014, 19:36 Uhr

Investitionen zurückfahren und den Carrier samt seinen Möglichkeiten auf "Vorkriegsniveau" zurückfahren.
Mit M mag man Hof machen wollen: die Turbine spielt letztenendes LH geradewegs in die ebenso verhagelt erscheinende Bilanz...

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