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02.04.2014

09:11 Uhr

3800 Flüge gestrichen

Lufthansa-Streik läuft ohne großes Chaos an

Fast alle Flugzeuge am Boden: Die Lufthansa-Piloten streiken. Am ersten Tag des Ausstands bleibt das Chaos aus – die Airline hat vorgesorgt. Nach einer baldigen Einigung sieht es nicht, die Parteien beharken sich.

Gewerkschaft macht ernst

Lufthansa-Streik hat begonnen

Gewerkschaft macht ernst: Lufthansa-Streik hat begonnen

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Frankfurt/MainDie Piloten der Lufthansa haben am Mittwoch mit ihrem dreitägigen Streik begonnen und damit den Flugverkehr bei Europas größter Fluggesellschaft lahmgelegt. Das Unternehmen annullierte für den Streik-Zeitraum 3800 Flüge und damit neun von zehn Verbindungen. Die Piloten der Tochter Germanwings legen ebenfalls die Arbeit nieder. Von größten Streik in der Lufthansa-Unternehmensgeschichte sind 425.000 Fluggäste betroffen.

An den beiden größten deutschen Flughäfen in Frankfurt und München war die Lage zunächst ruhig. „Aktuell läuft alles im geregelten Maße, die Leute wurden gut informiert, alles ruhig derzeit im Terminal“, sagte ein Sprecher des Frankfurter Flughafens. Es seien genügend Feldbetten aufgestellt worden und Verpflegungsstationen sowie Familienbereiche für Reisende mit kleinen Kindern eingerichtet worden. „Es sind wenige Leute, die ohne Vorkenntnisse hier herkamen.“ Auch ein Sprecher des Münchener Flughafens sagte, es sei sehr ruhig am Flughafen, die Reisenden seien gut informiert.

Die Drehkreuz-Flughäfen München und Frankfurt bereiteten sich allerdings darauf vor, dass Transitreisende ohne Schengen-Visum in den Transitbereichen festsitzen könnten. „Mit ein paar Gestrandeten wird man rechnen müssen“, hieß es in München. In Frankfurt wurden für gestrandete Fluggäste nach Angaben eines Sprechers Feldbetten in den Transitbereichen aufgestellt. Zudem gebe es Snacks und Getränke.

Der Flugbetrieb der Lufthansa wird für drei Tage bestreikt. Um Mitternacht legten Piloten von Europas größter Luftverkehrskonzern die Arbeit nieder, wie ein Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mitteilte. Die Pilotengewerkschaft hatte dazu aufgerufen.

Auch bei der Lufthansa rechnete man am Morgen nicht mit einem größeren Chaos. Man gehe davon aus, dass sich viele vorab informiert hatten. „Die Callcenter sind auf die höchstmögliche Kapazität aufgestockt worden“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Lufthansa-Passagiere können sich unter Service-Telefonnummer (0800) 850 60 70 erkundigen, Germanwings-Kunden melden sich bei der Hotline (01806) 320320.

Lufthansa hatte zuvor auf die umfassende Streikdrohung der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten reagiert und den größten Teil ihres Flugprogramms bis inklusive Freitag abgesagt. Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings fallen zahlreiche Flüge aus.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Rund 425.000 Passagiere sind von den etwa 3800 Flugstreichungen betroffen. Ein großer Teil davon sollte auf andere Verkehrsmittel oder Termine umgebucht werden.

Am Vormittag wollen die Piloten am Frankfurter Flughafen für ihre Anliegen demonstrieren. Anlass des Streiks sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten.

Die Lufthansa rechnet in den Verhandlungen mit ihren streikenden Piloten nicht mit einer zügigen Einigung. „Wir sind ständig gesprächsbereit. Wir glauben, dass wir Angebote vorgelegt haben, auf deren Basis man miteinander sprechen kann“, sagte Konzernsprecherin Barbara Schädler am Mittwochmorgen.

Die streikenden Lufthansa-Piloten lehnen die Angebote der Konzernleitung weiter ab. Markus Wahl von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sprach von einer „Mogelpackung“: „Nach außen hin gibt sich Lufthansa gesprächsbereit.“ Die Angebote seien aber immer die gleichen. „Für uns ist Lufthansa klar der Wolf im Schafspelz.“

Wahl bestätigte, dass die Piloten nach dem Ende des Streiks am Freitag bis nach den Osterferien nicht noch einmal die Arbeit niederlegen werden. „Sollte uns natürlich Lufthansa danach zwingen, erneut in den Ausstand zu gehen, müssen wir das tun“, fügte er hinzu.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.04.2014, 08:20 Uhr

Und immer schon bedenken: Die Piloten der Lufthansa fordern 10% Deflationsausgleich! :-)

Account gelöscht!

02.04.2014, 09:01 Uhr

Vermutlich werden bei der LH bald ein paar weniger Piloten gebraucht. Der Ruf der Airline ist nun wohl schon maximal beschädigt, nachdem viele langjährige Kunden nun schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen Streikopfer werden. Viele meiner Kollegen auf meinem aktuellen Projekt in Frankreich hatten aufgrund der Streikankündigung von vornherein auf Air France gebucht. Mein Rückflug wurde gestrichen. Bei der LH ist eigentlich niemand über die gängigen Telefonnummern erreichbar. Inzwischen erhielt ich jedoch eine weitere SMS, dass mein Flug nun doch statt findet. Es bleibt mal wieder spannend. Beim letzten Streik (waren dann die Fluglotsen) konnte ich auch noch rechtzeitig umbuchen. LH hat halt den Vorteil, dass vermutlich die meisten Kunden streikerprobte Vielflieger sind, die sich zu helfen wissen. Dennoch sagt das Entschuldigungsschreiben der LH, welches heute via e-mail rein kam eigentlich alles. Ich hoffe, auch die Piloten lesen es.

Account gelöscht!

02.04.2014, 09:21 Uhr

250.000EUR Jahresgehalt, keinen Tag in der Uni gehockt, die mit Abstand überbezahltesten Angestellten die es gibt!!!
Und nun 10% Gehaltserhöhung fordern und eine ganze Nation lahm legen!?
Gegen die Piloten sind Boni-Banker und Manager zurückhaltend. Das sind die Gierigen, die den Hals nicht voll bekommen!!!

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