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14.10.2014

17:04 Uhr

40 Jahre Ikea in Deutschland

Warum Ikea so erfolgreich ist

VonLisa Hegemann, Joachim Hofer

Billy-Regal, Köttbullar, Smaland: Ikea feiert in dieser Woche 40-jähriges Jubiläum in Deutschland. Das Erfolgsgeheimnis des Konzerns: die Treue seiner Kunden. Doch Ikea ist längst nicht so freundlich wie sein Ruf.

Bilder von Ikea hängen in vielen deutschen Wohnungen. Der Möbelriese feiert am Freitag sein 40-jähriges Bestehen. dpa

Bilder von Ikea hängen in vielen deutschen Wohnungen. Der Möbelriese feiert am Freitag sein 40-jähriges Bestehen.

DüsseldorfViel hat sich geändert, doch eins ist wie vor 40 Jahren. Ein Auto nach dem anderen biegt an diesem sonnigen Dienstagmorgen auf den Ikea-Parkplatz in Eching. Hier, im Norden von München, öffnete am 17. Oktober 1974 der erste Markt des schwedischen Möbelhändlers in Deutschland. 215 Mitarbeiter waren damals mit dabei, um auf 9000 Quadratmetern all die Regale, Betten und Schränke zu verkaufen, die den Konzern seither weltbekannt gemacht haben. Der Umsatz damals: 30 Millionen Euro. Hier, inzwischen nur ein paar Kilometer vom Flughafen Franz-Josef-Strauß entfernt, feiert der Konzern nun das Jubiläum.

Das 40-Jährige ist zwar offiziell erst am Freitag, doch Deutschlandchef Peter Betzel und Ikea-CEO Peter Agnefjäll luden schon mal am Dienstag zur Pressekonferenz. Nicht nur, um den Geburtstag anzukündigen (und sicher zu gehen, dass diesen auch kein Medium verpasst), sondern auch, um aktuelle Zahlen zu präsentieren.

Derzeit stehen hierzulande fast 16.000 Menschen auf der Lohnliste des Familienunternehmens, sie sind verteilt auf 48 Läden. Die Schweden sehen sich als Marktführer zwischen Nordsee und Alpen. Der Umsatz kletterte vergangenes Jahr um gut drei Prozent auf 4,12 Milliarden Euro und lag damit erstmals über vier Milliarden. 190 Millionen Euro stammen davon aus den Restaurants, der Online-Shop brachte 145 Millionen ein. Insgesamt strömten nach Angaben des Unternehmens 100 Millionen Menschen in die Einrichtungshäuser. Die Online-Umsätze haben sich damit seit 2012 verdoppelt, damals lagen sie bei 73 Millionen. „Der Online-Shop wäre damit unser größtes Einrichtungshaus“, sagte Betzel.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Vor der Presse verkündeten sie zudem große Pläne für das Deutschlandgeschäft. Der Marktanteil soll in den nächsten Jahren von 13 auf  25 Prozent klettern, der Umsatz soll sich auf acht Milliarden Euro nahezu verdoppeln, betonte Betzel. Um das zu erreichen, würden 20 zusätzliche Einrichtungshäuser entstehen, jedes Jahr sollen ein, zwei Standorte dazu kommen.

Doch auch weltweit läuft es rund. Das vergangene Geschäftsjahr sei gut gewesen angesichts der vielen politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten weltweit, unterstrich Konzernchef Agnefjäll in Eching. Der Umsatz zwischen September 2013 und August 2014 ist um drei Prozent auf 28,7 Milliarden geklettert. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Markt der Schweden.

Ikea bemüht sich sehr um ein grünes, freundliches Image. Die Schweden betreiben 224 Windräder, produzieren auf den Dächern der Märkte Sonnenenergie, in einigen Ländern verkaufen sie sogar Solarpaneele, und fördern die Mitarbeiter. Die Beschäftigten werden am Erfolg beteiligt, 47 Prozent der Führungskräfte sind Frauen.

Das beste Geschenk zum 40. Geburtstag hat sich Ikea aber selbst gemacht: eine riesige PR-Kampagne Ende August. Damals hatte der schwedische Möbelriese verkündet, seinen Kunden in Deutschland künftig ein lebenslanges Rückgaberecht zu gewähren. Zumindest für die Zukunft. Wer also heute ein Billy-Regal kauft, kann es also auch in 20 Jahren noch zurückgeben – sofern er dann noch den Kassenzettel wiederfindet.

Es sind Aktionen wie diese, mit denen Ikea in ganz Deutschland Wiederhall findet. Am Freitag nun feiert das Unternehmen sein 40-jähriges Bestehen hierzulande. Es ist die Geschichte eines Erfolges. Ikea steht längst nicht mehr nur für selbst aufzubauende Möbel. Doch der Erfolg ist auch auf dem Leiden anderer gestützt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.10.2014, 18:05 Uhr

Ich persönlich kann an IKEA wenig bis nichts finden; das meiste der Angebote finde ich prüllig bis nicht brauch - oder nennenswert haltbar. Vllt. 5% der Einrichtungsgegenstände betrachte ich als kaufbar. Als "wir" letztens mal frustriert in einem IKEA "Futterhaus" waren weil ein Freund nicht wusste das man für eine Küchenplanung einen Termin vorher machen muss, war selbst das Essen lauwarm.

Ich kann einfach keinen Grund erkennen warum man zu IKEA "muss".

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