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22.04.2016

15:53 Uhr

500 Jahre Reinheitsgebot

Kanzlerin Merkel feiert alkoholfrei

Drinnen wurden 500 Jahre Reinheitsgebot gefeiert, draußen forderten Umweltschützer ein Verbot von Glyphosat im Bier. Zum Jubiläums-Festakt für das Nationalgetränk der Deutschen kam sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin würzte die Feier mit einer launigen Rede – und stoß mit alkoholfreiem Bier auf das Jubiläum an. AFP; Files; Francois Guillot

500 Jahre Reinheitsgebot

Die Bundeskanzlerin würzte die Feier mit einer launigen Rede – und stoß mit alkoholfreiem Bier auf das Jubiläum an.

IngolstadtNatürlich wurde im Bierzelt gefeiert. Die 500-Jahr-Feier des Reinheitsgebotes an seinem Ursprungsort Ingolstadt verlegten die deutschen Brauer am Freitag in ein großes Zelt, in den bayerischen Landesfarben weiß und blau geschmückt. In einer Ecke stand eine Plastik-Bavaria mit vielen Maßkrügen in den Händen. Und als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) flankiert von Bierkönigin Marlene Speck und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ins Zelt kam, klatschten die geladenen Gäste ergeben.

Kaum an ihrem Platz musste die Kanzlerin unter Blitzlichtgewitter auch schon einen Schluck Bier trinken – alkoholfreies, wie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) verriet. Mit Politik hielt Merkel sich anschließend in ihrer launigen Rede kaum auf.

Zwar legte sie ein klares Bekenntnis zum Freihandelsabkommen TTIP ab. Dann aber hatte sie rasch die Lacher auf ihrer Seite, als sie dem Zitat des Reichskanzlers Otto von Bismarck „Es ist ein Grundbedürfnis, beim Bier schlecht über die Regierung zu reden“ ihre Worte hinzufügte: „außer wenn es um die bayerische Staatsregierung geht“.

Hopfen, Malz, Wasser, Hefe - die Zutaten fürs Bier

Malz

Malz wird je nach Biersorte aus Gerste oder Weizen gewonnen. Das Getreide wird mit Wasser vermengt, damit es keimt. Danach wird das Grünmalz ähnlich dem Rösten von Kaffee in der Darre getrocknet. Es gibt über 40 Sorten wie helles und dunkles Malz, Rauch- oder Karamellmalz.

Hopfen

Hopfen sorgt für den mehr oder weniger bitteren Geschmack des Bieres. Zudem beeinflusst er die Schaumkrone und erhöht die Haltbarkeit. Es gibt Bitter- und Aromahopfen. Der Braumeister kann aus über 200 Sorten auswählen. Meist nimmt er mehrere Sorten für einen Sud. In der Hallertau, zwischen München und Nürnberg, liegt das größte Hopfenanbaugebiet der Welt.

Wasser

Wasser ist der Hauptbestandteil jedes Biers. Seine Mineralstoffe beeinflussen den Geschmack. So wird das malzig-süße Münchner Dunkelbier mit hartem Wasser gebraut. Das feinherbe Pils hingegen braucht weiches, kalkarmes Wasser. Die Anforderungen an Brauwasser sind laut Trinkwasserverordnung höher als die an Trinkwasser.

Hefe

Hefe verwandelt bei der Gärung den Malzzucker in Alkohol, Kohlensäure und Wärme. Die Hefe prägt auch das Aroma des Biers maßgeblich mit. Es gibt 200 Hefestämme. Brauer unterscheiden zwischen obergärigen Hefen für Weizen- und untergärigen für Gerstenmalz. Untergärige sinken an den Boden der Flüssigkeit, obergärige steigen auf.

Die Seele der Bierbrauer streichelte Merkel mit der Bemerkung, welch große Kreativität die Zunft bei der Verarbeitung von gerade einmal vier Substanzen – Hopfen, Malz, Wasser und Hefe – an den Tag lege. Und sie zitierte Martin Luther, dessen Reformation sich nächstes Jahr ebenfalls zum 500. Mal jährt: „Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken.“

Zuvor hatte Aigner betont, dass 500 Jahre Reinheitsgebot die Seele Bayerns berührten. „Bier ist ein Lebensgefühl, das gepflegt und gefeiert werden muss.“ Und in Anspielung auf das derzeit besonders komplizierte Verhältnis der CSU zur großen Schwester CDU meinte Aigner unter dem Gelächter der Zuhörer an die Adresse Merkels: „Der Bayer ist im Grunde seines Herzens sehr gleichmütig.“

Viel gelacht wurde auch, als Brauer-Bund-Chef Hans-Georg Eils mit dem Hinweis auf eine 85-Prozent-Zustimmung der Deutschen zum Bier zur Kanzlerin sagte: „So viel Zuspruch aus dem Volk bekommen Sie heute nicht einmal für eine Steuersenkung.“

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