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09.12.2014

16:11 Uhr

Abercrombie & Fitch-Chef geht

Abschied eines Provokateurs

VonLisa Hegemann

Mike Jeffries hat aus Abercrombie einst ein hippes Modelabel gemacht. Doch in den vergangenen Jahren hat der Unternehmenschef seinen Glanz verloren. Nun tritt der einstige Provokateur mit sofortiger Wirkung zurück.

Gutaussehende Menschen ziehen gutaussehende Menschen an. Das war stets die Logik von Abercrombie-Chef Mike Jeffries. Nun muss der Konzernboss nach 30 Jahren Amtszeit gehen. Reuters

Gutaussehende Menschen ziehen gutaussehende Menschen an. Das war stets die Logik von Abercrombie-Chef Mike Jeffries. Nun muss der Konzernboss nach 30 Jahren Amtszeit gehen.

DüsseldorfEine Ära geht zu Ende: Mike Jeffries verlässt mit sofortiger Wirkung den Moderiesen Abercrombie & Fitch. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Der Konzernchef wird damit nicht nur seinen Posten als CEO, sondern auch als Aufsichtsratsmitglied aufgeben, hieß es in einer Mitteilung. Eine Firma soll nun nach einem Nachfolger suchen und sowohl interne als auch externe Kandidaten vorschlagen. Die Anleger reagierten erfreut auf den Chefwechsel.

Der Rücktritt ist scheinbar Jeffries eigener Wunsch. „Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine neue Führung, das Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase zu bringen“, sagte Jeffries laut der Mitteilung.

Mit dem Abschied von Jeffries endet eine Epoche. Als der für seine markigen Sprüche bekannte Manager 1992 an die Spitze von Abercrombie & Fitch rückte, übernahm er ein kaum bekanntes Unternehmen. Während seiner Amtszeit machte er aus dem Unternehmen eine der bekanntesten und beliebtesten Teenie-Marken in den USA.

Doch in den vergangenen Jahren und Monaten kämpfte Abercrombie zunehmend mit Umsatzrückgängen. Besonders bei der jungen Zielgruppe verlor das Modelabel, zu dem auch die Kette Hollister gehört, zunehmend an Relevanz. Sowohl die Verkaufszahlen als auch der Gewinn gingen deutlich zurück. Schon im Januar musste der 70-jährige Jeffries deshalb seinen Posten als Chairman aufgeben. Statt seiner wurden vier neue unabhängige Generaldirektoren ernannt. Als Grund für die Umstrukturierung gilt auch der Investor Engaged Capital, der einen Wechsel im Unternehmen verlangte.

Die besten Zitate von Mike Jeffries

Provokant

Der Chef von Abercrombie & Fitch ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Eine Auswahl seiner besten Zitate.

Besessenheit

„Wie muss ein Geschäft aussehen? Wie muss es sich anfühlen? Wie muss es riechen? Davon bin ich besessen.“

Oberflächlichkeit

„Wir beschäftigen gutaussehende Angestellte in unseren Geschäften. Der Grund ist, dass gutaussehende Menschen andere gutaussehende Menschen anlocken - und wir wollen Geschäfte mit coolen, gutaussehenden Menschen machen. Für niemand anderen.“

Sex

„Ich denke, was wir sexuell repräsentieren, ist gut für uns. Es ist verspielt. Nicht dunkel. Nicht erniedrigend! Und es ist nicht homosexuell, nicht heterosexuell, nicht schwarz, nicht weiß. Es geht hier nicht um Etiketten. Das wäre zynisch und wir sind nicht zynisch. Es soll diese wundervolle Kameradschaft, Freundschaft und Verspieltheit darstellen, die diese Generation ausmacht - und, ganz ehrlich, in älteren Generation nicht existiert.“

Popularität

„In jeder Schule gibt es coole und beliebte Kinder und jene, die nicht so cool sind. Ehrlich gesagt orientieren wir uns an den coolen Kindern. Unsere Kunden sind die attraktiven amerikanischen Kinder mit tollen Eigenschaften und vielen Freunden.“

Exklusivität

„Viele Leute passen nicht zu unserer Kleidung - das können sie auch gar nicht. Sind wir exklusiv? Natürlich. Die Unternehmen, die alle Leute ansprechen wollen, haben Probleme: jung, alt, fett, schlank. Aber dann bist du total durchschnittlich. Du schließt niemanden aus, aber du bist auch für niemanden aufregend.“

Tangas für Zehnjährige

„Die Leute sagen, wir sind zynisch, wenn wir kleine Kinder sexualisieren. Aber wissen Sie was? Ich denke immer noch, dass diese Unterwäsche für kleine Mädchen einfach süß ist. Und jeder, der auf die Diskussion um Tangas für kleine Mädchen derart einsteigt, ist verrückt. Einfach durchgedreht. Die Diskussion über Sexualität in diesen Land ist einfach aberwitzig. Durchgeknallt. Ich kann verstehen, dass die Leute Angst haben, dass ihre Tochter mit ein paar alten Perversen rumhängt. Aber warum sollte man es zulassen, dass sie sich mit solchen Leuten überhaupt trifft?“

(Reaktion auf die Kritik, dass A&F Tangas für Zehnjährige verkauft.)

Grenzen

Gehen wir manchmal zu weit? Mit Sicherheit. Aber wir gehen an die Grenzen, wir versuchen lustig zu sein, authentisch und relevant für unsere Kunden. Es interessiert mich nur, was unser Zielkundschaft denkt. Alles andere interessiert mich nicht.

Im Rahmen der Umstrukturierung soll vorerst nun das bisherige Aufsichtsratsmitglied Arthur Martinez an die Spitze des Kontrollgremiums rücken.

An der Börse feierten die Anleger den Chefwechsel. Nach dem Bekanntwerden von Jeffries Abschied stieg der Aktienkurs im frühen Handel um fast zehn Prozent. Vor diesem Anstieg hatten die Abercrombie-Papiere im Gesamtjahr fast ein Fünftel ihres Werts verloren.

Jeffries galt als Provokateur, der immer gut für ein kontroverses Zitat war. Er sagte einst, dass Abercrombie nur gutaussehende Menschen in seinen Geschäften beschäftige, da diese weitere gutaussehende Menschen anlockten und man nur Geschäfte mit „coolen, gutaussehenden Menschen“ machen wolle. Eine Modelinie von Stringtangas für Zehnjährige verteidigte er mal mit den Worten, er verstehe die Aufregung nicht – er fände diese Unterwäschen einfach „süß“ für kleine Mädchen.

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