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19.12.2012

19:55 Uhr

Abrechnungsfehler

Hat Ryanair beim Gewicht geschummelt?

Ryanair soll geringere Gebühren für die Flugsicherung gezahlt haben, weil das Startgewicht zu niedrig angegeben wurde. Mittlerweile zahlt der irische Billigflieger zwar pünktlich, aber sogar eine Klage scheint möglich.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Seine Fluggesellschaft hat möglicherweise zu niedrige Flugsicherungsgebühren bezahlt. AFP

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Seine Fluggesellschaft hat möglicherweise zu niedrige Flugsicherungsgebühren bezahlt.

Langen/Brüssel/DublinDer irische Billigflieger Ryanair hat möglicherweise wegen eines Abrechnungsfehlers zu geringe Flugsicherungsgebühren auf deutschen Flughäfen bezahlt. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt prüft den Vorgang, wie eine Sprecherin am Mittwoch sagte. Ob es Nachforderungen oder gar eine Klage gegen Ryanair geben werde, sei nicht klar.

Ryanair zahle inzwischen den korrekten Betrag. Auch die europäische Luftaufsicht Eurocontrol ist mit der Materie befasst. „Wir wissen über die Behauptungen Bescheid und wir befinden uns in Gesprächen mit Ryanair“, sagte eine Sprecherin von Eurocontrol am Mittwoch in Brüssel.

Der Billigflieger wies die Vorwürfe zurück. „Die aktuellen Vorwürfe entsprechen nicht der Wahrheit", sagte Unternehmenssprecher Stephen McNamara am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die gesamte Ryanair-Flotte des Typs 737 halte die von Boeing vorgegebenen Flex-Weight-Programme uneingeschränkt ein. Dies sei bereits durch die Irish Aviation Authority (IAA) zertifiziert und bestätigt worden.

Die irische Fluggesellschaft hatte das als hauptsächliche Basis für die Gebühren herangezogene Startgewicht seiner Boeing 737-800-Maschinen mit pauschal 67 Tonnen angegeben. Zugelassen sind die Flugzeuge laut Hersteller und irischer Luftaufsicht für ein Startgewicht von 75 Tonnen. Tatsächlich sollen die Flugzeuge beim Abflug von deutschen Flughäfen zum Teil mehr als die angegebenen 67 Tonnen gewogen haben. So habe Ryanair pro Start bis zu 17 Euro gespart. Die in Deutschland eingesparte Gesamtsumme könnte sich nach Medienberichten auf bis zu 370.000 Euro belaufen.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

Der Fehler sei bei Prüfungen aufgefallen, sagte die DFS-Sprecherin. Möglicherweise müsse nun jeder einzelne Flug nachgeprüft werden. Dies ist in den Flugpapieren enthalten, die der DFS vorliegen. Die Fluggesellschaften wiegen Gepäck und Kerosin und geben das Gewicht von Passagieren und Handgepäck nach bestimmten Tabellen pauschal an. Die Summe wird dem Leergewicht der Maschine hinzugefügt.

Ryanair hatte sich zu den Vorwürfen inhaltlich nicht geäußert. Ein Sprecher sagte am Mittwoch in Dublin lediglich, das Unternehmen arbeite mit den zuständigen Behörden kooperativ zusammen. Gerüchte und Spekulationen wolle man aber grundsätzlich nicht kommentieren.

Aer Lingus-Übernahme: Weiterer Rückschlag für Ryanair

Aer Lingus-Übernahme

Weiterer Rückschlag für Ryanair

Es ist der dritte Versuch des Billig-Fliegers Ryanair die irische Fluglinie Aer Lingus zu übernehmen.

Unterdessen erhielt Ryanair bei dem Versuch, den irischen Konkurrenten Aer Lingus voll zu übernehmen, einen Dämpfer. Der irische Staat werde ein Angebot von Ryanair, den 25-Prozent-Anteil der Regierung zu übernehmen, nicht annehmen, kündigte die Regierung an.

Nach Medienberichten wollte Ryanair für das Paket 694 Millionen Euro zahlen. Die Weigerung der Regierung, das Angebot anzunehmen, bedeute nicht das Aus für die Übernahmeabsicht, heißt es in einer Erklärung von Ryanair, der bisher rund 30 Prozent an Aer Lingus gehören.

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