Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2011

11:38 Uhr

Abschaltung droht

Alarm bei Teldafax

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

Exklusiv Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Geschäftspartner von Teldafax zum Brecheisen der Strombranche greifen: Sie drohen mit Abschaltung. Interner Schriftverkehr des Billiganbieters offenbart einen Abgrund.

Die Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn: neue Abgründe. Quelle: dpa

Die Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn: neue Abgründe.

DüsseldorfDer Billigstromanbieter Teldafax hat die nächsten Notfälle in seiner Buchhaltung. Der Dortmunder Netzbetreiber DEW 21 hat Teldafax wegen ausstehender Rechnungen vom Netz genommen. Das bestätigte ein Sprecher von DEW 21 auf Anfrage des Handelsblatts. Mehr als tausend Teldafax-Kunden sind damit in die für sie teurere Grundversorgung zurück gefallen. Zugleich hat der badische Netzbetreiber Energiedienst angekündigt, Teldafax am kommenden Montag vom Netz zu nehmen. In Baden sind 1900 Teldafax-Kunden betroffen.

"Aufgrund der schlechten Zahlungsmoral von Teldafax blieb uns keine andere Wahl", erklärte Jürgen Wagner, Geschäftsführer der Energiedienst Netze GmbH. "Bereits seit mehr als drei Jahren kommen die Zahlungen nur schleppend. Nun blieben sie trotz Mahnungen ganz aus."

Ein Teldafax-Sprecher sagte gestern auf Anfrage, das Geld sei angewiesen. Einen Grund für die ausstehenden Zahlungen nannte er nicht.

Die Lage des Unternehmens spitzt sich immer mehr zu. Erst vor wenigen Tagen hatten die Pfalzwerke nach mehreren erfolglosen Mahnungen mit der Sperrung des Netzzugangs gedroht - Teldafax zahlte in letzter Minute. Zuvor hatte der Netzbetreiber Enervie seine Probleme mit Teldafax öffentlich gemacht - auch hier zahlte das Unternehmen erst weit nach Ablauf der Fristen. Bei mehreren Stadtwerken handelte Teldafax ähnlich.

Während der Stromdiscounter im aktuellen Fall gar keine Erklärung für seine Zahlungsmoral lieferte, nannte er in der Vergangenheit verschiedene Gründe - von Problemen mit der Buchhaltungssoftware bis zu genereller Überlastung. Eine grundlegende finanzielle Schieflage aber wurde dementiert - es handele sich stets um Einzelfälle, hieß es.

Interner Schriftverkehr aber belegt, dass bei Teldafax schon seit fast zwei Jahren eine systematische Vertröstung der Kunden stattfindet. Dem Handelsblatt liegt ein Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden Klaus Bath vor. Darin liefert der zuständige Mitarbeiter "wie besprochen eine Auflistung von Netzbetreibern, die in jüngster Vergangenheit Sicherheitsleistung/Vorauszahlung gefordert und die Kündigung des Lieferantenrahmenvertrags bzw. Netzzugangsverweigerung angedroht haben". Es folgt eine Aufstellung von mehr als 70 Unternehmen. In dem Schreiben ist von einem "drohenden Dominoeffekt" die Rede.

Teldafax konnte 2009 nur durch eine Kapitalerhöhung weiter arbeiten. Nun klagen sowohl Geschäftspartner als auch Kunden, die Guthaben bei Teldafax haben, sie bekämen weder ihr Geld noch eine Antwort auf ihre Fragen. Die Bundesnetzagentur prüft als zuständige Aufsichtsbehörde derzeit die Geschäftspraktiken von Teldafax. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt derzeit gegen das Management wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung.

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

WSC

02.03.2011, 11:58 Uhr

Warum wird die Netzagentur hier nicht tätig und Schaden von den Kunden abhalten.

Auch ist nicht verständlich warum der Werksverein von Bayer und Rudi Völler noch immer als Werbeträger für TelDaFax tätig ist.

Sportpilot

02.03.2011, 12:58 Uhr

Ok - 1.000 Kunden von 700.000 [ohne Gas]? Macht 0,00143% des Kundenstammes. "China: Ricebag fallen over" = Ist das das neue Handelsblatt Niveau?

"...nannte er in der Vergangenheit verschiedene Gründe - von Problemen mit der Buchhaltungssoftware..." - Bestimmt SAP eingeführt kennt man? Schon mal mitgemacht?

"Teldafax konnte 2009 nur durch eine Kapitalerhöhung weiter arbeiten." - Nicht unüblich wenn man wächst?

Sonst noch iregnd welche Neuigkeiten?

Stillfried

02.03.2011, 14:30 Uhr

Man kann es nicht oft genug wiederholen. Das Geschäftsmodell
Teldafax, niedrige Strompreise mit der Kundenanzahl zu finanzieren, funktioniert nicht. Warum schicken die Stromlieferanten in den Laden keine Wirtschaftsprüfer??
Das wäre längst vorrangig, um den ganzen 'Schleier' zu heben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×