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28.06.2013

06:58 Uhr

Abschied vom Luxus

Privatjets für alle

VonLukas Bay

Früher galten Privatjets als dekadentes Vergnügen für die oberen Zehntausend. Doch die Krise hat das Selbstverständnis der Branche verändert. Ein Sitzplatz ist mittlerweile fast zu Business-Class-Preisen zu haben.

Der Privatjet hat an Exklusivität eingebüßt.

Der Privatjet hat an Exklusivität eingebüßt.

DüsseldorfWas dem Deutschen die Schickeria, das ist dem Briten der Jetset. So werden die Reichen und Neureichen genannt, die sich im eigenen Flieger nach Cannes oder in entlegene Golfclubs fliegen lassen. Sie prägen bis heute das Bild der privaten Luftfahrt. Der Privatjet gilt als Statussymbol und dekadentes Spielzeug der Superreichen. Doch die Zeiten des Jetsets neigen sich dem Ende zu.

Denn der Privatjet ist längst ein Werkzeug der Globalisierung geworden. Nicht nur Spitzenmanager wie VW-Chef Martin Winterkorn und Mode-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl schwören auf die schnellen Direktverbindungen. Doch mit der Zahl der Firmenkunden wächst auch die Konjunkturabhängigkeit. Kaum eine Branche wurde von der Wirtschaftskrise des Westens härter getroffen als die private Luftfahrt. Unternehmen mieden Privatjets, um neben schlechten Zahlen nicht auch noch schlechte Presse zu riskieren. Unvergessen ist der Auftritt der US-Autobosse von Chrysler, General Motors und Ford, die im Privatjet nach Washington gereist waren, um für Staatshilfen zu werben. Der Vorfall machte weltweit Schlagzeilen – und die Passagierzahlen der Privatflieger brachen ein.

Marktforscher Kohler: „Privatjets legen ihr Luxusimage ab“

Marktforscher Kohler

„Privatjets legen ihr Luxusimage ab“

Die private Luftfahrt wartet weiter auf die Erholung nach der Euro-Krise. Im Interview erklärt Marktforscher Christoph Kohler, wie sich das Image der Privatflieger wandelt – und wo die Branche noch wächst.

Das Stigma der Dekadenz beherrscht seitdem die Branche, viele Unternehmen sind auf Linienflüge umgestiegen. 2009 brach der Markt für Privatflieger um satte 20 Prozent ein. Bis heute ist die Lage problematisch. „Die Geschäftsluftfahrt ist insgesamt auf dem Sinkflug“, sagt Marktforscher Christoph Kohler, Partner bei WingX Advance. Flugzeugbauer wie Eclipse Aviation und Hawker Beechcraft mussten Insolvenz anmelden. Die Krise hat Spuren hinterlassen und das Gesicht der privaten Luftfahrt verändert. „Der Privatjet wird mittlerweile ganz pragmatisch genutzt“, sagt Kohler.

Weil die Kunden immer preissensibler werden, entwickelt die Branche neue Wege, um auch preislich mit den Linienfliegern mithalten zu können. Natürlich ist ein Privatflug weiterhin deutlich teurer als die Economy-Class und auch die Business-Class. Doch der Aufpreis für die zusätzliche Flexibilität ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Und gerade bei hochbezahlten Angestellten geht die Kalkulation nun schneller auf.

Auf welchen europäischen Flughäfen die meisten Privatjets abheben

Platz 10

Kiew-Schuljany (Ukraine) - 552 Abflüge

Mit einem Wachstum von 29 Prozent bei Privatfliegern und mehr als 60 Prozent plus bei Charterfliegern im Jahresvergleich im Monat Dezember kann kein Flughafen bei Privatflügen stärker zulegen als der Hauptstadtflughafen der Ukrainer.

(Stand: Dezember 2013, Quelle: WingX Advance)

Platz 9

Wien-Schwechat (Österreich) - 612 Abflüge

4,6 Prozent mehr Privatjet-Starts als im Vorjahr, bei Charterfliegern 2,7 Prozent plus, das reicht für Österreichs Hauptstadt für einen Platz in der europäischen Top-10 der Flughäfen für Privatflieger.

Platz 8

Mailand-Linate (Italien) - 615 Abflüge

Die italienische Modemetropole hat im Jahresvergleich satte 24,6 Prozent mehr Abflüge von Privatjets zu verbuchen. Bei Charterflügen steht unterm Strich ein Minus von 8,7 Prozent.

Platz 7

Nizza (Frankreich) - 636 Abflüge

Die Metropole der Schönen und Reichen an der Cotê d'Azur gehört auch in diesem Jahr zu den beliebtesten Zielen des Jet-Sets im Dezember. Trotzdem sank die Zahl der Privatabflüge um 0,5 Prozent. Charterflüge legten um 6,7 Prozent zu.

Platz 6

Zürich (Schweiz) - 768 Abflüge

In der Schweiz sinkt das Aufkommen der Privatflieger dagegen. Im Jahresvergleich stiegen die privaten Abflugzahlen im Mai um 1,2 Prozent, bei Chartern um 0,6 Prozent.

Platz 5

London-Farnborough (Großbritannien) - 800 Abflüge

Die Privatjets landen wieder häufiger nahe der britischen Hauptstadt. Die Zahl der Abflüge konnte im Mai um 7,6 Prozent zulegen, Charterflüge um 19,2 Prozent.

Platz 4

London-Luton (Großbritannien) - 918 Abflüge

Der Flughafen im Norden von London ist der wichtigste Abflughafen für Privatflieger in England. Im Vergleich zum Vorjahr hoben 0,3 Prozent weniger Privatjets ab. Bei Chartern legten die Flugzahlen dagegen um 13,9 Prozent zu.

Platz 3

Moskau-Wnukowo (Russland) - 1.045 Abflüge

Russlands Neureiche sind international berühmt berüchtigt. Für die Privatflieger gehören sie zu den wichtigsten Kunden, auch wenn die Zahl der Privatabflüge im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent geschrumpft ist. Charter legten leicht um 3,4 Prozent zu.

Platz 2

Genf (Schweiz) - 1.277 Abflüge

Die Steueroase in der Schweiz ist Hauptsitz vieler großer Unternehmen und damit ein interessantes Ziel für gutbetuchte Fluggäste. Die Zahl der Abflüge ging im vergangenen Jahr allerdings um 11,9 Prozent zurück. Charterflieger starteten 8,9 Prozent weniger.

Platz 1

Paris - Le Bourget (Frankreich) - 1.702 Abflüge

Kunst, Mode und savoir vivre - die französische Hauptstadt versprüht viel Charme, und bleibt bei Privatfliegern die beliebteste Destination. Um 6,1 Prozent steige die Zahl der privaten Abflüge im Jahresvergleich. Charterflieger starteten 2,3 Prozent seltener.

„Die Geschäftsluftfahrt schafft es immer besser, ihre Vorzüge zu kommunizieren, statt ihr Luxusimage vor sich herzutragen“, hat Kohler beobachtet. In den USA sind Privatflüge schon ab 900 Dollar pro Flugstunde zu haben, vorher festgelegte Strecken gibt es vereinzelt sogar schon für 500 Dollar. Über die eigene Homepage vermittelt beispielsweise die US-Airline Jetsuite Restplätze in Privatfliegern zu Dumpingpreisen. Und auch in Europa entwickeln sich erste Preisbrecher: Globeair aus der Schweiz konzentriert sich mit preiswerten Angeboten auf die beliebtesten Ziele der Privatpassagiere. Von Mailand nach Nizza fliegt die Airline bereits ab 990 Euro.

Als direkten Linienflug gibt es diese Verbindung überhaupt nicht. Bei Umstieg in Amsterdam ist das günstigste Business-Class-Ticket für 600 Euro zu haben – bei einer üppigen Reisezeit von sieben Stunden.

Auch die Flotten der Privatflieger verändern sich. Für die Kurzstrecke sind mittlerweile ultraleichte Jets wie der Embraer Phanom 100 auf dem Vormarsch. Innerhalb weniger Jahre ist dieses Segment von null auf einen Marktanteil von fünf Prozent gewachsen und legte alleine im vergangenen Jahr um 16 Prozent zu. Auch Langstreckenjets wie der Falcon 7X von Dassault mit einer Reichweite von 11.000 Kilometern werden für Unternehmen immer interessanter, um internationale Geschäfte abzuwickeln.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

28.06.2013, 07:34 Uhr

Das Schöne an so einem Privatjet ist, streikendes Personal interessiert einen nicht. Deshalb kann ich nur jedem Empfehlen es mir gleich zu tun, und sich so ein Ding auch zuzulegen. Damit kommt Mann und Frau überall pünktlich zu seinen Terminen, ohne großen Stress.

Kommunistennazi

28.06.2013, 08:31 Uhr

Wie schon Homer J. Simpson gesagt hat: Linienflüge sind nur für Terroristen und Versager.

Account gelöscht!

28.06.2013, 09:18 Uhr

@schneewittchen: Und weil Sie es geschafft haben, scheinbar sehr erfolgereich (zumindest vermögend) sind, posten Sie zu belanglosen Artikel im HB ... sehr authentisch.

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