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17.12.2016

17:20 Uhr

ADAC

Ein Automobilklub reformiert sich

Jeder vierte Deutsche ist ADAC-Mitglied. Nach den Skandalen startet der größte Verein der Republik im Januar in neuer Aufstellung. Das Echo ist positiv. In Kürze erwartet Präsident Markl eine weitere gute Nachricht.

Der runderneuerte Automobilklub plant einen frischen Start. dpa

ADAC

Der runderneuerte Automobilklub plant einen frischen Start.

MünchenDrei Jahre nach den Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel steht die Reform des ADAC jetzt vor dem Abschluss. Am 1. Januar nehmen die vom Verein getrennte Aktiengesellschaft und die neue Stiftung ihre Arbeit auf. Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller lobt: „Ich sehe den ADAC auf dem richtigen Weg.“ Sogar die Konkurrenz äußert sich wohlwollend: Der ADAC habe sich geöffnet, „wir arbeiten stärker zusammen“, sagt Anja Smetanin, Sprecherin des grünen Verkehrsclubs VCD.

Im laufenden Jahr ist Deutschlands größter Verein auch wieder kräftig gewachsen: 19,6 Millionen Mitglieder zählt er heute - über eine halbe Million mehr als vor der Krise. Der Ruf des ADAC sei fast wiederhergestellt, sagt Club-Präsident August Markl. „Wir sind als Gesprächspartner wieder gefragt.“ Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) berief Markl zusammen mit Forschern, Juristen und einem Bischof in die Ethikkommission für autonomes Fahren.

Der 68-jährige Arzt treibt den Umbau des Vereins seit dem Abgang seines Vorgängers Peter Meyer 2014 entschlossen voran. Natürlich sei es zunächst eine Katastrophe gewesen. Aber „die Reform des Clubs war überfällig. Wir mussten uns modernisieren und haben die Chance genutzt.“

Lange hatte der ADAC Verbraucherschutz, Vereins- und Wirtschaftsinteressen vermischt - deswegen steht der Vereinsstatus samt Steuervorteilen und Ehrenamt auf der Kippe. Aber nun sind die Aufgaben getrennt.

Ab Januar firmieren die ADAC-Versicherungen samt Kreditkartengeschäft, Autovermietung und Verlag als Aktiengesellschaft mit eigenem Vorstand. Im vergangenen Jahr machte der Konzern 1,2 Milliarden Euro Umsatz und 86 Millionen Euro Gewinn. Dieses Jahr ist ähnlich gut gelaufen. Das Versicherungsgeschäft dürfte weiterhin erfolgreich bleiben, sagt Markl.

Chronologie: Der ADAC zu den Vorwürfen

13. Januar 2014

Der VW-Golf ist nach einer ADAC-Umfrage das Lieblingsauto der Deutschen. Die Leser der „ADAC Motorwelt“ wählten den Kompaktwagen zu ihrem Favoriten. Der Golf habe sich in der Abstimmung mit großem Vorsprung gegen andere Autos durchgesetzt. Das Magazin hatte den knapp 19 Millionen Vereinsmitgliedern Fahrzeuge aller Klassen zur Wahl gestellt.

14. Januar 2014

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über Manipulationen bei der Wahl: Demnach soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto gegeben haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als Ergebnis für den Gewinner des „Gelben Engels“ 34.299 Stimmen genannt. Der Autoclub weist den Vorwurf zurück, will aber keine Zahlen nennen.

16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem „Gelben Engel“ in München spricht der Vorsitzende der ADAC-Geschäftsführung Karl Obermair von „Unterstellungen und Unwahrheiten“. Nichts sei älter als die Tageszeitung von gestern: „Mit der packt man den Fisch ein.“ Wie viele Leser sich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilt der Verein aber weiter nicht mit.

18. Januar 2014

Der ADAC will künftig die Auswertung der Umfrage für den „Gelber Engel“-Preis extern vergeben. Das kündigte der Kommunikationschef des Automobil-Clubs und „Motorwelt“-Chefredakteur Michael Ramstetter in der Zeitung „Euro am Sonntag“ an. Zur Frage, wie viele Teilnehmer bei den Abstimmungen mitmachen, wolle der ADAC aber auch in Zukunft keine konkreten Zahlen nennen.

19. Januar 2014

Der ADAC räumt nun die Manipulationen ein. Die Zahl der abgegebenen Stimmen sei in der Preiskategorie Lieblingsauto der Deutschen „geschönt“ worden, teilt der Automobil-Club mit. Ramstetter habe eingeräumt, die Zahl der Stimmen bei diesem Preis manipuliert zu haben. Er übernehme dafür „die alleinige persönliche Verantwortung“ und habe alle Funktionen beim ADAC niedergelegt.

Ein Viertel der Aktien hält die neu gegründete gemeinnützige ADAC-Stiftung, die sich um Luftrettung und Verkehrserziehung kümmert. Drei Viertel hält der Verein, der mit fast einer Milliarde Euro Beitragseinnahmen seine Pannenhilfe, den Mitgliederservice, die Verbraucherschutz- und Lobbyarbeit finanziert.

Das Amtsgericht München prüft den Vereinsstatus noch. Lippenbekenntnisse reichen dem Gericht nicht: Es „hat uns klar signalisiert, dass wir zunächst Reform vollständig abschließen und in den neuen Strukturen operativ arbeiten müssen, bevor es eine Entscheidung gibt“, sagt der Vereinschef. Er hofft auf positive Nachricht in den nächsten Monaten.

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