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09.12.2015

15:17 Uhr

Adidas

Hainer sieht Sport-Ausrüster in Erfolgsspur

Adidas-Chef Herbert Hainer tritt 2017 ab – und der dienstälteste Dax-Chef ist guter Dinge. Die Aufträge seien auf Rekordhoch, die EM 2016 werde das Geschäft zusätzlich ankurbeln. Was Hainer zu möglichen Verkäufen sagt.

„Wenn es Interessenten für die Eishockeysparte gibt, sind wir bereit, darüber zu reden.“ Reuters

Herbert Hainer

„Wenn es Interessenten für die Eishockeysparte gibt, sind wir bereit, darüber zu reden.“

HerzogenaurachHerbert Hainer sieht sich vor dem Ende seiner Karriere als Adidas -Chef wieder auf der Erfolgswelle. „Die Orderbücher sind voll. Ich habe sie noch nie so voll gesehen in meinen 15 Jahren“, sagte er vor Journalisten am Firmensitz in Herzogenaurach. Der 61-Jährige, der den Sportausrüster seit März 2001 führt und damit dienstältester Chef aller Dax-Konzerne ist, will bis Anfang 2017 bleiben.

Er war nach Rückschlägen in Nordamerika und Russland in die Defensive geraten. Doch das brummende Kerngeschäft mit Fußballausrüstungen schiebt die Sorgen zunehmend in den Hintergrund. Steigende Lohn- und Materialkosten in Schwellenländern sowie ungünstige Währungseffekte würden jedoch die Bruttomarge im Jahr 2016 wesentlich beeinträchtigen, räumte der Konzern am Mittwoch ein.

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Die für das erste Halbjahr 2016 vereinbarten Lieferungen an den Handel stimmten ihn äußerst optimistisch, sagte Hainer. Nach einem unerwartet guten Sommerquartal hat er die Wachstumsziele für 2015 erhöht und weiter Zuwächse in Aussicht gestellt. 2016 sollen die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele das Geschäft ankurbeln. „Wir werden mit Sicherheit ein Rekordjahr haben in 2016 im Fußball.“ Er rechne in diesem Bereich mit prozentual zweistelligem Wachstum.

Da der Konzern den größten Teil seiner Produkte aus über 30 Ländern weltweit beziehe, trieben steigende Löhne und höhere Preise für etwa Baumwolle und Nylon die Beschaffungskosten in die Höhe, die bis 2020 deshalb deutlich ansteigen würden, teilte Adidas mit. Zudem könnte sich ein höherer Dollar ungünstig auswirken. Adidas wolle aber den Großteil des Drucks auf die Bruttomarge ausgleichen, etwa durch höhere Preise für Konsumenten, bessere Handelskonditionen oder Wachstum in Märkten mit höheren Margen. Kostensenkungen sollten zudem die operative Marge mindestens stabil halten können, das Betriebsergebnis solle im hohen einstelligen Bereich wachsen.

Adidas war auch wegen hausgemachter Probleme im Rennen mit dem größeren Rivalen Nike zurückgefallen. Der Angriff im Heimatmarkt des US-Konkurrenten scheiterte, zugleich wurde Adidas von Wirtschaftskrise und Rubelverfall in seinem drittwichtigsten Markt Russland überrascht. Auf der Hauptversammlung war der erfolgsverwöhnte Hainer deswegen heftig in die Kritik geraten. Investoren setzten ihn aber nicht unter Druck, sagte Hainer. „Das kann ich ganz klar verneinen.“ In diesem Jahr sind gleich drei prominente Aktionäre bei Adidas eingestiegen: der US-Investor Mason Hawkins mit seinem Fonds Southeastern, der ägyptische Milliardär Nassef Sawiris und der belgische Geschäftsmann Albert Frere. Durch Aktien und Optionen vereinigen sie zusammen deutlich mehr als zehn Prozent der Stimmrechte auf sich.

Die wichtigsten Nationalteams der Sportkonzerne

Adidas – Deutschland

Seit mehr als 60 Jahren schon stürmen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und Adidas gemeinsam übers Feld. Die Liaison begann mit dem „Wunder von Bern“, dem überraschenden Titelgewinn 1954 bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Lange verhandelten der DFB und die Marke mit den drei Streifen über eine Verlängerung des 2018 auslaufenden Ausrüstervertrags – letztlich mit Erfolg.

Autor: jojo

Spanien

Nach Deutschland ist Spanien das wichtigste europäische Nationalteam von Adidas: Das Team gewann die Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie die Weltmeisterschaft 2010. Im Sommer hat Adidas den Vertrag mit den Spaniern bis 2026 verlängert. Die deutsch-iberische Liaison währt nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Russland

Über Jahre hinweg war Russland der Wachstumsmarkt schlechthin für Adidas. Entsprechend wichtig war es, das russische Nationalteam unter Vertrag zu haben. Allerdings läuft das Geschäft in Russland inzwischen nur noch verhalten, Wirtschaftskrise und Sanktionen des Westens halten die Kunden davon ab, neue Turnschuhe zu kaufen. Doch 2018 soll die WM in dem Land stattfinden, daher ist die Mannschaft für Adidas noch immer attraktiv.

Argentinien

Im fußballbegeisterten Südamerika ist der argentinische Verband das Zugpferd für Adidas. Das Team stand zuletzt im WM-Endspiel gegen Deutschland – und verlor. Adidas war das letztlich egal, schließlich gewann ein anderes von der Marke gesponsertes Team: Deutschland.

Nike – Brasilien

Weltweit betrachtet ist Brasilien das wichtigste Team, das für die Marke von der amerikanischen Westküste spielt. Allerdings sind die erfolgsverwöhnten Südamerikaner weit von einer für sie selbst akzeptablen Form entfernt. Bei der Heim-WM 2014 schied die Mannschaft schmachvoll gegen Deutschland aus, bei der Copa América diesen Sommer schafften es die Brasilianer ebenfalls nicht ins Finale.

England

Die letzten großen Erfolge des englischen Nationalteams liegen mehr als vier Jahrzehnte zurück. Trotzdem ist die Mannschaft für Nike wichtig, weil die fußballverrückten Engländer sich gerne mit neuen Trikots einkleiden.

Frankreich

Das Land richtet die EM 2016 aus und ist damit der Hoffnungsträger von Nike für das kommende Jahr. Bei den letzten großen Turnieren allerdings hat die Equipe Tricolore nicht besonders glorreich gespielt. Vergangenes Jahr schieden Les Bleus bei der WM im Viertelfinale gegen Deutschland aus.

Niederlande

Der Totalausfall im Portfolio von Weltmarktführer Nike. Die Niederländer haben es verpasst, sich für die EM kommendes Jahr in Frankreich zu qualifizieren.

Puma – Italien

Die Tifosi sind das Aushängeschild von Puma und das einzige europäische Team der Marke, das international ganz vorne mitspielt. Allerdings liegt der letzte Titelgewinn nun schon fast zehn Jahre zurück: 2006 gewannen die Italiener die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Österreich

Österreich hat sich überzeugend für die EM 2016 qualifiziert. Das macht Puma Hoffnung, dass es sich doch noch lohnt, das zuvor über Jahre erfolglose Team auszustatten.

Schweiz

Die Eidgenossen spielen seit Jahren bei Europa- und Weltmeisterschaften mit und machen Puma deshalb viel Freude. Zu einem Titelgewinn allerdings hat es bislang noch nicht gereicht.

Elfenbeinküste

Puma sponsert seit Jahren zahlreiche afrikanische Teams – und feiert mit ihnen immer wieder große Erfolge. 2015 war der Puma-Partner Elfenbeinküste beim Afrika-Cup siegreich, dem afrikanischen Pendant zur Europameisterschaft.

Mit Vertretern von Hawkins und Frere habe Adidas bereits gesprochen, mit Sawiris sei dies geplant, sagte Hainer. Er ließ durchblicken, dass die Geschäfte mit Golf- und Eishockeyausrüstungen sowie die Fitnessmarke Reebok in Gesprächen mit Investoren nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen. „Was denen unisono gefällt, ist die Marke Adidas.“ Das Golfgeschäft werde von einigen infrage gestellt. Über dessen Zukunft will Hainer Anfang 2016 entscheiden. Für die Eishockeysparte gebe es zwar keinen Verkaufsprozess, jedoch gelte: „Wenn es Interessenten gibt, sind wir bereit, darüber zu reden.“ Eine Trennung von Reebok lehnt Hainer dagegen strikt ab.

Hainer machte deutlich, dass er nicht vorzeitig abtreten wolle. „Natürlich bleibe ich da bis zum Ende meines Vertrages.“ Die im Februar begonnene Suche nach einem Nachfolger dauere extern an, auch interne Kandidaten gebe es. „Und dann wird man sehen, wie schnell derjenige kommen kann.“ Als Anwärter gelten Markenvorstand Eric Liedtke und Vertriebsvorstand Roland Auschel, die zusammen mit Hainer die Strategie bis 2020 ausgearbeitet haben. Zudem gab es wiederholt Spekulationen, Henkel -Chef Kasper Rorsted könnte in den Ring steigen. Hainer nannte keine Namen.

Von

rtr

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