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31.07.2014

11:34 Uhr

Adidas kassiert Gewinnziel

Weltmeister-Ausrüster, na und?

VonLisa Hegemann

In Deutschland reißen die Kunden Adidas das neue Weltmeister-Trikot aus den Regalen. Doch auf anderen Märkten spitzen sich die Probleme zu, vor allem in Russland – nicht erst seit der Krim-Krise. Die Aktie stürzt ab.

Gespräch zu Adidas-Zahlen

„Das Ausmaß ist erschreckend“

Gespräch zu Adidas-Zahlen: „Das Ausmaß ist erschreckend“

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München/DüsseldorfNur wenige Tage, nachdem die Europäische Union weitere Sanktionen gegen Russland beschlossen hat, senkt Adidas seine Gewinnprognose – auch wegen des Russlandgeschäfts. Die Herzogenauracher verkündeten am Donnerstag überraschend, ihre hochgesteckten Ziele für das laufende Jahr nicht zu erreichen. Der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn soll statt 830 bis 930 Millionen Euro nur noch 650 Millionen Euro betragen – das wären bis zu 30 Prozent weniger. Die Aktie brach nach der Mitteilung zeitweise um fast 16 Prozent ein.

Auch der Umsatz, der im hohen einstelligen Prozentsatz wachsen sollte, wird nun voraussichtlich nicht so stark steigen. Als Grund dafür nennt Adidas das schlechte Geschäft mit Golf-Mode und -Ausrüstung und Währungsprobleme in Russland. Mit dem Kursverfall in mehreren Ländern kämpfen auch die Rivalen Nike und Puma.

Doch „die jüngsten Entwicklungen des russischen Rubels“, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt, sind nicht der einzige Grund für die plötzliche Korrektur der Ziele. Die Probleme des Sportkonzerns hängen nicht nur mit der Krim-Krise zusammen, sondern sie sind auch hausgemacht.

Größte Sportartikelhersteller der Welt (Umsatz 2014)

9. Platz: Billabong (Australien)

0,8 Milliarden Euro

8. Platz: Columbia Sportswear (USA)

1,9 Milliarden Euro

7. Platz: Asics (Japan)

2,33 Milliarden Euro

6. Platz: Under Armour (USA)

2,79 Milliarden Euro

5. Platz: Puma (Deutschland)

2,97 Milliarden Euro

4. Platz: New Balance (USA)

2,98 Milliarden Euro

3. Platz: VF Corp. (USA)

11,12 Milliarden Euro

2. Platz: Adidas (Deutschland)

14,53 Milliarden Euro

1. Platz: Nike (USA)

25,14 Milliarden Euro

Quelle

Denn der Sportkonzern hat nicht das erste Mal Probleme in Russland. Bereits 2013 musste Adidas seine Gewinnprognose kassieren – ebenfalls wegen Problemen in Putins Riesenreich. Damals nannten die Herzogenauracher neben den Währungskursen auch Vertriebsprobleme als Grund. Und die hatten nichts mit dem aktuellen Konflikt zu tun.

Für Adidas ist die Entwicklung auf dem russischen Markt eine Katastrophe – nicht nur mit Blick auf die langfristigen Ziele des Konzerns. Denn die korrigierte Gewinnprognose stellt nicht nur das Ergebnis für das laufende Jahr in Frage, sondern auch den Fünf-Jahres-Plan, die sogenannte „Route 2015“. Diese Ziele seien nun nicht mehr zu erreichen, räumte der Konzern am Donnerstag ein.

Ein Problem sind diese Aussichten auch hinsichtlich der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft, die 2018 in Russland stattfinden wird. Eigentlich wollte der Konzern dort 2014 und 2015 etliche Geschäfte eröffnen. Die Zahl der neuen Filialen fällt nun deutlich kleiner aus, wie es von Seiten des Konzerns heißt. Zudem sollen noch mehr Alt-Geschäfte geschlossen werden als bisher geplant. Adidas will damit nach eigenen Angaben Risiken reduzieren.

Doch das Ganze sieht eher nach einer gescheiterten Strategie als nach Währungsproblemen aus: Eigentlich wollte Adidas in diesem Jahr wieder Punkte im Zweikampf mit US-Konkurrent Nike sammeln. Doch Russland dürfte nun zum Minuspunkt werden.

Kommentare (1)

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Herr Tom Bauer

31.07.2014, 10:40 Uhr

Das Managergebabbel geht einem nur noch auf den Zeiger.
"----Neuausrichtung.. strategischer Fünfjahresplan...wir bereinigen die Märkte (!!!)..."

Großmannssucht mit Allmächtigkeitsphantasien gepaart. Und das wird von den geneigten Zuhöreren (Presse wie Aktionären) nicht in Frage gestellt sondern brav zitiert!
Und wegen der Ukrainekrise 200 Mio weniger Gewinn, trotz WM und Winterolymppia!

So wird das nix!
INteressant, wie lange man sich mit offensichtlichen Ausreden und Ignorieren von eigenen UNfähigkeiten durchmogeln kann!
Aber das ist der Zeitgeist... in der Politik wie in der UNternehmenskultur.

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