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28.07.2016

09:45 Uhr

Adidas

Rekordzahlen zum Abschied

VonJoachim Hofer

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit dreht Adidas-Chef Herbert Hainer noch einmal so richtig auf. Der Konzernlenker erhöht die Jahresprognose und gibt dem Aktienkurs damit einen kräftigen Schub.

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MünchenNur noch zwei Monate, dann ist endgültig Schluss: Ende September tritt Adidas-Chef Herbert Hainer ab. Nach mehr als 15 Jahren an der Spitze des größten europäischen Turnschuh-Herstellers. Ehe er geht, lässt es der Manager noch einmal so richtig krachen: Am Donnerstagmorgen hat der 62-Jährige überraschend positive Quartalszahlen vorgelegt. Mehr noch: Hainer hat die Jahresprognose nach oben geschraubt.

So legte der Umsatz im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zu. Der Überschuss verdoppelte sich im fortgeführten Geschäft auf 291 Millionen Euro. Dabei profitiert Adidas von einem vorzeitig beendeten Sponsoring-Vertrag mit dem englischen Fußballklub Chelsea. Die Abmachung erhöhe den Gewinn um einen mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag, teilte der Konzern mit.

Für das laufende Jahr verspricht Hainer nun einen währungsbereinigten Umsatzanstieg um bis zu 19 Prozent statt 15 Prozent wie bisher. Der Gewinn soll sogar um bis zu 39 Prozent auf rund eine Milliarde Euro zulegen. Bisher hatte Hainer ein Plus von 25 Prozent in Aussicht gestellt. Es ist bereits das zweite Mal, dass der Unternehmenslenker dieses Jahr seine Prognose erhöht.

Das sind die Baustellen bei Adidas

Der US-Markt

Adidas ist unter Herbert Hainer weit hinter Weltmarktführer Nike zurückgefallen. Der US-Konzern ist vor allem auf seinem Heimatmarkt übermächtig; bislang hat Adidas keinen Weg gefunden, die Herzen der amerikanischen Konsumenten für sich zu gewinnen. Doch der amerikanische Sportmarkt ist der größte der Welt, dort entscheidet sich, wer in der Branche die Trends setzt.

Reebok

Adidas hatte die Marke Reebok von der amerikanischen Ostküste 2006 geschluckt. Bis heute aber ist das Label nicht so profitabel wie die Kernmarke Adidas. Reebok wächst zwar inzwischen wieder, aber längst nicht so dynamisch wie aufstrebende Wettbewerber wie Under Armour. Es fragt sich also, ob der neue Chef Kasper Rorsted Reebok weiter Zeit gibt, um zu gesunden. Oder ob er einen Schnitt macht, wie ihn sein Vorgänger Hainer immer vehement abgelehnt hat.

Taylor-Made

Kasper Rorsted muss eine Lösung für die in Kalifornien angesiedelte, angeschlagene Golfmarke Taylor-Made finden. Einen Verkauf hat bereits Hainer ins Gespräch gebracht, unter Rorsted könnte er umgesetzt werden.

Die Fifa

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Adidas ein enger Partner des skandalgeschüttelten Weltfußballverbands. Rorsted muss entscheiden, ob ihm die Reformbemühungen der Fifa ausreichen, oder ob er den bis 2030 laufenden Vertrag angesichts der vielen Affären vorzeitig beendet.

Rückstand auf Nike

Adidas wird Nike wohl niemals einholen, zumindest nicht aus eigener Kraft. Nike-Chef Mark Parker will den Umsatz bis 2020 um fast zwei Drittel auf 50 Milliarden Dollar (umgerechnet 46 Milliarden Euro) in die Höhe zu schrauben. Zum Vergleich: Adidas hat sich vergangenes Jahr zum Ziel gesetzt, im selben Zeitraum auf 22 Milliarden Euro zu kommen. Um sein Versprechen zu erfüllen, muss Parker jedes Jahr ein Umsatzplus von gut zehn Prozent einfahren. Das ist realistisch: In den vergangenen beiden Jahren hat Nike dies jedenfalls geschafft.

Hainers Botschaft ist eindeutig: Seht her, ich hinterlasse ein glänzend bestelltes Haus! „Wir freuen uns sehr, dass unsere Marken so hervorragend bei den Konsumenten ankommen“, sagte Hainer am Donnerstag. Anfang Oktober übernimmt der bisherige Henkel-Chef Kasper Rorsted die Verantwortung. Der Däne verstärkt den Vorstand bereits vom kommenden Montag an und hat dann zwei Monate Zeit, sich einzuarbeiten.

Details zu den Quartalszahlen will Hainer erst in der kommenden Woche nennen. Doch schon in den vergangenen Quartalen war es vor allem der sportliche Lifestyle, mit dem Adidas zusätzliche Kunden gelockt hat. Das zeigt, dass die Designer der Marke mit den drei Streifen ein gutes Gespür für die aktuellen Trends haben. Außerdem dürfte Adidas von Mai bis Ende Juni von der Fußball-EM in Frankreich profitiert haben.

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