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01.02.2016

13:22 Uhr

Adiletten von Adidas

Kult-Badelatschen sorgen für Streit

VonJoachim Hofer

Die Kult-Badelatschen Adiletten soll es künftig nicht mehr in Sportgeschäften geben. Adidas wiegelt ab, doch die Fachhändler sind empört. Sie fürchten, dass Adidas noch mehr Produkte auf den Index setzen könnte.

Die Adidas-Badelatschen soll es bald nicht mehr im Sportgeschäft geben. Adidas

Adilette

Die Adidas-Badelatschen soll es bald nicht mehr im Sportgeschäft geben.

MünchenAdolf Dassler hatte stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Athleten. So hörte der Franke genau hin, als ihn 1963 mehrere Sportler um Schuhe baten, die sie auch in den Umkleiden und Duschen tragen könnten.

Der sportbegeisterte Schuster machte sich ans Werk. Zunächst vergeblich, die Produktionstechnik war noch nicht so weit, um Kunststoff als Sohle zu spritzen. Doch Dassler gab nicht auf. Als die Maschinen Ende der 60er-Jahre entwickelt waren, brachte er die „Adiletten“ in die Läden – jene Plastiklatschen, die zwar weltweit kopiert werden, mit denen der Sportkonzern Adidas aber noch heute Millionen verdient.

Das sind die Baustellen bei Adidas

Der US-Markt

Adidas ist unter Herbert Hainer weit hinter Weltmarktführer Nike zurückgefallen. Der US-Konzern ist vor allem auf seinem Heimatmarkt übermächtig; bislang hat Adidas keinen Weg gefunden, die Herzen der amerikanischen Konsumenten für sich zu gewinnen. Doch der amerikanische Sportmarkt ist der größte der Welt, dort entscheidet sich, wer in der Branche die Trends setzt.

Reebok

Adidas hatte die Marke Reebok von der amerikanischen Ostküste 2006 geschluckt. Bis heute aber ist das Label nicht so profitabel wie die Kernmarke Adidas. Reebok wächst zwar inzwischen wieder, aber längst nicht so dynamisch wie aufstrebende Wettbewerber wie Under Armour. Es fragt sich also, ob der neue Chef Kasper Rorsted Reebok weiter Zeit gibt, um zu gesunden. Oder ob er einen Schnitt macht, wie ihn sein Vorgänger Hainer immer vehement abgelehnt hat.

Taylor-Made

Kasper Rorsted muss eine Lösung für die in Kalifornien angesiedelte, angeschlagene Golfmarke Taylor-Made finden. Einen Verkauf hat bereits Hainer ins Gespräch gebracht, unter Rorsted könnte er umgesetzt werden.

Die Fifa

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Adidas ein enger Partner des skandalgeschüttelten Weltfußballverbands. Rorsted muss entscheiden, ob ihm die Reformbemühungen der Fifa ausreichen, oder ob er den bis 2030 laufenden Vertrag angesichts der vielen Affären vorzeitig beendet.

Rückstand auf Nike

Adidas wird Nike wohl niemals einholen, zumindest nicht aus eigener Kraft. Nike-Chef Mark Parker will den Umsatz bis 2020 um fast zwei Drittel auf 50 Milliarden Dollar (umgerechnet 46 Milliarden Euro) in die Höhe zu schrauben. Zum Vergleich: Adidas hat sich vergangenes Jahr zum Ziel gesetzt, im selben Zeitraum auf 22 Milliarden Euro zu kommen. Um sein Versprechen zu erfüllen, muss Parker jedes Jahr ein Umsatzplus von gut zehn Prozent einfahren. Das ist realistisch: In den vergangenen beiden Jahren hat Nike dies jedenfalls geschafft.

Nicht nur aus Sicht von Adidas sind die Badeschlappen längst Kult. Daher war es nur folgerichtig, sie der Sportmodelinie „Originals“ zuzuschlagen. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Nicht für Adidas allerdings, sondern für die Sporthändler. Die bekommen die Adiletten künftig nicht mehr geliefert. Der Hersteller will sie lieber in Boutiquen und Modehäusern vertreiben.

Das empört die Inhaber der Sportfachgeschäfte. Mehr als 300.000 Adiletten verkaufen die Händler des Einkaufsverbunds Sport 2000 jedes Jahr, erklärt Geschäftsführer Hans-Hermann Deters. Dass die Geschäfte darauf nun verzichten müssten, sei schlimm genug. „Viel bedrohlicher aber ist die Dimension dahinter“, glaubt der Manager.

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Er befürchtet, dass immer mehr Kunden im Internet einkaufen, wenn sie die gewünschte Ware nicht in den Läden bekommen. Zudem sei zu erwarten, dass Adidas noch viel mehr Produkte auf den Index setze und der Fachhandel somit ausblute.

Die Sportfirma kann die Empörung nicht verstehen. Die Händler seien schon vor zwei Jahren darüber informiert worden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Zudem sei es ganz normal, die einzelnen Produkte zu segmentieren: „So wollen wir die Marke begehrlich und attraktiv machen.“ Und: Die Original-Adiletten gebe es zwar nicht mehr im Sportfachhandel, dafür aber andere Varianten, die für Athleten viele Vorteile böten.

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