Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2017

08:01 Uhr

Ägypten

Uber-Boom bringt Frauen ans Steuer

Taxis fahren in Ägypten die Männer. Eigentlich. Doch der im ganzen Nahen Osten rasant wachsende Fahrdienst-Vermittler Uber sorgt für Veränderung im Straßenbild: Die ersten Fahrerinnen sind im Einsatz.

Das Verkehrsunternehmen Uber gibt es seit 2014 in Ägypten. Inzwischen sind auch einige hundert Frauen als Fahrerinnen bei dem Dienst angemeldet dpa

Uber-Fahrerin Rehab Mahran

Das Verkehrsunternehmen Uber gibt es seit 2014 in Ägypten. Inzwischen sind auch einige hundert Frauen als Fahrerinnen bei dem Dienst angemeldet

KairoRehab Mahran ist Teil einer ägyptischen Revolution und muss dafür einiges einstecken. Männer reagieren auf sie erst einmal ungläubig, manchmal ablehnend. Manche haben Angst. Einer warf ihr sogar Sünde vor. Warum der Aufruhr? Weil Mahran Auto fährt. Besser gesagt: Uber. Sie ist eine der ersten Fahrerinnen des Internet-Fahrdienstes in Ägypten.

An den Steuern ägyptischer Taxis oder Limousinen sitzen Männer. Das war immer so und wird auch immer so bleiben. Dachten die Männer jedenfalls. Die Gesellschaft am Nil ist konservativ und von patriarchalischen Vorurteilen und Gepflogenheiten geprägt. Eine davon ist die Männerdomäne hinter dem Lenkrad. „Und ich habe mich entschieden, diese Grenzen zu übertreten“, sagt Mahran und lässt beim Lachen ihren Goldschmuck hin- und herbaumeln.

Fahrdienst-Vermittler: Uber-Streit wird zum Fall für den EuGH

Fahrdienst-Vermittler

Uber-Streit wird zum Fall für den EuGH

Der umstrittene Fahrdienstvermittler Uber löst Unruhe bei Taxifahrern aus. Sie sehen ihr Geschäft bedroht. In Deutschland genießt das Gewerbe besonderen Schutz – der Europäische Gerichtshof soll nun klären, ob zu Recht.

Mahrans Geschichte ist auch die des Fahrdienstes Uber, der im Nahen Osten gerade einen Boom erlebt. Die App aus dem Silicon Valley, über die in Deutschland in den vergangenen Jahren so viel gestritten wurde, ist in Ägypten auf immer mehr Smartphones installiert. Benutzer können damit Autos via GPS dorthin rufen, wo sie gerade sind und sich zu einer ebenfalls eingegebenen Adresse fahren lassen.

Seit Uber im Herbst 2014 auch in dem bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt an den Start ging, haben sich dort schon etwa 50.000 Fahrer angemeldet. Darunter sind nun auch einige Hundert Frauen. Für den jugendlichen Chef von Uber Ägypten, Abdellatif Waked, geht es bei der Zulassung von weiblichen Fahrern um eine Chancengleichheit in der Gesellschaft. „Frauenförderung ist eines unserer Hauptanliegen“, sagt der 29-Jährige. Dabei gab es schon vorher Projekte mit Frauen hinterm Lenkrad: Das „Pink Taxi“ nur für Frauen, über das 2015 berichtet wurde, beschäftigte aber nur vergleichsweise wenige Fahrerinnen.

Für das Riesen-Unternehmen Uber ist Ägypten einer der am schnellsten wachsenden Märkte auf der Welt. Das weckt Begehrlichkeiten, die an den Streit um Uber in Deutschland erinnern: Die Taxifahrer-Gewerkschaft will den Dienst sowie seinen Konkurrenten Careem gerichtlich verbieten lassen. Der Prozess läuft momentan vor einem Verwaltungsgericht in Kairo.

Uber-Chef Waked sitzt in einem Konferenzraum der Büros seiner Firma in Kairo und lächelt die Widerstände weg. „Es wird alles gut werden“, sagt er. Uber sei eine umwälzende Technologie, die Realitäten verändere. Dies werde auch in Ägypten trotz aller Gegenwehr weitergehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×