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05.11.2013

19:11 Uhr

Aer-Lingus-Chef Müller

„Ryanair ist unser anarchistischster Investor“

ExklusivBilligflieger Ryanair ist größter Anteilseigner beim Konkurrenten Aer Lingus, soll seine Beteiligung aber reduzieren. Ryanair-Chef Michael O'Leary sieht das nicht ein. Aer-Lingus-Chef Müller vermutet persönliche Gründe.

Der deutsche Aer-Lingus-Chef Christoph Müller: „Ryanair agiert in dieser Frage nicht rational“. picture alliance / empics

Der deutsche Aer-Lingus-Chef Christoph Müller: „Ryanair agiert in dieser Frage nicht rational“.

Düsseldorf/LondonDie irische Fluggesellschaft Aer Lingus macht mobil gegen ihren ungeliebten Großaktionär und Rivalen Ryanair. „Jeder rationale Player würde natürlich nach dem Votum der britischen Kartellwächter versuchen, seine Beteiligung so schnell und so teuer wie möglich zu verkaufen“, sagte Aer-Lingus-Chef Christoph Müller dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). „Aber Ryanair agiert in dieser Frage nicht rational. Es scheint eine persönliche Frage zu sein.“

Ryanair ist nicht nur größter Anteilseigner von Aer Lingus, sondern „auch unser anarchistischster Investor“, sagte Müller. Der deutsche Vorstandschef der irischen Fluggesellschaft geht davon aus, dass der Ausstieg von Ryanair „sich noch ein bis zwei Jahre hinziehen wird, je nachdem, was die Rechtsanwälte sich noch einfallen lassen“.

Die britische Kartellbehörde hatte Ende August die ebenfalls irische Fluggesellschaft Ryanair zum Verkauf wesentlicher Anteile an Aer Lingus aufgefordert. Ryanair müsse seinen Anteil von derzeit 29,82 Prozent auf fünf Prozent reduzieren, befanden die Wettbewerbshüter. Als Begründung dafür führten sie an, der Wettbewerb auf den Strecken von Irland nach Großbritannien beeinträchtigt sei. Doch Ryanair-Chef Michael O'Leary nannte die Entscheidung „bizarr“ und legte Berufung ein.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Ryanair hatte im Jahr 2006 knapp 30 Prozent an Aer Lingus übernommen und jahrelang versucht, den Konkurrenten ganz zu übernehmen. Dreimal scheiterte die Billigfluglinie damit, zuletzt im Februar, als die EU-Kommission ihr Veto einlegte.

Müller, der zuvor für die Deutsche Lufthansa, Deutsche Post und Tui arbeite, würde den ungeliebten Großinvestor lieber heute als morgen loswerden. „Wir würden gerne einfach eine ganz normale Airline werden“, sagte er.

Aer Lingus hatte am Dienstag mitgeteilt, dass es im Gegensatz zum Rivalen Ryanair an seiner Gewinnprognose festhält. In diesem Jahr werde weiterhin ein operatives Ergebnis von rund 60 Millionen Euro erwartet.

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