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12.02.2013

16:09 Uhr

Aer-Lingus-Übernahme

Ryanair legt sich mit der EU an

VonTobias Döring

Attacke statt Diplomatie: Ryanair hat eine Genehmigung für die Übernahme von Aer Lingus offenbar abgeschrieben. Deshalb greift der irische Billigflieger die EU-Wettbewerbshüter an – und droht mit einer Klage.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der Billigflieger will notfalls vor Gericht gegen ein Übernahmeverbot vorgehen. AFP

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Der Billigflieger will notfalls vor Gericht gegen ein Übernahmeverbot vorgehen.

Düsseldorf/DublinDem irischen Billigflieger Ryanair scheint die angepeilte Übernahme des Konkurrenten Aer Lingus nicht zu gelingen. Die EU-Kommission habe angekündigt, eine Fusion der Fluggesellschaften nicht zu genehmigen, teilte Ryanair am Dienstag in Dublin mit. Daher schaltet die Airline um auf Attacke – und das nicht mehr nur gegen den Übernahmekandidaten Aer Lingus, sondern auch gegen die EU-Wettbewerbshüter.

Die Entscheidung, die Übernahme nicht zu genehmigen, sei eine politische, teilte Ryanair mit. Mit den Wettbewerbsgesetzen habe der Vorgang nichts zu tun, schießt Europas größter Billigflieger gegen die EU-Kommission. Ryanair-Chef Michael O'Leary gibt sich kampfeslustig: Die Fluggesellschaft kündigte im gleichen Atemzug an, gegen ein Verbot der Fusion vor Gericht vorzugehen.

Vor einer Woche noch setzte Ryanair auf Diplomatie statt Angriff. Da wurde bekannt, dass die Iren freiwillig auf Marktanteile auf der grünen Insel verzichten wollen. Dafür hatte sich die Airline eine ganz besondere Lösung ausgedacht: Im Falle einer Genehmigung der Aer-Lingus-Übernahme sollte eine neue Fluggesellschaft gegründet werden. Diese sollte von Ryanair mit neun Flugzeugen und 100 Millionen Euro ausgestattet werden, um damit 43 Routen für mindestens drei Jahre zu fliegen.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Der Clou des Plans: Die neue Gesellschaft wollte Ryanair schließlich an die Airline Flybe aus Großbritannien für den symbolische Preis von einer Million Euro abgeben, um für einen Konkurrenten im Flugverkehr von und nach Irland zu sorgen. Denn die fehlende Konkurrenz auf der grünen Insel ist der Hauptgrund dafür, dass die EU-Kommission die Übernahmepläne kritisch beäugt. Die irische Nationalairline Aer Lingus ist der einzige ernstzunehmende Ryanair-Konkurrent in Irland.

Doch „Flybe Irland“ scheint bei den europäischen Wettbewerbshütern auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Offiziell hat die EU-Kommission Ryanair eine Frist zur Prüfung des Vorhabens bis zum 6. März eingeräumt.

Aer Lingus selbst wehrt sich seit Bekanntwerden der Fusionspläne im Juni 2012 gegen eine Übernahme durch Ryanair. Der deutsche Aer-Lingus-Chef Christoph Müller reagierte vor einer Woche gereizt auf die Idee, „Flybe Irland“ ins Leben zu rufen. Die Pläne seien unseriös und „schlicht ein Scherz“, sagte Müller laut der Nachrichtenagentur Reuters dem irischen Fernsehsender RTE.

Ryanair will Aer Lingus für knapp 700 Millionen Euro schlucken. Zweimal war Martin O'Leary mit den Übernahmeplänen bereits gescheitert: Im Jahr 2007 untersagten die EU-Wettbewerbshüter den Kauf, 2009 gab der Billigflieger nach hartem Widerstand des heimischen Konkurrenten den zweiten Versuch selbst auf.

Auch beim dritten Anlauf will Aer Lingus auf keinen Fall klein beigeben. Das eine schwache, annähernd ruinierte Fluggesellschaft eine wesentlich stärkere wie Aer Lingus übernehme, werde nicht funktionieren, sagte Müller. Das gestiegene Selbstvertrauen hat seinen Grund: Laut den vorläufigen Geschäftszahlen ist das operative Ergebnis 2012 um rund 40 Prozent auf 69 Millionen Euro gestiegen.

Kommentare (2)

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helmi

12.02.2013, 19:58 Uhr

verstehe nicht wie überhaupt noch jemand mit denen fliegen kann ????????????

Account gelöscht!

12.02.2013, 21:05 Uhr

Aha. Eine Klage gegen die tolle EU sind jetzt also schon "Krawalle". Schönes, neues Europa...

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