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11.03.2012

11:31 Uhr

Affäre Wulff

Bahn will Politik nicht mehr sponsern

Als Konsequenz aus der Affäre um den früheren Bundespräsidenten und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff will die Deutsche Bahn keine politischen Veranstaltungen oder Events in Verbindung mit Politikern mehr finanziell unterstützen.

Bahnchef Rüdiger Grube: „Wir beteiligen uns an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship nicht mehr“. dapd

Bahnchef Rüdiger Grube: „Wir beteiligen uns an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship nicht mehr“.

BerlinBahn-Chef Rüdiger Grube sagte der „Leipziger Volkszeitung“, es gebe einen Beschluss der Konzernführung, politischen Veranstaltungen nicht mehr finanziell zu unterstützen. „Wir beteiligen uns an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship nicht mehr.“ Das ergebe sich aus der Wulff-Affäre „als Konsequenz, ja, eindeutig“, sagte Grube einem Vorabbericht zufolge.

Großveranstaltungen von Parteien wie Kongresse oder Parteitage werden bislang ebenso von Unternehmen gesponsert wie etwa Feste von Landesregierungen und Fraktionen.

Wulff war unter anderem wegen einer zunächst bestrittenen Beteiligung des Landes Niedersachsen an der Prominentenfeier „Nord-Süd-Dialog“ vom Frühjahr 2010 in die Kritik geraten. Die Staatskanzlei des damaligen niedersächsischen Regierungschefs Wulff hatte eine finanzielle und organisatorische Hilfe Niedersachsens an dem vom Party-Veranstalter Manfred Schmidt veranstalteten Treffen abgestritten. Vor wenigen Wochen wurde aber bekannt, dass das Land im Dezember 2009 Kosten für Servicekräfte und Gastgeschenke übernommen hatte. Außerdem war Wulffs damaliger Regierungssprecher Olaf Glaeseker in die Vorbereitungen eingebunden. Gegen Glaeseker und Schmidt ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung. Glaeseker soll als Gegenleistung für seine Unterstützung mehrere Gratisurlaube in Anwesen Schmidts verbracht haben.

Wulff war im Februar zurückgetreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme gegen ihn aufgenommen hatte. Er hatte zuvor wochenlang wegen eines umstrittenen Privatkredits und Gratisurlauben mit reichen Freunden unter Druck gestanden.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Charly

11.03.2012, 12:02 Uhr

"Großveranstaltungen von Parteien wie Kongresse oder Parteitage werden bislang ebenso von Unternehmen gesponsert wie etwa Feste von Landesregierungen und Fraktionen."

"gesponsert", aha !!

Angel

11.03.2012, 14:11 Uhr

Gleiches Recht für alle. Die Bahn stellt auch die BahnCard Vergünstigungen für Journalisten ein.

Liebe Leute, Deutschland ist ein Volk der Schnäppchenjäger durch alle Bereiche. Insofern hatte es den Bundespräsident der zu ihm passte. Verschieben wir jetzt die Meßlatte und kriminalisieren den Normalmensch, könne wir bald soviele kontrollieren, daß wir für die wirklichen politischen Verbrecher die über CrossBorder Leasing unsere ganze Infrastruktur verhökert haben überhaupt keine Zeit mehr haben.

bolle

11.03.2012, 15:06 Uhr

Wenn man befürchten muß, daß das eigene Ansehen in der Bevölkerung Schaden nimmt, sobald man sich mit Politikern und Parteien einläßt, dann finde ich diese Entscheidung folgerichtig. Wenn die Bürger annehmen, daß in politischen Parteien sich ihre Feinde organisieren und nicht ihresgleichen als Vertreter berechtigter gesellschaftlicher Interessen, dann kann ich verstehen, wenn man von einer Förderung des demokratischen Lebens in diesem Lande Abstand nimmt. Der Antrieb zum bürgerlichen Engagement setzt eine gewisse Identifikation voraus mit dem, was man unterstützen will. Die jetzigen Formen der Vermittlung von Staat und Gesellschaft gehören anscheinend nicht mehr dazu. Überlassen wir also alles den Beamten, ihrer "unpersönlichen Sachlichkeit", ihrem "interesselosen Wohlgefallen" und ihrer "leidenschaftslosen Unbestechlichkeit". Die Bevölkerung wird dankbar sein.

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