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13.02.2017

20:00 Uhr

Agrar-Industrie

Trump macht Südamerikas Farmern Freude

VonAlexander Busch

Donald Trump will die Handelsschranken hochziehen. Von seiner Abschottungspolitik könnte die Agrarindustrie in Südamerika profitieren. Wird Trump für die Farmer aus Brasilien, Argentinien und Co. zum Sechser im Lotto?

Die brasilianischen Landwirte hoffen darauf, bald stärker in Länder wie Mexiko exportieren zu können. imago/Fotoarena

Soja-Ernte in Parana

Die brasilianischen Landwirte hoffen darauf, bald stärker in Länder wie Mexiko exportieren zu können.

SalvadorOb Strafsteuern für Autobauer oder die Mauer an der Grenze: US-Präsident Donald Trump brüskiert Mexiko permanent. Doch das Land ist auch ein wichtiger Abnehmer für die US-Landwirte. Dank Trumps protektionistischer Politik wittern Südamerikas Farmer jetzt eine historische Chance für neuen Zugang zu Märkten, die ihnen bisher verschlossen waren.

Bereits nächste Woche wird der mexikanische Agrarminister José Eduardo Calzada Rovirosa nach Brasilien reisen, um dort über eine Marktöffnung für landwirtschaftliche Produkte zu verhandeln. Bisher exportiert Brasilien lediglich Geflügel nach Mexiko. Nun könnten Schweine- oder Rindfleisch, Soja oder Mais folgen.

Trump und der Freihandel: Kurswechsel in der US-Wirtschaftspolitik?

Kurswechsel in der US-Wirtschaftspolitik?

Dem US-Präsidenten ist das saftige Außenhandelsdefizit mit Mexiko ein Dorn im Auge. Mit einer Steuer auf Importe will er das Verhältnis gerade rücken. Schöner Nebeneffekt: So könnte er seine Grenzmauer bezahlen. Experten warnen indes vor dem neuen Protektionismus.

Washington/Mexiko-Stadt (dpa) - US-Präsident Donald Trump will die Mexikaner zur Kasse bitten. Einnahmen aus neuen Importzöllen von 20 Prozent könnten den Bau der „großen, schönen Mauer“ an der gemeinsamen Grenze finanzieren. Damit löst der Republikaner eines seiner zentralen Wahlversprechen ein. Gleichzeitig sorgt er für Empörung - in Mexiko und auch in der deutschen Wirtschaft.

Was plant Trump?

Er erwägt, auf Importe aus Mexiko eine Sondersteuer von 20 Prozent zu erheben. Dadurch sollen mehrere Milliarden US-Dollar zusammenkommen, die auch für den Bau einer Grenzmauer vorgesehen sind. Letztlich könnte die neue Importgebühr zudem Einfuhren aus anderen Ländern treffen, wie Sean Spicer, der Sprecher des Weißen Hauses, andeutete: „Wir wollen Steuern auf Importe aus Ländern erheben, mit denen wir ein Außenhandelsdefizit haben.“ Das zielt auch auf Deutschland: Mit der Bundesrepublik hatten die USA 2015 das zweithöchste Defizit - also deutlich mehr Einfuhren als Ausfuhren. Es belief sich auf 74,2 Milliarden US-Dollar. Nur mit China ist es noch - merklich - höher.

Ist das mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO vereinbar?

Die USA sind seit der Gründung der WTO 1995 Mitglied. Das Meistbegünstigungsprinzip ist deren Kernnorm: Sie besagt, dass alle Handelspartner gleich behandelt werden sollen. Für die meisten Produkte würde dann ein Zoll von 3,5 Prozent gelten. Höhere Lasten wären nur etwa bei Dumping oder unerlaubten Subventionen zulässig. Diesen Fall sehen Experten hier nicht als gegeben. „Das Vorhaben ist in dieser Form ein Verstoß gegen die WTO-Regeln“, sagt Oliver Wieck, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer (ICC) in Deutschland. Eine Idee könnte eine sogenannte Border Adjustment Tax (BAT) sein. Sie wird bei einem Außenhandelsdefizit auf Importe erhoben. Fachleute werten die BAT aber als einen Zoll, der nach WTO-Regeln unzulässig ist, wenn er Mexiko einseitig benachteiligt.

Wie stehen die USA allgemein zur WTO?

Die Vereinigten Staaten nutzen das globale Handelsregelwerk häufig zum eigenen Nutzen. „Die USA haben von allen Ländern die meisten WTO-Klagen eingereicht“, erklärt BDI-Außenwirtschaftsexpertin Julia Howald. So beschwere sich Washington wiederholt über Diskriminierung von US-Waren in anderen Ländern. Kürzlich wurde Beschwerde eingelegt, weil Kanadas Provinz British Columbia unterschiedliche Bedingungen für den Verkauf von importiertem und regionalem Wein vorschreibe.

Könnten die USA die WTO verlassen?

Ja. Dafür gilt - wie für das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta, das Trump neu verhandeln will - eine sechsmonatige Kündigungsfrist. Bislang hat das jedoch noch nie ein Staat getan. „Einen Ausstieg der USA aus der WTO als Konsequenz wachsender Konflikte sollte die Wirtschaft nicht empfehlen“, sagt der Außenhandelschef des DIHK, Volker Treier.

Denn auch die US-Wirtschaft werde nicht auf funktionierende Mittel wie die WTO-Streitschlichtung verzichten wollen. „Auch die US-Wirtschaft hängt von globalen Märkten ab und lebt nicht allein von der Binnennachfrage“, betont der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Bernhard Mattes. „Protektionistische Maßnahmen sind im Zeitalter der Globalisierung keine Lösung.“

Welche Möglichkeiten zur Reaktion hat Mexiko?

Es kann gegen die Importsteuer Beschwerde bei der WTO einreichen - dann käme es zu einem sogenannten Streitbeilegungsverfahren. Dabei ist entscheidend, ob die Importsteuer gegen WTO-Regeln verstößt. In dem Fall würden die USA aufgefordert, die Steuer rückgängig zu machen, wie Wieck erklärt. Doch das kann sich hinziehen: „So ein WTO-Verfahren dauert normalerweise mehrere Monate bis Jahre.“ Mexiko dürfte „Vergeltungsmaßnahmen“ ergreifen, falls die Steuer nicht beseitigt wird. Das könnte etwa den Export von US-Reis betreffen, dessen Marktanteil im Nachbarland bei rund 90 Prozent liegt.

Und hat Mexiko Alternativen zum wichtigen Absatzmarkt USA?

Es gibt durchaus andere Optionen. Mexiko hat Freihandelsabkommen mit mehr als 40 Staaten und Regionen unterzeichnet. Gerade für die Automobilindustrie in das Land attraktiv. Es verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur, ein großes Netz an Zulieferbetrieben und relativ gut ausgebildete Arbeitskräfte. Die Lohnkosten sind mittlerweile niedriger als in China. Auch geografisch liegt Mexiko günstig - zwischen Süd- und Nordamerika, zwischen Asien und Europa.

Inwiefern wären deutsche Unternehmen von Trumps Plänen betroffen?

„Deutsche Unternehmen, die in Mexiko für den US-Markt produzieren, wären von der Importsteuer unmittelbar betroffen“, sagt Wieck. Ein Beispiel sind die großen Autobauer, die dort stark vertreten sind. Erst im September eröffnete die VW-Tochter Audi ein rund eine Milliarde Euro teures Werk für ihr SUV-Modell Q5. Daimler will 2017 eine Fabrik mit Renault-Nissan in Betrieb nehmen, BMW folgt 2019.

Was bedeutet Trumps Vorhaben für den Freihandel generell?

„Das zeigt die große Linie auf, die gegebenenfalls auch gegenüber anderen Ländern gefahren werden könnte“, glaubt Wieck. Schon seit Monaten ist vielerorts ein Trend zu Protektionismus und Abschottung erkennbar. „Die Globalisierung steckt in der Krise“, stellte bereits im Oktober 2016 der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels fest. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos warnten Top-Politiker und Wirtschaftsbosse vor Schäden für den Freihandel.

Überraschend warb vor allem Chinas Staatschef und Vorsitzender der Kommunistischen Partei, Xi Jinping, für die Globalisierung. Halten die USA an ihrer Linie fest, könnte nach Ansicht von Experten bald der große Knall folgen. Schon jetzt reden manche von „Handelskrieg“.

„Bisher hat Mexiko nicht mit Brasilien über den Marktzugang für Agrarprodukte verhandeln wollen oder können“, erklärt der brasilianische Landwirtschaftsminister Blairo Maggi. „Durch Trump hat sich das jetzt geändert.“
Dank des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta liefern vor allem die US-Farmer landwirtschaftliche Produkte nach Mexiko. 17 Milliarden Dollar schwer waren die Exporte im vergangenen Jahr.

Jeweils ein Viertel der gesamten Mais- und Sojaexporte, ein Zehntel der Weizenexporte und fast ein Drittel ihrer gesamten Schweinefleischausfuhren verkaufen die US-Farmer in den südlichen Nachbarstaat. Auch für Milchprodukte und Reis ist Mexiko der wichtigste Exportmarkt der US-Landwirtschaft.

Bisher blieben die südamerikanischen Konkurrenten in Mexiko außen vor. Doch seit Trump droht, die Nafta-Verträge neu auszuhandeln oder Importe aus Mexiko zu besteuern, will Mexiko seinen Markt für Soja, Mais und Fleisch aus Südamerika öffnen. Die brasilianischen Importe könnten dann schnell die amerikanischen Lieferungen ersetzen, soll Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo Vertretern der US-Regierung vorgehalten haben.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die mexikanischen Käufer der Agrarrohstoffe in der Lage sind, so schnell ihre Zulieferer zu wechseln. Die ganze Lieferkette nach Mexiko findet über Land- und Schienenwege von den USA aus statt. Es ist zu bezweifeln, dass die mexikanischen Häfen so schnell ihre Kapazitäten ausbauen können, um der heimischen Lebensmittelindustrie eine lückenlose Versorgung zu garantieren.

Kommentare (1)

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14.02.2017, 09:02 Uhr

Wir sollten Alle froh sein, wenn Südamerika endlich wieder stabiler wird. Und ja...Trump will sich auf die USA konzentrieren und somit schafft Trump genau die Luft für andere Länder in dieser Welt, die diese Länder dringend brauchen. Bush, Clinton, Obama...all diese Präsidenten der letzten Jahrzehnte haben immer mehr den anderen Ländern dieser Welt und zum Schluss der eigenen US Bevölkerung die Luft zum Atmen abgedreht. Trump bircht dies jetzt mit seiner 180 Grad Drehung (Politik) auf. Und das ist gut so.

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