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14.10.2014

15:04 Uhr

Air Berlin

Alitalia statt Etihad

Vor wenigen Tagen untersagte das Luftfahrtbundesamt gemeinsame Flugverbindungen von Air Berlin und Geldgeber Etihad. Jetzt macht die deutsche Airline mit der Etihad-Beteiligung Alitalia gemeinsame Sache.

Air Berlin-Maschine landet in Tegel: Italiens Bedeutung für die Airline „auf einem neuen Niveau“. Reuters

Air Berlin-Maschine landet in Tegel: Italiens Bedeutung für die Airline „auf einem neuen Niveau“.

BerlinDeutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin geht eine weitreichende Kooperation mit der italienischen Alitalia ein. Die Airlines wollen ihre Direktverbindungen zwischen Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz mit gemeinsamen Flugnummern anbieten.

Damit können Passagiere bei Air Berlin auch Alitalia-Flüge buchen und umgekehrt. Wie beide Unternehmen am Dienstag ankündigten, sind wöchentlich 412 Nonstop-Verbindungen und ausgewählte Anschlussflüge von dem Codesharing-Abkommen betroffen.

Ab dem 26. Oktober sollen zudem die drei täglichen Air-Berlin-Flüge von Düsseldorf sowie die zwei täglichen Flüge von Berlin-Tegel nach Mailand auf den näher am Stadtzentrum liegenden Flughafen Linate verlegt werden. Zuvor war der etwas weiter außerhalb liegende Airport Malpensa angeflogen worden. Auch die drei täglichen Flüge der österreichischen Tochter Niki werden nach Linate verlegt. Vom 1. November an sollen die Kunden zudem die Vielfliegerprogramme beider Airlines nutzen können.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer betonte, das Abkommen hebe Italiens Bedeutung für die Airline „auf ein neues Niveau“. Alitalia-Chef Gabriele Del Torchio meinte: „Wir führen unsere Strategie fort, kommerzielle Abkommen mit großen internationalen Unternehmen einzugehen, um unseren Gästen eine wachsende Zahl an Destinationen, Flugverbindungen und Frequenzen anzubieten.“

Hinter beiden Airlines steht die staatliche arabische Fluggesellschaft Etihad. Sie hält 29 Prozent an Air Berlin und hat angekündigt, bis zum Jahresende 49 Prozent an Alitalia zu übernehmen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.10.2014, 16:30 Uhr

Die Bürokraten sind halt der Tod für die Marktwirtschaft. Ohnehin wird auch im Rahmen der EU und EUR-Zone immer mehr Staatsdirigismus eingesetzt, kein gutes Zeichen für ein prosperierendes Europa und den Wohlstand der Bürger.

Die Nummer des Luftfahrtbundesamt ist dabei nur eine von vielen peinlichen Possen. Wo bleiben da die klaren Worte unserer Kanzlerin? Oder sind ihr die Arbeitsplätze bei AirBerlin auch sch... egal???

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