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18.12.2012

21:55 Uhr

Air-Berlin-Chef

Mehdorn wettert gegen Flughafengesellschaft

Hartmut Mehdorn hat die Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens als „Katastrophe“ und „Blamage“ bezeichnet. Außerdem bemängelt der Air-Berlin-Chef fehlendes Verantwortungsbewusstsein.

Air-Berlin-Chef Mehdorn hat die Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens als "Katastrophe" und "Blamage" bezeichnet. dapd

Air-Berlin-Chef Mehdorn hat die Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens als "Katastrophe" und "Blamage" bezeichnet.

BerlinAir-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hat die verzögerte Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens als "Katastrophe" bezeichnet. "Es fängt bei der Blamage an und endet mit einem wirtschaftlichen Schaden, den wir und viele andere erleiden", sagte der Chef von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft am Dienstag in Berlin.

"Wir sind tief enttäuscht, dass sich da überhaupt gar kein Schuldbewusstsein einstellt". Es sei ein Trauerspiel, dass Air Berlin zur Schadenersatzklage gezwungen werde. "An sich müssten wir einen guten Dialog mit dem Flughafen haben, wo wir die Dinge so regeln, wie sich das unter Geschäftspartnern gehört", sagte Mehdorn. Aber auf Seiten des Betreibers habe es "null Bewegung, null Verständnis" gegeben.

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Der Eröffnungstermin des neuen Berliner Großflughafens könnte einmal wieder scheitern.

Air Berlin hat Anspruch auf Schadenersatz gegen die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH angemeldet. Durch die wiederholte Verschiebung des Eröffnungstermins des Airports seien bisher Schäden in einem "großen zweistelligen Millionenbetrag" entstanden, sagte Mehdorn.

Den endgültigen Schaden könne man noch nicht beziffern. Die Deutsche Bahn, die am Flughafen einen Bahnhof gebaut hat, hält dagegen laut internen Papieren eine Klage für wenig aussichtsreich. Schadensersatz durchzusetzen sei nur "eingeschränkt rechtlich begründbar", heißt es dort.

Als Eröffnungstermin für den neuen Flughafen gilt derzeit der 27. Oktober 2013, trotz öffentlich geäußerter Zweifel auch an diesem Zeitpunkt. Bei einer Gesellschafterversammlung der Anteilseigner Berlin, Brandenburg und Bund wurde nach Angaben aus Teilnehmerkreisen keine neuen Entscheidungen zum Termin oder zur Geschäftsführung der Flughafengesellschaft erwartet.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat öffentlich erklärt, kein Vertrauen mehr in den Chef Rainer Schwarz zu haben. Er wird aber noch von Berlin und Brandenburg gestützt. Der Bund dringt jetzt zunächst darauf, die rechtliche Verantwortung der Geschäftsführung für die verspätete Eröffnung juristisch prüfen zu lassen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Zermalmer

18.12.2012, 22:34 Uhr

Und trotz dieser Aussagen wird Herr Mehdorn nie verstehen, wie sich der Normalbürger tagtäglich von Firmen oder der Regierung verschaukelt fühlt.

Berliner65

18.12.2012, 23:56 Uhr

Warum verlässt die Fluggesellschaft nicht einfach den Pannenflughafen und errichtet ein neues Hub in Stuttgart oder Hamburg?

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