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15.08.2012

15:40 Uhr

Air Berlin

„Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe“

Die Verzögerungen beim Hauptstadtflughafen belasten Air Berlin. Airline-Chef Mehdorn fordert nun, die Eröffnung nicht zu weit hinauszuschieben. Die angeschlagene Fluggesellschaft braucht dringend eine Erfolgsmeldung.

Im Sinkflug: Wie geht es weiter mit Air Berlin? dapd

Im Sinkflug: Wie geht es weiter mit Air Berlin?

BerlinAir-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn hat davor gewarnt, die Eröffnung des Hauptstadtflughafens zu weit hinauszuschieben. „Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe“, sagte Mehdorn am Mittwoch, einen Tag vor der nächsten Aufsichtsratssitzung des Flughafens. Der Neubau müsse so früh wie möglich in Betrieb gehen. Dazu, ob der zuletzt anvisierte Termin 17. März 2013 zu halten sei, wollte Mehdorn sich nicht äußern.

„Wir wünschen uns, dass wir im Sommer nächsten Jahres im BER sind.“ Er vertraue darauf, dass den Betreibern selbst daran gelegen sei, frühzeitig mit dem Flughafen Geld zu verdienen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Der Chef des größten Kunden des Hauptstadtflughafens (BER) nannte die Hängepartie ein „Ärgernis“. „Das ist eine Blamage. Es kann eigentlich gar nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland und in einer Stadt wie Berlin so eine Show abgeliefert wird.“

Die Entwicklung des Drehkreuzes für Umsteigeverbindungen in Berlin sei am alten Flughafen in Tegel sehr schwierig, sagte Mehdorn. „Wir machen uns Sorgen, was den nächsten Winter angeht.“ Mehdorn machte deutlich, dass Air Berlin dafür einen Ausgleich erwartet. „Wir sind in einem guten Dialog mit dem Flughafen, dass wir die Unkosten und Mehrkosten auch erstattet bekommen.“

Die Fluggesellschaft hatte ihre Streckenplanung auf den neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg ausgerichtet. Nun muss Air Berlin muss wegen der geplatzten Eröffnung sein Drehkreuz weiter am Flughafen Tegel aufbauen, der dafür eigentlich nicht geeignet ist.

Die Fluggesellschaft ringt auch mit weiteren Problemen. Air Berlin will daher die dünne Kapitaldecke mit dem Verkauf von acht Flugzeugen aufbessern. Die Veräußerung werde das Eigenkapital verbessern und die Liquidität erhöhen, hieß es am Mittwoch im Air-Berlin-Quartalsbericht. Es werde erwartet, dass die Eigenkapitalquote Ende des Jahres höher sein werde als Ende 2011. Ende Juni lag die Kennzahl bei vier Prozent. Seitdem sei das Eigenkapital aber bereits wieder gestiegen - allein im Juli um 60 Millionen Euro.

"Die finanzielle Situation hat ein kritisches Level erreicht", warnte dennoch Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler. Neben der schlechten Bilanz sei auch die Passagierentwicklung der vergangenen beiden Monate besorgniserregend.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Air Berlin war im zweiten Quartal - wie bereits bekannt - wegen der hohen Kerosinpreise noch tiefer in die roten Zahlen geflogen. Der Nettoverlust lag bei 66,2 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 43,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des Lufthansa-Konkurrenten zog um 1,7 Prozent auf 1,135 Milliarden Euro an.

Die gebeutelte Fluglinie hat in den vergangenen Monaten unrentable Flugverbindungen gestrichen, um die Auslastung ihrer Maschinen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Im zweiten Quartal habe Air Berlin 45 Millionen Euro eingespart - fünf Millionen mehr als ursprünglich geplant. Im Gesamtjahr will die Airline statt 200 Millionen Euro nun 230 Millionen Euro positive Effekte erreichen.

Kommentare (7)

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Merkur

15.08.2012, 09:12 Uhr

Das Wort "verscherbelt" in der Schlagzeile deutet darauf hin, dass AirBerlin die Flugzeuge weit unter Wert verkauft. Im Artikel ist vom (angemessenen?) Preis aber gar nicht die Rede. Übernimmt das Handelsblatt jetzt schon die Idee der BILD, um mit reisserischen Schlagzeilen Leser zum Aufruf des Artikels zu locken?

Account gelöscht!

15.08.2012, 10:45 Uhr

Wäre der Artikel ein Schulaufsatz, stünde darunter: Thema verfehlt. Der Informationsgehalt der Schlagzeile wird in einem Satz abgehandelt. Keine Information wie viele Flugzeuge verkauft werden, welche Typen usw. usw. Wenn Sie das nicht wissen, macht der ganze Artikel keinen Sinn und geht mit der Zeit der Leser unverantwortlich um.

Account gelöscht!

15.08.2012, 13:01 Uhr

Hmmm, Air Berlin-Anleihe zahlt 11% auf 2 Jahre (WKN: AB100C).
Bond-Markt-Übersetzung: Pleitekandidat.

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