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27.03.2011

14:00 Uhr

Air Berlin

Hunolds Lebenswerk steht auf dem Spiel

VonSilke Kersting, Jens Koenen

97 Millionen Euro Verlust hat die Fluggesellschaft Air Berlin im vergangenen Jahr gemacht. Das Lebenswerk von Vorstandschef Joachim Hunold ist in keinem guten Zustand. Doch Hunold gibt sich kämpferisch.

Air-Berlin-Vorstandsvorsitzender Joachim Hunold bei der Präsentation der Unternehmensbilanz. Quelle: dapd

Air-Berlin-Vorstandsvorsitzender Joachim Hunold bei der Präsentation der Unternehmensbilanz.

Berlin/Frankfurt Joachim Hunold mag die schönen Seiten des Lebens. Gern lenkt er die Geschäfte von Air Berlin schon mal von seiner Lieblingsinsel Sylt aus. Und er ist ein gern gesehener Gast guter Feste und gesellschaftlicher Großereignisse.
Lange Jahre hatte Hunold auch allen Grund zu feiern. Denn ihm ist gelungen, wovon andere träumen und wofür er hohe Anerkennung genießt: Mit eisernem Willen und vielen mutigen Übernahmemanövern formte Hunold seit 1991 aus der kleinen Air Berlin mit sechs Flugzeugen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft mit mittlerweile 150 Maschinen.

Doch die Zeit, in der Hunold mit Air Berlin große Erfolge feierte, ist vorbei. Der Konzern steckt in einer schwierigen Lage: Die Kosten sind zu hoch, Air Berlin hat zu wenige Langstrecken und eine zu geringe Ertragskraft. Nach Ansicht von Kritikern ist Hunold, den der Zustand von Air Berlin selbst besonders schmerzen dürfte, daran nicht ganz unschuldig. Hunold habe seinen Führungsstil nicht der neuen Größe seines Unternehmens angepasst. Immer noch wolle er bis ins Detail mitreden, heißt es in seinem Umfeld. "Das ist ein Spagat, der bei einem Unternehmen mit der Größe einfach nicht mehr funktionieren kann", klingt es warnend aus Kreisen des Verwaltungsrats.

Gestern präsentierte Hunold das Air-Berlin-Ergebnis: 97 Millionen Euro Verlust hat der Flugkonzern im vergangenen Jahr gemacht. Ein Jahr, in dem sich die deutsche Wirtschaft rasant erholte und Erzrivale Lufthansa mehr als eine Milliarde Euro Gewinn meldete. Ein Gewinn, der für Hunolds Air Berlin in weite Ferne gerückt ist. Doch er gibt sich kämpferisch. Sicher, "das Wichtigste", nämlich operativ Gewinn zu machen, habe man nicht erreicht, aber doch "den Großteil unserer Ziele für 2010", sagt er gestern bei der Präsentation der Zahlen. Soll heißen, die Zahl der beförderten Passagiere wurde gesteigert, der Umsatz ebenso, die Nettoverschuldung dagegen reduziert.

Doch überzeugen kann Hunold seine Kritiker so nicht. "Wir sehen nicht, dass die Dinge 2011 einfacher werden", warnte Johannes Braun, Analyst der Commerzbank, bereits vor einigen Wochen. Auch im Verwaltungsrat der nach britischem Recht firmierenden Air Berlin rumort es seit Wochen. Zum Jahresende legte Johannes Zurnieden, geschäftsführender Gesellschafter des Reiseveranstalters Phoenix Reisen, sein Amt als Vorsitzender des Verwaltungsrats von Air Berlin nieder. Insider berichten, er habe sich mit dem Führungsstil seines Freundes Hunold immer weniger abfinden können.
Auch der Chef des Air-Berlin-Verwaltungsrats, Joachim Körber, betrachtet den Führungsstil von Hunold kritisch. Der krisenerprobte ehemalige Chef des Handelskonzerns Metro ist einer, der klare Aufträge erteilt, auch an den Firmenchef: Hunold soll endlich seinen Nachfolger aufbauen. Notfalls will Körber selbst mit auf die Suche gehen.

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