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25.03.2014

13:22 Uhr

Air Berlin kämpft um ihre Zukunft

Die Geier der Luftfahrt

VonLukas Bay

Europas Airlines konnten die Konkurrenz aus den Emiraten lange im Zaum halten. Doch Wettbewerber wie Etihad arbeiten nach dem Geier-Prinzip: Sie warten, bis ihr Opfer schwach genug ist. Bei Air Berlin ist es bald soweit.

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Heiße Gerüchte um Air Berlin sorgen für regen Handel

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DüsseldorfGeier gelten als geduldige Tiere. Oft kreisen sie stundenlang über offener Wüste und warten, bis ihre Beute so geschwächt ist, dass sie sich nicht mehr wehrt. Erst dann schlagen sie zu. Im Jagdverhalten scheinen sich die starken arabischen Fluggesellschaften viel von den Geiern abgeschaut zu haben. In ihrem Expansionsstreben haben sie es vor allem auf die europäischen Airlines abgesehen, die im Wettbewerb als so geschwächt gelten, dass manche von ihnen allein wohl nicht überleben werden.

Es sind Airlines wie die schuldengeplagte Air Berlin, die einst staatliche Fluggesellschaft Alitalia oder die irische Aer Lingus. Sie müssen auf Rettung aus den Emiraten hoffen. Der harte Wettbewerb in Europa hat sie mürbe gemacht: Große Flughafenprojekte wie in Berlin stocken, Bürger demonstrieren für Lärmschutz und gegen den Ausbau. Die Luftverkehrsabgabe in Deutschland und Kerosinsteuern senken den Gewinn, zusätzlich drücken die Billig-Airlines die Ticketpreise. Und als wäre das alles nicht genug, streikt ab und an auch noch die eigene Belegschaft oder die eines Flughafens.

Die arabischen Airlines strotzen dagegen vor Kraft. Emirates, Etihad und Qatar Airways haben es sich zum Ziel gesetzt, ihre Heimatflughäfen Dubai, Abu Dhabi und Katar zu den neuen Zentren der Luftfahrt zu machen. Nachtflugverbote gibt es dort nicht. Die Flotten der Araber wachsen rasant, Treibstoffkosten und Flughafengebühren liegen weit unter europäischem Niveau und die Belegschaft wird mit niedrigen Steuern umworben. Und hinter den Arabern stehen keine dividendenverwöhnten Aktionäre, sondern schwerreiche Scheichfamilien, die auch Verluste in Kauf nehmen, um die Expansion voranzutreiben.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Lange machten Air France/KLM, Lufthansa und British Airways der neureichen Konkurrenz den Zugang zu den lukrativen Start- und Landeplätzen gemeinsam streitig. Doch die Phalanx bricht mehr und mehr auseinander – vor allem an den schwächsten Stellen. Ende 2012 war es Air France, die in einem Abkommen mit Etihad die Abstimmung von Flugplänen und die Aufteilung von Streckennetzen vereinbarte. Nun könnte es noch weiter gehen: Aus den sanierungsbedürftigen europäischen Airlines Air Berlin und Alitalia, sowie den Beteiligungen Aer Lingus, Air Serbia und der schweizerischen Darwin Airline, könnte Etihad eine Allianz formen, die Lufthansa & Co. das Fürchten lehren soll.

Die größte Fluggesellschaft Deutschlands ist alarmiert. Im Interview mit dem „Spiegel“ übte der Lufthansa-Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber vor zwei Monaten harsche Kritik an den Arabern: „Dort werden Flughäfen, Flugsicherung und die Airlines aus einer Hand geführt und als strategisches Werkzeug benutzt, um anderswo Passagiere abzuziehen.“ Das Wachstum in Fernost sei allerdings begrenzt, darum sei längst das bevölkerungsreiche Europa das erklärte Ziel. „Wo holen sie den Verkehr her? Klar, von uns – und dagegen werden wir uns wehren“, kündigte Mayrhuber markig an.

Doch selbst die Lufthansa scheint allein zu schwach, um sich der neuen Konkurrenz zu erwehren. Sie hofft auf Hilfe aus der Politik. „Wir müssen uns überlegen, wie wir gegen diesen ungleichen und unregulierten Wettbewerb angehen“, verlangte Mayrhuber im „Spiegel“. „Das können wir nicht allein, dafür brauchen wir auch politische Unterstützung in Form fairer Rahmenbedingungen.“ Falls man sich aus der Welt zurückziehe, seien ganze Logistikketten in Gefahr.

Kommentare (9)

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25.03.2014, 14:05 Uhr

Tja, man kann ja auch Urlaub im eigenen Land machen oder mit anderen Fahrzeugen ins Ausland fahren. Nur Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Irgendwann hört der Spuk dann wieder auf...

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25.03.2014, 14:33 Uhr

ist schon ganz schön pfiffig die anderen als asgeier zu bezeichnen, nachdem man hier mit absicht alles runtergewirtschaftet hat(geld der deutschen schlichtweg verschenken).

Nee, das sind keine asgeier, sondern die haben inzischen unser geld und kaufen sich davon die von uns aufgebauten firmen. Völlig zu recht bei so viel dummheit des michels.

und ja, die DAX 30 fa gehören schon seit jahren zum grossteil "nichtdeutschen". Ist auch kein geheimnis sondern ganz normal nachlesbar in deren firmen-UL.
Auch BMW gehört nicht mehr der deutschen familie zu über 50%. Und opel wurde schon lange vor dem 2. wk an amis verkauft. USW USF...

dazu kann man auch "sklaven ohne ketten opel" gogeln

Account gelöscht!

25.03.2014, 14:40 Uhr

Wo Aasgeier kreisen gibt es auch Aas. Die europäischen Airlines werden begeistert sein, so apostrophiert zu werden. Aber ganz falsch ist es nicht. Einzig die verfügbaren slots auf den Flughäfen bremsen noch den Elan der Araber. Und was man denen vorwirft, nämlich indirekte Staatsfinanzierung, war und ist gang und gäbe in Europa. Der Protektionismus stößt längst an seine Grenzen.

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