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16.03.2012

08:53 Uhr

Air Berlin

Mehdorn versucht sein Meisterstück

VonLukas Bay

Der Verlust von Air Berlin fällt noch höher aus als erwartet. Darum setzt der neue Vorstandschef Hartmut Mehdorn auf eine riskante Doppelstrategie: Er will sparen - und trotzdem das Angebot der Airline erweitern.

Auf Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wartet erneut eine schwere Aufgabe. dapd

Auf Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn wartet erneut eine schwere Aufgabe.

DüsseldorfNach einem halben Jahr im Amt hat Hartmut Mehdorn heute seine erste Bilanz als Air-Berlin-Chef vorgelegt. Das Ergebnis ist noch schlechter als von den Experten erwartet. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 247 Millionen Euro gestiegen. Im Vorjahr lag er noch bei 9,3 Millionen Euro. Offiziell begründet Mehdorn die hohen Verluste mit steigenden Kerosinpreisen, wettert gegen die Luftverkehrsabgabe. Dabei weiß auch er: Die Baustellen von Air Berlin sind viel größer. 

Mehdorn hat viel Arbeit vor sich, um Deutschlands zweitgrößte Airline zu sanieren. Nach seinem jahrelangen Wachstumskurs hat ihm sein Vorgänger Joachim Hunold ein hochverschuldetes Unternehmen mit einer unklaren Ausrichtung hinterlassen. Zu Air Berlin gehören Billig-, Ferien-, Linien- und Langstreckenflieger - eine Flotte, die auf Pump finanziert wurde. Der Schuldenberg ist mittlerweile auf über 800 Millionen Euro angewachsen, die Eigenkapitalquote liegt bei mageren 14 Prozent. Vor Steuern belief sich das Ergebnis sogar auf minus 359 Millionen Euro (2010: 142 Mio). Ein Steuerertrag von 87 Millionen Euro verbesserte das Nettoergebnis entsprechend. Sogar Hunold selbst belastet die Bilanz. Vor wenigen Tagen wurde ihm laut Informationen der Süddeutschen Zeitung eine "Entschädigung für den Verlust seiner Position" in Höhe von vier Millionen Euro zugesagt. 

Das Air-Berlin-Sparprogramm

„Shape & Size“

Das Sparprogramm soll bis spätestens 2013 das Betriebsergebnis (Ebit) um 200 Millionen Euro erhöhen.

Kleineres Streckennetz

Unrentable Strecken sollen aufgegeben werden, die Flotte soll von 170 auf 152 Flugzeuge verkleinert werden.

Ausbau der Drehkreuze

Die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien sollen ausgebaut werden. Mit Beitritt zum Bündnis Oneworld im Frühjahr 2012 sollen sie Verteilerfunktion für Passagiere von Partner-Airlines übernehmen.

Erhöhung der Nebeneinkünfte

Die Nebeneinkünfte sollen aus Zuschlägen für einzelne Leistungen und Preisanhebungen für einige Strecken erhöht werden.

Bessere Abläufe

Bessere Betriebsabläufe, neues Standortkonzept für Flugzeuge und Crews stehen ebenfalls auf dem Plan. So soll es gelingen, mit zehn Prozent weniger Maschinen nur vier Prozent weniger Flugleistung anzubieten.

Modernisierung

Die Vertriebskanäle werden modernisiert. Künftig sollen mehr Tickets über Internet-Reiseportale verkauft werden.

Einsparungen

In der Verwaltung, beim Einkauf und in der Flugabwicklung sollen die Kosten gesenkt werden.

Um das schwere Erbe seines Vorgängers zu bewältigen, setzt Mehdorn nun auf eine Doppelstrategie: Sanieren und Kooperieren.  Auch bei seinem neuen Arbeitgeber präsentiert sich der ehemalige Bahnchef als knallharter Sparkommissar. Das Sparprogramm „Shape & Size“ hat er verschärft. Zehn Prozent der Flugzeuge des Konzerns sollen stillgelegt werden, neue Bestellungen wurden vorschoben, unrentable Strecken eingestellt. Und sogar die Weihnachtsfeier wurde gestrichen. 

Kurz vor Weihnachten 2011 macht Air Berlin öffentlich, künftig mit der finanzstarken, arabischen Airline Etihad kooperieren zu wollen. Die Araber übernehmen 29,2 Prozent von Air Berlin – und stellen dem Unternehmen einen Kredit von 196 Millionen Dollar zur Verfügung. Beide Partner profitieren von der Partnerschaft. Etihad will in Europa expandieren. Und Mehdorn kann die Finanzprobleme der Berliner entschärfen.  Das Problem der strategischen Ausrichtung bleibt.

Kommentare (7)

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Maehdonn

16.03.2012, 09:57 Uhr

"Dass er ein Unternehmen sanieren kann, hat Mehdorn bei der Bahn bewiesen."

Hab ich was verpasst? Wo ist die Bahn denn saniert? Sparfuchs Mehdorn kann ein Unternehmen kaputt sparen. Das hat er schon bewiesen. Dabei hat er sich nicht nur unbeliebt gemacht, sondern das gesamte Image des Unternehmens hat er gleich mit ruiniert.
Am besten an diesem Artikel gefällt mir der Vorschlag Synergieeffekte von AirFrance/KLM zu nutzen. Da lacht man sich doch nur noch schlapp. Airberlin und AirFrance/KLM können sich ja gegenseitig ihr schlechtes Management voneinander abgucken. Minus mal Minus ergibt ja bekanntlich Plus. So gesehen, ist der Vorschlag wirklich super.

GHi

16.03.2012, 10:09 Uhr

Mehdorn der große Versager als Bahn-Manager .Der Mann kennt nur Personalabbau u.einen rüpelhaften Umgang mit seinen Untergebenen .

Air Berlin wäre besser bedient mit einem anderen Manager.

Die Bahner waren froh ,daß dieses Monster das Handtuch
geworfen hatte .

Mit dem neuen Bahnchef Grube haben die Bahner einen
kompetenten u. objektiven Manager . Er ist ein richtiger
Glücksgriff für die Bahn .
Die Mitarbeiter sind keinem Mobbing mehr ausgesetzt u.
arbeiten unternehmensbewußt .

Der alte Mann u. das Meer (Mehdorn)soll doch seine Memoiren schreiben ,da hat er viel zu tun bei dem vielen
Mist den er angerichtet hat .

Die Mitarbeiter von Air Berlin kann man nur bedauern !

Hackl

16.03.2012, 10:12 Uhr

In seiner Zeit bei der Bahn hat Mehdorn einen Zugausfall nach dem anderen zu verantworten gehabt. Nicht der strenge Winter, sondern verlängerte Wartungsintervalle und unterlassene Reparaturen haben dies verantwortet. Nun ist er bei einer Airline die kein Geld hat. Es mag sich jeder seine Meinung bilden wie jetzt Gelder eingespart werden, ich jedenfalls werde nicht mit Air Berlin fliegen- und so wie ich denken vermutlich viele.......

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