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10.04.2015

17:31 Uhr

Air Berlin und Etihad

Gemeinschaftsflüge sollen Ausnahme bleiben

Rückschlag für Air Berlin: Die Bundesregierung verbietet der Fluglinie vom Winter an einen Teil ihrer Gemeinschaftsflüge mit der arabischen Gesellschaft Etihad. Der Konzern plädiert für eine langfristige Vereinbarung.

Das Verkehrsministerium verbietet Air Berlin vom Winter an einen Teil der Gemeinschaftsflüge mit dem arabischen Partner und Finanzier Etihad Airways. Reuters

Eine Möglichkeit weniger

Das Verkehrsministerium verbietet Air Berlin vom Winter an einen Teil der Gemeinschaftsflüge mit dem arabischen Partner und Finanzier Etihad Airways.

BerlinGemeinschaftsflüge von Air Berlin und der arabischen Gesellschaft Etihad sollen nach Ansicht der Bundesregierung eine Ausnahme bleiben. Die sogenannten Codeshare-Vereinbarungen für Winter und Sommer in diesem Jahr seien ein Einzelfall, sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Freitag. Dem „Spiegel“ zufolge verbietet das Ministerium der Fluglinie vom Winter an einen Teil ihrer Gemeinschaftsflüge mit dem arabischen Partner und Finanzier Etihad Airways.

Nach einem internationalen Abkommen von 1994 dürfen beide Airlines derzeit nur Routen von Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg nach Abu Dhabi und umgekehrt zusammen vermarkten und bedienen. In einem Brief an den Wirtschaftsminister von Abu Dhabi, dem Heimat-Emirat von Etihad, heißt es laut „Spiegel“, dass die deutschen Behörden künftig nur diese Codeshare-Strecken genehmigen würden und solche, die in einer späteren Zusatzvereinbarung geregelt sind.

„Es gibt, soweit ich weiß, ein Schreiben an die VAE (...) wo wir gesagt haben, dass für die Flugplanperioden Winter und Sommer dieses Jahres Ausnahmen gemacht wurden und das Ausnahmen bleiben sollen“, sagte der Ministeriumssprecher. Alles weitere solle im Rahmen von Konsultationen besprochen werden. „Da gibt es noch keine Termine und auch noch keine Reaktion auf dieses Schreiben.“

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Air Berlin plädierte für die Fortsetzung der Codeshare-Flüge, wie ein Konzernsprecher sagte. Dabei erhalten Air-Berlin-Verbindungen innerhalb Europas und von Deutschland in die Vereinigten Arabischen Emirate eine Flugnummer von Etihad. Die angeschlagene Air Berlin erhöht damit die Auslastung der Flugzeuge, während der Großaktionär Etihad mehr Ziele weltweit anbieten kann. Das Luftfahrtbundesamt hatte vergangenen Herbst erstmals die Rechtmäßigkeit der Vereinbarungen angezweifelt, genehmigte nach langem Clinch aber den Winterflugplan. Später gab es auch grünes Licht für den Sommer.

Von

rtr

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