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15.05.2014

13:21 Uhr

Air Berlin

Wann wird's mal wieder richtig Sommer?

VonTobias Döring

Zum Jahresauftakt schreibt Air Berlin noch einmal größere Verluste. Airline-Chef Prock-Schauer klammert sich an ein neues Geschäftsmodell, wie auch immer das aussehen soll. Zur Not muss es der Sommer richten.

Schlechtes Quartalsergebnis

Air Berlin tief in den roten Zahlen

Schlechtes Quartalsergebnis: Air Berlin tief in den roten Zahlen

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DüsseldorfUnd immer noch kein Aufwärtstrend: Nur zweieinhalb Wochen nach den verheerenden Zahlen für das Jahr 2013 hat Air Berlin das Zahlenwerk der ersten drei Monate vorgestellt. Unter dem Strich wuchs das Minus von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 13 Prozent auf knapp 210 Millionen Euro an. Der Umsatz war leicht rückläufig und betrug gut 760 Millionen Euro.

Trotzdem verkauft der Vorstand das Quartalsergebnis als „leicht besser“ als im Vorjahr – der operative Verlust ging schließlich um gut fünf Prozent auf minus 183 Millionen Euro zurück. Im Winter schreiben Airlines meist Verluste, in diesem Jahr kam für Air Berlin das späte Osterfest hinzu, das erst ins zweite Quartal ab April fällt. Dementsprechend klammert sich der Vorstand der hochverschuldeten Airline daran, dass es schon irgendwie besser wird – und das Geschäft im Sommer brummt.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

„Ab dem zweiten, dritten oder vierten Quartal wird es eine positive Entwicklung beim RASK (Anm.: Erlöse pro Sitzplatzkilometer) geben“, sagte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer in einer Telefonkonferenz. Zu einem besseren Ergebnis sollen zum einen weitere Ersparnisse durch das Sparprogramms „Turbine“ und zum anderen mehr Passagiere beitragen. Dafür habe man zuletzt die Grundlage gelegt und Strecken angeboten, die im Winter nicht gut laufen, im Sommer dann aber anziehen. Bei Verbindungen nach Chicago habe man zum Beispiel im Winter die Position besetzt, um im Sommer die Früchte zu ernten, sagte Prock-Schauer.

Zum Jahresauftakt sind die Kosten pro angebotenem Sitzplatzkilometer bereits um gut acht Prozent gesunken, womit man laut Finanzchef Ulf Hüttmeyer „Ostern überkompensiert“ habe.

Doch dass weitere Sparmaßnahmen und vollere Flieger zu einem Ergebnis reichen, mit dem das Ruder herumgerissen werden kann, daran glaubt selbst bei Air Berlin schon lange niemand mehr. Ein neues Geschäftsmodell für den einzig verbliebenen inländischen Wettbewerber der Lufthansa muss her. Eine späte Einsicht, nachdem in den vergangenen sechs Jahren unter dem Strich nur einmal ein Plus stand.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.05.2014, 14:29 Uhr

"Wann wird's mal wieder richtig Sommer?"
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vlt wenn eine Airline entdecken sollte, dass sie kein BWL-Proseminaristen Club ist sondern schlichtweg eine Airline?

Das ist viel: wenn man weiß was ein Flugplan ist.
Mehr noch: sollte man wissen wozu eine Airline gebaut wurde: zum Fliegen von Menschen, die dafür bezahlen.

Solange auch Airlines lediglich dafür benutzt werden sollen unterschiedliche betriebswirtschaftliche Schulen gegeneinander aufzubringen: solange wird der Kunde die goldene Arschkarte in der Hand halten, ohne zu wissen wohin die ganzen Träume vom Fliegen eigentlich gehen sollen.

Und wer bezahlt?

Der Kunde: wie immer.

Also: mutauf und einen sauberen Carrier zu dem machen, wozu er gebaut wurde: zum Fliegen.

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