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19.02.2016

18:14 Uhr

Air Berlin

Zuschläge für Piloten sollen ausgesetzt werden

Vorerst keine Überstundenzuschläge für Piloten mehr: Air Berlin verhandelt mit der Gewerkschaft Cockpit derzeit über eine entsprechende Regelung. Ein Grund ist der internationale Terrorismus.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft will die Überstundenzuschläge für Piloten aussetzen. dpa

Air Berlin

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft will die Überstundenzuschläge für Piloten aussetzen.

BerlinDeutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin will die Zahlung von Überstundenzuschlägen an seine Piloten vorübergehend aussetzen. Darüber liefen Gespräche mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, sagte ein Sprecher am Freitag. Er bestätigte damit einen „Spiegel“-Bericht. Nach dem Tarifvertrag seien solche Verhandlungen „im Falle von Produktionsrücknahmen aufgrund geopolitisch oder durch Naturgewalten bedingte Geschäftseinbrüche“ möglich, teilte der Sprecher mit

Hintergrund sind die Terroranschläge in Paris und in der Türkei, die die Nachfrage auf bestimmten Strecken sinken ließen. Die Piloten seien schriftlich über das Vorhaben informiert worden. Um Kosten zu senken, hat das Management auf einen Teil seiner Bezüge verzichtet, zudem dürfen den Beschäftigten Überstunden nicht mehr ausbezahlt werden.

Neuer Sanierungsplan für Air Berlin

Pichlers großer Wurf?

Bei den heikelsten Fragen wird Vorstandschef Stefan Pichler zum Basta-Manager. Kann Air Berlin den kommenden Winter überstehen? „Unsere Finanzierung ist gesichert. Punkt“, antwortet er ohne Details. Gibt es einen Plan B, wenn die Gemeinschaftsflüge mit dem Partner Etihad nicht dauerhaft genehmigt werden? Pichler: „Das wird so weitergehen. Punkt.“ Der Spitzenmann der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft legte am 11. November Quartalszahlen vor und das lange erwartete Konzept für die nächsten Jahre – neun Monate nach seinem Amtsantritt.

Wie will Pichler den Umschwung schaffen?

Ein Maßnahmenpaket mit 14 Elementen soll Air Berlin aus der Dauerkrise führen. Pichler will den Verkehr dort ausbauen, wo es lukrativ erscheint, etwa auf Transatlantik-Routen, und neue Kundengruppen gewinnen. Bei Flotte, Organisation und Personal will er weiter sparen.

Wie will Air Berlin wachsen?

Auf langen Strecken lässt sich mehr verdienen. Weil das so ist, baut Air Berlin am Drehkreuz Düsseldorf im Mai 2016 sein Flugangebot in die USA und die Karibik aus. Es sind dann insgesamt bis zu 62 Langstreckenflüge wöchentlich ab Düsseldorf. Zum Vergleich: Ab Berlin-Tegel sind es 28 Interkontinentalflüge pro Woche. Eine engere Zusammenarbeit mit Alitalia soll mehr Fluggäste von Deutschland und Österreich nach Italien bringen. Geplant ist außerdem eine Vertriebsinitiative, um mehr Firmenkunden an Air Berlin zu binden.

Was ist mit dem Standort Berlin?

Auch die Basis Berlin soll erweitert werden, zunächst mit weiteren Europa-Verbindungen und später auch Langstrecken. Noch gibt es dazu nichts Konkretes. Pichler will aber mit der Expansion nach eigenen Worten nicht warten, bis der Hauptstadtflughafen (BER) voraussichtlich Ende 2017 eröffnet wird.

Wo will die Fluggesellschaft sparen?

Wie schon zuletzt, sollen Verbindungen „teilweise ausgedünnt“ werden, also Einsatz von weniger oder kleineren Flugzeugen dort, wo die Nachfrage schwach ist. Künftig soll die konzerneigene Flotte nur noch aus Airbus-Maschinen bestehen, um Kosten etwa bei der Wartung zu senken. Auch Personal soll abgebaut werden, überwiegend in der Verwaltung. Wie viele der rund 8000 Stellen wegfallen, ist noch nicht bekannt.

Was ist neu an den Plänen Pichlers?

Pichler sagt jetzt ausdrücklich, dass sein Konzern eine „Netz-Airline“ werden soll wie Lufthansa oder British Airways. Air Berlin könne aber die gleiche Leistung zu geringen Kosten pro Passagier verwirklichen - ein Wettbewerbsvorteil nach Meinung des Vorstandschefs. „Die strategische Ausrichtung ist relativ klar und eindeutig“. Doch der Weg dorthin brauche Zeit. Air Berlin könne seine anderen Standbeine wie das Tourismus-Geschäft „nicht einfach wegwerfen“. Air Berlin wird seit langem von Experten vorgeworfen, dass ein klares Geschäftsmodell nicht erkennbar sei.

Was ist Pichlers Ziel und bis wann will er es erreichen?

In 12 bis 18 Monaten soll der „Turning Point“ (Wendepunkt) erreicht sein, von dem an das Unternehmen wieder profitabel sein soll. Die frühere Ankündigung, Air Berlin wolle im Gesamtjahr 2016 wieder ein positives operatives Ergebnis (Ebit) erreichen, hat Pichler nicht wiederholt. Nun heißt es, das Ebit solle bis Ende 2018 um 310 Millionen Euro verbessert werden. Das würde für ein kleines Plus reichen. Im Jahr 2014 lag das Ebit bei minus 294 Millionen Euro.

Wie ist Air Berlin im Wettbewerb positioniert?

Zu den größten Konkurrenten gehören im Europageschäft Ryanair und Easyjet, die auch weiterhin ihr Angebot ausweiten und den Preisdruck auf vielen Strecken hochhalten. Interkontinental muss sich Air Berlin mit einer Reihe großer Gesellschaften messen, unter anderem der Lufthansa. Der Partner Etihad Airways aus Abu Dhabi verhilft zu Anschlüssen nach Asien und Australien. Die gemeinsame Vermarktung von Flügen ist für beide Partner ein wichtiger Pfeiler des Geschäfts.

Quelle: dpa

Air Berlin kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. Das Unternehmen kündigte am Freitag weitere Neubesetzungen im Vorstand an. Von Montag an sei der frühere Easyjet-Manager Neil Mills als Chief Strategy & Planing Officer unter anderem für die Netzwerkplanung und die Airline-Allianzen zuständig. Vom Großaktionär Etihad kommt Oliver Iffert als Chief Operations Officer nach Berlin. Die beiden bisherigen Vorstände Oliver Lackmann und Marco Ciomperlik rücken eine Ebene tiefer. Damit sei die Neuausrichtung des Managementteams weitestgehend abgeschlossen, hieß es.

Von

dpa

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