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15.06.2011

16:27 Uhr

AirBaltic-Chef

„Ich werde mit Mafia-Methoden bedroht“

Aggressive Methoden bei der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen wirft der Chef der Fluggesellschaft AirBaltic der lettischen Regierung vor. Er sieht den Versuch einer Voll-Privatisierung vor möglichen Neuwahlen.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Baltic vom Typ Fokker 100 in Berlin-Tegel. Quelle: dpa

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Baltic vom Typ Fokker 100 in Berlin-Tegel.

Berlin Der Chef und Großaktionär der Fluggesellschaft AirBaltic, Bertolt Flick, sieht sich von der lettischen Regierung massiv bedroht: Mit „rüdesten Mafia-Methoden“ werde derzeit versucht, ihn zu diskreditieren und das Unternehmen zu beschädigen, sagte Flick dem Handelsblatt. Hintergrund ist offenbar ein Machtkampf um mögliche Neuwahlen im Herbst, die der amtierende konservative Ministerpräsident zu verlieren droht.

Gezielt werde mit Behauptungen einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit der Wert des Unternehmens heruntergeredet und dem Management mit „aggressiven Methoden“ eines Führungswechsels bedroht, sagte Flick. Diese angedrohten aggressiven Methoden erinnerten ihn an den voriges Jahr beim staatlichen Energieversorger Latvenergo erzwungenen Austausch des Top-Managements, das zuvor lange in Untersuchungshaft genommen worden sei.

„Nach 17 Jahren in Lettland weiß ich, dass es im aktuellen Konflikt um ernsthafte Wirtschaftsinteressen geht“, sagte Flick. Die Regierung wolle vor der für sie wohl vernichtenden Neuwahl im Schnellgang eine Voll-Privatisierung von Air Baltic durchsetzen oder einen dritten Partner neben ihm und dem Staat ins Unternehmen bringen. „Denn wir sind nicht der Partner, der zum Wahlkampf beiträgt“, unterstreicht Flick.

Flick hatte Ende Januar 2009 den 47,2-prozentigen Anteil an AirBaltic übernommen, den bis dahin die skandinavische Fluggesellschaft SAS gehalten hatte. Seit 1995 war Flick im Aufsichtsrat der baltischen Airline, seit 2002 ist er Präsident und CEO. 52,6 Prozent an AirBaltic hält der Staat, der am 4.Juli im Kabinett über die weitere Beteiligung an der mit 34 Flugzeugen operierenden Gesellschaft entscheiden will. AirBaltic hatte voriges Jahr 2,8 Millionen Passagiere befördert und rechnet mit weiterem starken Wachstum über sein Drehkreuz Riga.

Lettlands Wirtschaftsminister Artis Kampars hatte kürzlich nach einem Bericht der lettischen Nachrichtenagentur Leta geasagt, Air Baltic sei von Insolvenz bedroht. Grund seien hohe Verluste im ersten Quartal. Transportminister Uldis Augulis vom Juniorpartner in der Regierung warf seinem Wirtschafts-Ressortkollegen vor, keine genauen Finanzzahlen für AirBaltic vorzulegen. Flick wies die Behauptung, sein Unternehmen stünde vor der Pleite, zurück: „Ich bin bereit, meinen Anteil aufzustocken oder den ganzen Staatsanteil zu übernehmen.“

Am 23. Juni müssen die Letten in einem Referendum abstimmen, ob das Parlament aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben werden sollen. Erst im vorigen November war in Lettland, das sehr heftig unter der weltweiten Finanzkrise zu leiden hatte und nur mit Milliardenhilfen von EU und IWF einen Staatsbankrott abwenden konnte, eine neue Regierung gebildet worden.

 

Von

mbr

Kommentare (1)

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Lettland-Fan

15.06.2011, 18:51 Uhr

Hmmh, ein CEO (Bertolt Flick) als Minderheitsaktionär, immerhin 47,2 Prozent, der den Markennamen "airbaltic" ohne Einwillung des staatlicheln Mehrheitsaktionärs bereits im Dezember 2010 an seine eigene Firma verkauft hat. Und ihn trotz Aufforderung des Mehrheitseigners immer noch nicht zurück übereignet hat...Und der auf den Vorwurf, dass in den ersten fünf Monaten 2011 ein Verlust in Höhe von 18 Millionen LVL (ca. 27 Mill. Euro) einfach nicht antwortet...Am 4. Juli kommen die KPMG Zahlen. Mal schauen wer wirklich mafiös arbeitet.

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