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21.12.2015

14:04 Uhr

Airbus unter Zeitdruck

Lufthansa erhält den ersten A320neo

Endspurt für Airbus: Bis Jahresende will der Flugzeugbauer den ersten A320neo ausliefern. Noch hält Airbus an dem Zeitplan fest – doch der erste Kunde Qatar hat die Abnahme abgelehnt. Jetzt kommt die Lufthansa zum Zug.

Die Lufthansa wird der erste Kunde, der den Flieger erhält. dpa

A320neo

Die Lufthansa wird der erste Kunde, der den Flieger erhält.

Toulouse/Hamburg/FrankfurtDem Flugzeugbauer Airbus droht bei der Erstauslieferung seines modernisierten Mittelstreckenjets A320neo die Zeit davonzulaufen. Die Übergabe des ersten Fliegers solle wie geplant noch bis Jahresende gelingen, sagte ein Airbus-Sprecher am Montag. Ein Datum stehe aber noch nicht fest. Statt der ursprünglich vorgesehenen Erstkundin Qatar Airways soll nun die Deutsche Lufthansa den ersten Jet erhalten, wie eine Sprecherin von Europas größter Fluggesellschaft sagte. Die im Vergleich zum herkömmlichen Modell im Verbrauch sparsamere A320neo ist der größte Verkaufsschlager von Airbus.

Qatar hatte die Abnahme des ersten Fliegers vor zwei Wochen allerdings abgelehnt und Probleme mit der Kühlung der neuen Triebwerke des US-Herstellers Pratt & Whitney als Grund genannt.

Wo Airbus Flugzeuge zusammenbaut

Vier Werke

Der größte europäische Flugzeughersteller Airbus baut in vier großen Produktionswerken auf drei Kontinenten Flugzeuge zusammen. Die Hauptproduktionsstätten.

Toulouse

Am Stammsitz von Airbus in der südfranzösischen Stadt mit mehr als 21 000 Beschäftigten in der Region werden auf mehreren Fertigungslinien die A320, A330, A350 und A380 endmontiert. Für die A320-Familie gibt es zwei Endmontagelinien.

Hamburg-Finkenwerder

Das Hamburger Werk in Finkenwerder ist mit 12 700 Beschäftigten die größte Produktionsstätte von Airbus in Deutschland. Für die Flieger der A320-Familie werden hier nicht nur Teile produziert, es gibt auch drei Endmontage-Linien. Eine vierte Linie soll in Hamburg entstehen, wenn die Produktion des Erfolgsschlagers A320 mehr als ohnehin geplant ausgeweitet wird. Auch an anderen Airbus-Programmen wie dem weltgrößten Passagierflugzeug A380 ist Hamburg beteiligt.

Tianjin

2008 eröffnete Airbus ein Werk als Joint Venture in der chinesischen Hafenstadt Tianjin. Dort werden von mehr als 400 Mitarbeitern ebenfalls Flugzeuge der A320-Familie montiert.

Mobile

Mit der Fertigungsstätte im US-Staat Alabama will Airbus dem Erzrivalen Boeing noch mehr Konkurrenz machen. Im Frühjahr 2016 soll dort der erste auf dem 470 000 Quadratmeter großen Areal montierte Mittelstreckenjet der A320-Familie ausgeliefert werden. 1000 Arbeitsplätze sind dort geplant.

Quelle: dpa

Der Airbus-Sprecher wollte den Grund für die Verzögerung nicht näher beschreiben. Es gebe Gespräche mit mehreren der ersten Abnehmer, darunter Lufthansa, Qatar Airways und die indische Fluglinie Indigo. Die Inder haben 430 Exemplare der „neo“ für insgesamt fast 41,6 Milliarden Dollar (38,6 Milliarden Euro) nach Listenpreis bestellt. Wie die Fluggesellschaft erklärte, habe Airbus sie bereits über die Verzögerung informiert. Eigentlich hätte Indigo ihren ersten Flieger am 30. Dezember erhalten sollen.

Die Lufthansa hat 115 Maschinen aus der A320neo-Modellfamilie bestellt. Die Auslieferung des ersten Fliegers soll im Airbus-Werk Hamburg erfolgen, wie die Lufthansa-Sprecherin sagte.

Qatar Airways fürchtete, ihr erster Jet müsse wegen Schwierigkeiten bei der Triebwerkskühlung länger als vorgesehen am Boden bleiben. Die Luftfahrtbehörden der EU und der USA haben die Zulassung für den Flugzeugtyp bereits erteilt. „Was zählt, ist dass wir unseren Kunden eine betriebsbereite A320neo übergeben“, sagte der Airbus-Sprecher. Der Typ wird alternativ auch mit Triebwerken des französisch-amerikanischen Herstellers CFM angeboten, die sich allerdings noch in der Testphase befinden.

Seit Airbus die A320neo-Familie vor fünf Jahren angekündigt hat, gingen Bestellungen für mehr als 4300 Flugzeuge in den unterschiedlich langen Varianten A319neo, A320neo und A321neo ein. Am Montag zog die British-Airways-Mutter IAG Kaufoptionen für weitere 15 A320-Jets. Die Neuauflage des seit den 1980er Jahren gebauten Mittelstreckenjets A320 soll bis zu 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen, vor allem wegen der sparsameren Triebwerke.

Um der Auftragsflut Herr zu werden, baut Airbus in den kommenden Jahren eine zusätzliche Fertigungslinie in Hamburg auf. Ab dem Jahr 2019 sollen dann monatlich insgesamt 60 Maschinen der A320- und A320neo-Familie die Airbus-Werke in Hamburg, Toulouse, Tianjin (China) und Mobile (USA) verlassen. Bisher sind es etwas mehr als die in der Planung vorgesehenen 42 pro Monat.

Von

dpa

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