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02.09.2015

18:30 Uhr

Airline-Fusion

Aeroflot kauft Transaero für einen Euro

VonAndré Ballin

Russlands größte Staatsairline Aeroflot übernimmt die Kontrolle über Transaero. Damit entsteht zwar ein neuer Gigant der Luftfahrt. Doch die erworbene Discount-Airline ist hoffnungslos verschuldet.

Zusammen mit ihren Tochtergesellschaften beförderte die russische Fluggesellschaft in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 22 Millionen Passagiere. Reuters

Stewardess von Aeroflot

Zusammen mit ihren Tochtergesellschaften beförderte die russische Fluggesellschaft in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 22 Millionen Passagiere.

MoskauAbflug in neue Höhen oder Absturz wegen Überladung? Die russische Staatsairline Aeroflot bekommt die Kontrolle über ihren schärfsten innerrussischen Rivalen Transaero. Für 75 Prozent plus eine Aktie zahlt Aeroflot die symbolische Summe von einem Rubel (umgerechnet 1,3 Cent). Die Entscheidung über den Verkauf fiel auf einer Regierungssitzung unter Vorsitz des Vizepremiers Igor Schuwalow.

Mit der Neuerwerbung steigt Aeroflot zum Giganten der Lüfte auf: Zusammen mit ihren Tochtergesellschaften Rossija, Orenavia, Pobeda, Donavia und Aurora beförderte sie in den ersten sieben Monaten dieses Jahres mehr als 22 Millionen Passagiere. Mit Transaero erhöht sich diese Zahl auf knapp 30 Millionen Fluggäste, das entspricht 56,5 Prozent des russischen Luftfahrtmarkts.

Die nächstgrößeren Konkurrenten in Russland, Sibir und UTAir, haben dagegen nur Marktanteile von 8,6 und sechs Prozent. Vom russischen Kartellamt wird es trotzdem keinen Einwand geben. Dessen Chef Igor Artemjew erklärte, es handle sich um eine Regierungsentscheidung, die seine Behörde umzusetzen habe. Es werde allenfalls kleinere Korrekturen geben: „Vielleicht werden wir Strukturforderungen stellen, also Aeroflot bitten, einen Teil ihres Routennetzes zu verkaufen, wo sie infolge der Fusion mit Transaero Monopolstellung erreicht hat“, sagte Artemjew.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Tatsächlich dürfte Aeroflot genug Probleme mit dem „Geschenk“ der Regierung haben. Transaero, 1990 als eine der ersten privaten Airlines in Russland entstanden, war zuletzt in massive Turbulenzen geraten. Allein im ersten Halbjahr erzielte das Unternehmen einen Verlust von umgerechnet 113 Millionen Euro.

Die Schulden wuchsen den Hauptaktionären um Generaldirektorin Olga Pleschakowa über den Kopf. Von den Ende 2014 ausgewiesenen 2,1 Milliarden Euro Schulden waren mehr als die Hälfte kurzfristig an die Banken zurückzuzahlen. Hauptschuldner sind die staatlichen Geldinstitute Sberbank und VTB. Insgesamt könnte der Schuldenberg laut der Tageszeitung „Kommersant“ inzwischen sogar knapp 3,5 Milliarden Euro betragen: Auch gegenüber Leasinggesellschaften und Treibstoffversorgern war die Fluggesellschaft im Rückstand.

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