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05.05.2015

15:11 Uhr

Airline reduziert Verlust

Swiss und Cargo helfen Lufthansa

Deutschlands größte Fluggesellschaft fährt die Verluste weiter zurück als gedacht. Dennoch steht bei der Lufthansa im Auftaktquartal weiter ein großes Minus. Die Jahresprognose weit übertreffen wird der Konzern nicht.

Deutschlands größte Fluggesellschaft reduziert ihre Verluste. dpa

A319 der Lufthansa in Frankfurt

Deutschlands größte Fluggesellschaft reduziert ihre Verluste.

FrankfurtDie Lufthansa-Passagiere haben den Schock des Germanwings-Absturzes im März schnell überwunden. „Bei Germanwings haben sich die Buchungseingänge bereits wenige Tage nach dem Unglück normalisiert“, sagte Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne am Dienstag. „Die Vorausbuchungen bei Lufthansa waren so gut wie gar nicht von dem Unglück betroffen.“ Insgesamt hätten die Streiks der Piloten mehr Gäste von einem Flug abgehalten als der Absturz, sagte sie.

Am 24. März war ein Airbus von Germanwings mit 150 Menschen an Bord über den französischen Alpen in einen Berg geflogen. Nach Ansicht der Ermittler steuerte der Copilot die Maschine absichtlich gegen eine Felswand. Die Katastrophe, die den auf seine hohen Sicherheitsstandards stolzen Konzern tief erschüttert, bringt zumindest die Finanzen der Lufthansa nicht in Schieflage. Für die Bilanz seien keine Konsequenzen aus dem Unglück für den Konzern erkennbar, sagte Menne. „Wir sind durch die Versicherung abgedeckt, auch bei Klagen von Angehörigen – sollten die denn kommen.“ Derzeit gebe es keine Erkenntnisse, ob es etwa zu Sammelklagen kommen werde, sagte sie.

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Ausschlaggebend ist nach Aussagen von Anwälten vor allem die Staatsbürgerschaft der Opfer und damit die Regelungen, die in ihrem jeweiligen Heimatland gelten. So dürften Hinterbliebene von US-Opfern im Klagefall mit zwei Millionen rechnen, weil die Trauer und der Schmerz der Verwandten im US-Recht ein starkes Gewicht haben. An Bord der Maschine waren drei US-Amerikaner. Insgesamt kommen auf die Versicherer der Lufthansa wegen des Unfalls voraussichtlich Kosten von 300 Millionen Dollar zu.

Das gleiche Schicksal wie der einst größten US-Airline Pan Am, die sich nach einem Bombenanschlag 1988 nie mehr erholte, beleibt der Lufthansa aus heutiger Sicht erspart. Pan Am war ein in aller Welt bekanntes Aushängeschild der USA, als einer ihrer Jumbojets nach einem Terroranschlag über dem schottischen Dorf Lockerbie abstürzte.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Trotz des Germanwings-Absturzes dämmte die Lufthansa das saisonübliche Minus im Jahresauftaktquartal ein. Der Betriebsverlust schrumpfte in den ersten drei Monaten 167 Millionen Euro nach einem Fehlbetrag von 240 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Insbesondere Swiss, Lufthansa Cargo und Lufthansa Passage entwickelten sich positiv. Der Umsatz zog um acht Prozent auf knapp sieben Milliarden Euro an. Im Gesamtjahr strebt der Vorstand weiterhin einen Betriebsgewinn von mehr als 1,5 Milliarden Euro an. Aufgrund der Geschäftsentwicklung der letzten Wochen sei es aber unwahrscheinlich, die Prognose deutlich zu übertreffen.

Die Kosten für den Konzernumbau und Streiks sind in der Prognose nicht mitgerechnet. Allein letztere dürften sich im ersten Halbjahr auf 100 Millionen Euro summieren. Neuigkeiten im Tarifkonflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit gebe es nicht, sagte Menne. Die Antwort auf eine von der Lufthansa vorige Woche angebotene Schlichtung aller Tarifthemen stehe noch aus.

Bewegung gab es hingegen in einer wichtigen Personalie: Die sanierungsbedürftige Tochter Austrian wird ab August von Kay Kratky geleitet. Der Pilot ist derzeit noch im Lufthansa-Passagiergeschäft für das Drehkreuz Frankfurt verantwortlich. Reuters hatte zuvor über den anstehenden Wechsel berichtet.

Von

rtr

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