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06.11.2015

19:17 Uhr

Airline streicht 300 Flüge

Lufthansa streikt auch am Samstag

Am ersten Tag des Streiks legen die Flugbegleiter ab 14 Uhr zwei wichtige Lufthansa-Drehkreuze lahm. Ab 14 Uhr soll in Frankfurt und Düsseldorf kein Kranich-Flieger mehr abheben. Das trifft fast 40.000 Passagiere auf 300 Flügen.

FrankfurtMit Arbeitsniederlegungen am Drehkreuz Frankfurt und in Düsseldorf haben die Flugbegleiter der Lufthansa am Freitag den längsten Streik in der Firmengeschichte begonnen. Die Lufthansa musste 290 Flüge absagen, darunter 15 Überseeverbindungen. Betroffen waren rund 37.500 Passagiere. Der Ausstand soll sich über acht Tage hinziehen.

An beiden Standorten fallen am auch Samstag rund 520 Flüge der Lufthansa aus. Betroffen seien rund 58 000 Passagiere, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag. Laut Ankündigung der Gewerkschaft Ufo ist dann für Sonntag eine Streikpause geplant.

Am Samstag sollten die Langstreckenflieger ab Frankfurt wieder planmäßig verkehren, weil dort nur die Mittelstreckenjets bestreikt werden sollten. Laut Lufthansa wird im Fernverkehr am Samstag lediglich die Düsseldorfer Verbindung nach New York gestrichen. Zu Ausfällen werde es bei Inlands- und Europaflügen kommen. Deutschland- und Kontinental-Flüge aus Frankfurt würden „nahezu komplett annulliert“, sagte der Sprecher.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Die Fluggesellschaft und der Frankfurter Flughafen-Betreiber Fraport stellten sich auf eine hohe Zahl gestrandeter Passagiere ein. Die Airline hatte nach eigenen Angaben 2500 Hotelzimmer in der Stadt reserviert. Diese können von Fluggästen genutzt werden, die in den Schengen-Raum einreisen dürfen. Transit-Passagiere ohne Visum dürfen hingegen das Flughafen-Terminal nicht verlassen. Fraport werde dort 600 Feldbetten aufstellen und zusätzliches Betreuungspersonal einsetzen, kündigte ein Sprecher an.

Nach Lufthansa-Angaben gab es aber bis zum frühen Abend keine Passagiere, die die Nacht wegen fehlender Einreiseerlaubnis im Transitbereich des Terminals verbringen mussten. Viele hätten die Online-Umbuchung genutzt, so seien lange Warteschlangen ausgeblieben, sagte ein Sprecher.

Auf dem Flughafen München herrschte nicht weniger, sondern mehr Betrieb: „Wir haben am Freitag vier Langstrecken-Maschinen aus Asien, die in Frankfurt landen sollten, nach München umgeleitet“, sagte Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger. Damit kämen 1200 Passagiere zusätzlich in München an. Von hier aus könnten die Umsteiger auch zu ihren eigentlichen Zielorten weiterfliegen.

Die Tarifverhandlungen für die rund 19 000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa-Kerngesellschaft ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Strittig sind vor allem die komplexen Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten. Am Donnerstag waren Last-Minute-Verhandlungen ohne Erfolg geblieben.

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