Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.07.2015

11:34 Uhr

Airline toppt Erwartungen

Lufthansa fliegt deutlich mehr Gewinn ein

Die angeschlagene Lufthansa meldet sich mit guten Zahlen zurück. Der Betriebsgewinn steigt stärker als erwartet. Doch das hat die größte deutsche Fluggesellschaft vor allem dem Ölpreis zu verdanken.

Billiges Kerosin hilft der Airline. Der Gewinn steigt deutlich. dpa

Lufthansa-Maschinen

Billiges Kerosin hilft der Airline. Der Gewinn steigt deutlich.

FrankfurtDie Lufthansa fliegt dank niedriger Ölpreise deutlich mehr Gewinn ein. Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) sei von April bis Juni um mehr als die Hälfte auf 635 Millionen Euro geklettert, teilte die Lufthansa am Donnerstag mit. Der Anstieg ist nach Aussagen von Finanzchefin Simone Menne durch externe Faktoren geprägt wie seit Monaten günstigen Ölpreisen. Die Ausgaben für Flugbenzin zählen zu den größten Kostenposten von Airlines.

Der Konzernumsatz zog gleichzeitig um neun Prozent auf 8,4 Milliarden Euro an. Das wirtschaftliche Umfeld für die Lufthansa bleibe aber trotz der positiven Zahlen weiterhin schwierig, betonte Menne. „Wir werden daher jetzt nicht die falschen Schlüsse ziehen, denn wir gehen davon aus, dass sich das Preisniveau für Flugtickets im zweiten Halbjahr nicht erholen wird“.

Lufthansa-Quartalszahlen: Das ist längst noch kein Turnaround

Lufthansa-Quartalszahlen

Das ist längst noch kein Turnaround

Auf den ersten Blick hat die Lufthansa ein gutes Halbjahresergebnis erzielt. Doch die Zahlen täuschen. Denn es sind nicht die Sanierungserfolge der Konzernspitze, die den Gewinn treiben. Ein Kommentar.

Im gesamten ersten Halbjahr sprang das Nettoergebnis vor allem wegen eines lukrativen Finanzgeschäfts vom März von minus 79 Millionen auf plus 954 Millionen Euro. Das operative Ergebnis in den ersten sechs Monaten lag bei 468 Millionen Euro.

Die Anleger waren zunächst positiv überrascht. Die Aktien stiegen in der Spitze um vier Prozent auf 13,17 Euro und zählten damit im Dax zu den Top-Favoriten. „Die Lufthansa hat für das zweite Quartal sehr starke Zahlen vorgelegt“, erklärte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Er bekräftigte seine Kaufempfehlung.

Allerdings gab es auch einige skeptischer Stimmen. Schließlich habe die Fluggesellschaft ihren Ausblick nur bekräftigt, sagte ein Börsianer. Zudem deutete das Management an, dass der jüngste Tarifvorschlag der Pilotengewerkschaft gute und schlechte Teile beinhalte. So grenzten die Aktien ihre Gewinne wieder ein und notierten nach rund einer Handelsstunde bei einem ebenfalls bröckelnden Dax nur noch 0,4 Prozent höher.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Im Gesamtjahr strebt der Vorstand des größten europäischen Luftfahrtkonzerns weiterhin einen Betriebsgewinn von mehr als 1,5 Milliarden Euro an. Die Kosten für Streiks sind in der Prognose nicht enthalten. Im Vorjahr lag der Wert bei knapp 1,2 Milliarden Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×