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07.09.2012

09:32 Uhr

Airlines in der Krise

Der schwarze Freitag für die Luftfahrt

VonLukas Bay

Lufthansa und Air Berlin müssen sparen. Doch der Flugbegleiter-Streik und die verschobene Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens sorgen für neue Millionenkosten. Den Fluggesellschaften droht ein schwarzer Freitag.

24-Stunden-Ausfall

Lufthansa vor größtem Streik in der Unternehmensgeschichte

24-Stunden-Ausfall: Lufthansa vor größtem Streik in der Unternehmensgeschichte

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DüsseldorfDeutschland bleibt am Boden – mal wieder. Der Lufthansa droht heute der größte Streik der Konzerngeschichte, am neuen Hauptstadtflughafen in Berlin werden wohl bis Oktober 2013 keine Flugzeuge starten. Die geplante Eröffnung könnte heute erneut verschoben werden. Für die großen deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin kommen die Hiobsbotschaften zur Unzeit. Ihre groß angelegten Sparprogramme drohen angesichts der neuesten Entwicklungen zu verpuffen, der Ausblick ist düster.

Für die Lufthansa ist im Tarifkonflikt nach eigenen Angaben schon jetzt ein Millionenschaden entstanden – und weitere Millionenkosten dürften hinzukommen. Die Fronten sind verhärtet. Seit einem Jahr ringen die Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa um einen neuen Tarifvertrag. Die Lufthansa hatte noch am Mittwoch angeboten, einen Schlichter einzusetzen. Dafür will die Lufthansa in den Verhandlungen aber nur unter der Bedingung, dass dann nicht über Leiharbeit und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Tochtergesellschaften verhandelt wird. Ein Angebot, das die Gewerkschaft ablehnte – auch aus Furcht, dass ab Januar Arbeitsplätze in eine neue Gesellschaft ausgelagert werden könnten. Auf den defizitären Kurzstrecken will die Lufthansa ihre Tochtergesellschaft Germanwings mit der Sparte Lufthansa Direct Services zusammenlegen.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Mit Potenzial zur Blockade

Sie sind klein, aber schlagkräftig. In der Luftfahrt, aber auch bei der Bahn und den Medizinern gibt es erfolgreiche Spartengewerkschaften. Einige Beispiele.

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 8200 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.

Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den knapp 4000 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen. Wenn die Lotsen ihre Arbeit niederlegen, müssen tausende Flugreisende am Boden bleiben.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO)

Nach eigenen Angaben ist sie in Deutschland die einzige Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die UFO hat mehr als 10.000 Mitglieder.

Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland. Sie hat mehr als 110.000 Mitglieder und kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern.

Zu mehr Zugeständnissen ist aber die Lufthansa nicht bereit. Denn bald stehen neue Tarifverhandlungen mit Piloten und Bodenpersonal an. Zu hoch ist das Risiko, dass ein hoher Tarifabschluss die Begehrlichkeiten anderer Berufsgruppen wecken könnte und das gegen alle Widerstände durchgesetzte Sparprogramm „Score“ in Gefahr gerät. Bis 2014 sollen anderthalb Milliarden Euro eingespart werden. Daher wird nun weiter gestreikt – auf dem Rücken der Passagiere.

Über 100.000 Lufthansa-Kunden sind heute vom Streik betroffen. Von den eigentlich geplanten etwa 1800 Flügen dürften wohl 1200 entfallen. Nur die Billigtochter Germanwings kann wohl wie geplant starten, dort wird nicht gestreikt. „Wir versuchen, innerdeutsche Passagiere auf die Bahn umzubuchen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag. Darum rüstet die Bahn auf. „Bei Bedarf werden wir alles, was uns an rollendem Material zur Verfügung steht, auf die Schiene bringen“, sagte ein Bahn-Sprecher.

Schon die reine Zahl der zusätzlichen Passagiere lässt die Befürchtung steigen, dass das Chaos an den Flughäfen sich zu einem Chaos an den Bahnsteigen ausweiten könnte. Auf jeden Fall sei am Freitag mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen in den Zügen zu rechnen, warnte die Bahn. „Reisenden wird eine Sitzplatzreservierung empfohlen.“

Die Profiteure des Streiks könnten ausgerechnet die Konkurrenten sein, denen die Lufthansa mit dem Sparprogramm die Stirn bieten wollen. Etliche Stammkunden müssen auf der Langstrecke auf die arabischen Airlines Emirates und Etihad ausweichen. Während der deutsche Marktführer sich im Arbeitskampf zerreibt, genießen die arabischen Airlines die politische und finanzielle Rückendeckung ihrer Herkunftsländer.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Kommentare (8)

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naja

07.09.2012, 10:30 Uhr

Reductiones ad absurdum: kleine Gewerkschaft mit großer Macht, Schwarzer Freitag für die Luftfahrt, Saftschubsen, Ramp Agents etc.pp.

Niedriger hängen!

Hysterisches Gebrabbel, wegen hysterischer Kostenrechner, die Geld dann ganz woanders verbrennen lassen auf Anordnung...

Fluggast

07.09.2012, 10:33 Uhr

Bei einer nur 2% Steigerung der Lebenshaltungskosten, einer sich abzeichnenden Stagnation der Wirtschaft und der bekannten Wettbewerbssituation kann man über die UFO-Aktivisten und ihrem Anführer Bublies nur den Kopf schütteln.
Erpresserischer Kleingruppenegoismus. Da werden einfach mal so 50.000 gute Kunden als Geisel für die eigenen Schwachsinnsforderungen genommen.

Nach dem Streik heucheln Dir diese geistig leichtgewichten Geiselnehmer dann wieder ein "Darf es noch ein Kaffee sein..." ins Gesicht.

Account gelöscht!

07.09.2012, 10:43 Uhr

Könnte mal jemand prüfen ob die UFO evtl von der guten Konkurrenz aus Asien/Nahost "gesponsort" wird

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