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03.03.2017

10:17 Uhr

Aldi, dm, Rossmann

So wollen deutsche Händler China erobern

Der chinesische Markt lockt mit Milliarden Kunden. Immer mehr deutsche Händler und Markenhersteller wollen da mitverdienen. Eigene Läden im Reich der Mitte brauchen Aldi, Rossmann und Co. dafür allerdings nicht.

„Bei deutschen Produkten besteht in China eine sehr hohe Nachfrage“ AFP; Files; Francois Guillot

Paket-Versand in China

„Bei deutschen Produkten besteht in China eine sehr hohe Nachfrage“

DüsseldorfDeutschlands Discount-Marktführer Aldi wagt den Schritt nach China – allerdings nicht mit eigenen Läden, sondern per Internet. Ab Frühjahr 2017 werden chinesische Kunden auf einem Online-Marktplatz des E-Commere-Riesen Alibaba, unter anderem Wein, Snacks und Frühstücksprodukte aus dem Aldi-Eigenmarkensortiment bestellen können.

„Wir sind davon überzeugt, dass auch chinesische Kunden ein großes Interesse an der Qualität und den günstigen Preisen haben, die wir ihnen bieten können“, begründete der Aldi-Landesgeschäftsführer China, Christoph Schwaiger am Donnerstag den Schritt.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Aldi ist mit seinem neuen China-Engagement nicht alleine. Auch viele andere deutsche Handelsketten und Markenartikler haben inzwischen chinesischen Online-Marktplätze wie Alibabas Tmall oder den Rivalen JD.com als Verkaufskanal für sich entdeckt. Die Drogeriemarktketten dm und Rossmann sind dort längst ebenso präsent wie der Düsseldorfer Handelsriese Metro oder die Markenartikler Henkel und Beiersdorf.

Die Kauflust ist da. „Bei deutschen Produkten besteht in China eine sehr hohe Nachfrage“, sagte der Deutschland-Chef von Alibaba Terry von Bibra vor einigen Monaten in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Gefragt seien vor allem Produkte für die Versorgung der Familie: H-Milch, Babynahrung, Haushaltsprodukte, Elektronikgeräte, Beauty- und Pflegemittel sowie Gesundheits- und Nahrungsergänzungsmittel. Alibaba suchte deshalb nach deutschen Partnern.

Dem Lockruf aus Fernost folgen inzwischen immer mehr Händler. Die größte deutsche Drogeriemarktkette dm verkauft seit Dezember Körperpflegeprodukte der Eigenmarke Balea, aber auch Zahncreme und freiverkäufliche Arzneimittel auf dem Alibaba-Marktplatz Tmall. Außerdem im Angebot: Baby-Milchpulver.

Der Direktverkauf des Milchpulvers habe auch das Ziel, „Abverkäufe in den deutschen dm-Märkten durch asiatische Zwischenhändler in größeren Mengen zu vermeiden“, räumte dm-Manager Christoph Werner ein. In der Vergangenheit war es durch die Nachfrage aus Fernost zu Engpässen in den deutschen Drogeriemärkten gekommen.

Auch Konkurrent Rossmann bietet inzwischen auf Tmall rund 100 Artikel vom Haarshampoo bis zum Bio-Müsli an - und natürlich ebenfalls Kindermilch. Deutsche Drogerieartikel hätten einen guten Ruf in China, davon wolle man profitieren, heißt es bei Rossmann.

De Düsseldorfer Handelskonzern Metro vereinbarte schon 2015 eine strategische Partnerschaft mit Alibaba, um auf Tmall sowohl Eigenmarken-Produkte als auch Markenartikel zu verkaufen.

Discounter startet in China: Aldibaba

Discounter startet in China

Aldibaba

Aldi nimmt sich nach der Offensive in den USA den nächsten internationalen Markt vor. Der deutsche Marktführer im Discount verkauft seine Waren künftig in China – mit freundlicher Unterstützung von Alibaba.

Doch sind auf den Online-Marktplätzen Chinas nicht nur deutsche Handelsketten aktiv, auch Markenartikelhersteller wie Henkel oder der Nivea-Produzent Beiersdorf nutzen die Chance, ihre Produkte im Reich der Mitte direkt an Endkunden zu verkaufen.

Mit Erfolg, wie Henkel-Sprecher Wulf Klüppelholz berichtet. „Wir erzielen inzwischen in China die Hälfte unserer Umsätze im Haarpflegegeschäft online.“ Henkel habe in China stark auf den digitalen Handel gesetzt, weil die klassischen Handelskanäle bereits stark besetzt gewesen seien.

Mit dieser Strategie sei das Unternehmen in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als die Konkurrenz. Das habe sich auch in November am sogenannten Singles‘ Day, dem wichtigsten Tag im Online-Einzelhandel in China, noch einmal gezeigt. „In nur 24 Stunden haben wir rund fünf Millionen Produkteinheiten verkauft“, berichtete Klüppelholz.

Von

dpa

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