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21.01.2015

14:42 Uhr

Aldi im Shitstorm in Frankreich

Boykott-Aufrufe gegen deutschen Discounter

In Frankreich steht Aldi im Kreuzfeuer der Kritik: Weil Mitarbeiter auf der Jagd nach den „Charlie Hebdo“-Attentätern evakuiert wurden, sollen sie die Arbeitszeit nacharbeiten. Der Discounter dementiert – doch zu spät.

Der Discounter Aldi hat in Frankreich Probleme bekommen. Zu unrecht, wie er selbst sagt. dpa

Der Discounter Aldi hat in Frankreich Probleme bekommen. Zu unrecht, wie er selbst sagt.

DüsseldorfDie französische Aldi-Warenzentrale in Dammartin-en-Goële steht in Frankreich im Fokus Aufmerksamkeit. Nach den Terroranschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ verschanzten sich die beiden Täter in einer Druckerei in der Nähe des Lagers. Am 9. Januar evakuierte die Polizei die Aldi-Mitarbeiter, einige Beschäftigte kamen wegen der Polizeisperren zudem zu spät zur Arbeit. Das französische Blatt „Le Parisien“ berichtet nun, dass Aldi verlangt, dass die Angestellten diese Zeit nacharbeiten. Der deutsche Discounter dementierte den Bericht, doch zu spät: Im Internet gibt es bereits erste Boykott-Aufrufe.

Nach Angaben des Berichts wurden die Mitarbeiter am 9. Januar gegen 16.30 Uhr evakuiert. Nur eine halbe Stunde später stürmten die Einsatzkräfte die Druckerei, in der sich die beiden Terroristen verschanzt hatten. Deshalb konnten die Mitarbeiter nicht wie üblich ihre sieben Stunden arbeiten. Den Angaben einer Gewerkschafterin zufolge, die in „Le Parisien“ zitiert wird, habe die Geschäftsführung ihr gegenüber die Entscheidung bestätigt. Einen Gehaltsabzug solle es jedoch nicht geben.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Der deutsche Discounter widersprach dem Bericht umgehend. „Die Geschäftsführung kann die Informationen absolut nicht bestätigen“, hieß es in einer Erklärung. Die Informationen seien nicht korrekt. Die Mitarbeiter müssten weder um den Verlust ihres Gehalts fürchten noch darum, auch nur eine Stunde nacharbeiten zu müssen, so die Aldi-Zentrale.

Im Internet tobt jedoch schon der Mob. Unter der Meldung des „Parisien“ auf dem Kurznachrichtendienst Twitter äußern die Franzosen ihre Wut. Einer schreibt: „Aasgeier bleiben Aasgeier.“

Ein weiterer bedauert die Mitarbeiter und schreibt am Ende ein Wort, das die Umstände seines Erachtens nach besonders gut beschreibt: „Schande!“

„Le Parisien“ hat das Dementi inzwischen ebenfalls auf Twitter verbreitet.

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lih

Kommentare (3)

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Herr Werner Müller

21.01.2015, 15:18 Uhr

Ich frage mich was das HB in der letzten Zeit mit dem Zitieren von irgendwelchen Twitternachrichten darstellen will. Mit Qualitätsjournalismus hat das nichts mehr zu tun. Wahrscheinlich sind beim HB grad ein paar Studis zum Praktikum und haben Gabor Steingart gezeigt was man so alles tolles im Internet machen kann. Liebes Handelsblatt: Wenn ich Twitter-Niveau (zusamenhangsloser Bullshit) lesen möchte benutzte ich Twitter. Von euch erwarte ich Qualität, die sicher nicht dadurch erreicht wird indem ihr Twitternachrichten von irgendwelchen Personen kopiert und hier rein stellt. Eine Schande für jeden guten Journalist! Obendrein wisst ihr nicht mal wer die Leute sind und was deren Ambitionen sind die dort schreiben......

real. ist

21.01.2015, 16:38 Uhr

Die sozialen Medien werden immer asozialer, weil sie als moderne Hexenjagd missbraucht werden.
Der Besen fliegt heutzutage elektronisch.

Herr Renatus Isenberg

21.01.2015, 16:44 Uhr

Aldi war am Anfang eine sehr gute Idee. Inzwischen ist Aldi zu mächtig und zu reich auf dem Rücken der Zulieferer geworden. Das Verhalten von Aldi F ist eine Schande und schadet dem Ansehen Deutschlands! Boykotiert ALDI!

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